Märkte & Wirtschaft
06.07.17

Reaktion auf Brexit

Deutsche Bank erwägt Teilumzug von London nach Frankfurt

Von Larissa Lippold

Die Deutsche Bank will Frankfurt zum Zentrum ihres Wertpapierhandels machen, berichten verschiedene Medien. Dabei geht es um mehr als nur den Umzug von Händlern.

Die Deutsche Bank scheint eine Verlagerung der Wertpapierhandelssparte von London nach Frankfurt in Erwägung zu ziehen.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank scheint eine Verlagerung der Wertpapierhandelssparte von London nach Frankfurt in Erwägung zu ziehen.

Der Brexit bringt Teilumzüge einiger Großbanken mit sich. Berichten von  „Handelsblatt“ und „Bloomberg“ zufolge erwägt nun auch die Deutsche Bank, den Großteil der Wertpapierhandelssparte nach Frankfurt zu verlagern, und zwar innerhalb der nächsten 18 Monate.

Wie das „Handelsblatt“ schreibt, würde das bedeuten, dass diejenigen Kundenbetreuer, die derzeit kontinentaleuropäische Klienten in den Sektoren Industrie, Dienstleistungen, Banken und Versicherungen von London aus bearbeiten, von der Insel aufs Festland umgelagert werden würden. Der Großteil dieser Mitarbeiter würde in Frankfurt landen, heißt es im „Handelsblatt“ weiter.

Doch das wäre nicht alles: Stimmt der Bericht, würden 18.000 bis 20.000 Kundenkonten nach Frankfurt verlagert werden und mit ihnen auch die entsprechenden Funktionen wie Berichtssysteme, das Clearing, die Risikokontrolle sowie Experten für Recht und Compliance. Die Deutsche Bank gab auf FINANCE-Anfrage keinen Kommentar zu der Angelegenheit ab.

Die Strategie der Banken hängt vom Brexit ab

Ob die Deutsche Bank mit dem Plan Ernst macht, ist zu einem großen Teil davon abhängig, wie Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) austritt. Das Wahlergebnis im Juni hat die Verhandlungsposition von Premierministerin Theresa May geschwächt und lässt die Wahrscheinlichkeit eines weicheren Brexits steigen, in dem Londons Banken den Zugang zum Binnenmarkt behalten.

Kommt es doch zum harten Brexit, müssen Konten in die EU transferiert werden. Dies würde nicht nur die Deutsche Bank betreffen, sondern viele andere Geldhäuser, die einen Standort in London unterhalten. Problematisch könnte die Verlagerung der Konten von London in die Eurozone insofern werden, als momentan unklar ist, ob betroffene Kunden ihren bisherigen Status behalten oder ob sie als Neukunden klassifiziert werden und sich dann im Zuge des Umzugs ihrer Bank einer erneuten Prüfung durch die Bank unterziehen müssen.

Die Großbank Standard Chartered, sowie Nomura, Sumitomo Mitsiu und Daiwa (Japan) haben den Umzug ihres Europa-Drehkreuzes von London nach Frankfurt bereits offiziell angekündigt. Branchennachbar Goldman Sachs will zumindest eine große Anzahl von Arbeitsplätzen verlagern. Auch die Bank Morgan Stanley (USA) erwägt Medienberichten zufolge, Teile des Geschäfts von London nach Frankfurt umzulegen.

redaktion[at]finance-magazin.de

Mehr über die Folgen des britischen Austritts aus der Europäischen Union lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.