Märkte & Wirtschaft
31.01.17

Der lange Weg zur Bankerlaubnis

Harter Brexit: Das kommt auf die Banken zu

Von Sabine Reifenberger

Raus aus London, rein in die EU: Bei einem harten Brexit brauchen viele ausländische Banken bis 2019 eine Banklizenz in einem EU-Land. Doch die ist nicht so einfach zu bekommen.

Viele Banken bereiten sich derzeit auf einen harten Brexit vor. Sie müssen sich informieren, wie sie an eine Banklizenz in einem EWR-Land kommen.

QQ7/iStock/Thinkstock/Getty Images

Viele Banken bereiten sich derzeit auf einen harten Brexit vor. Sie müssen sich informieren, wie sie an eine Banklizenz in einem EWR-Land kommen.

Die Gerüchteküche bringt nahezu täglich neue Umzugsgerüchte aus der Bankenwelt zutage, erste Häuser wie UBS und HSBC haben bereits angekündigt, Stellen aus London in Standorte innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) verschieben zu wollen. Auch in Frankfurt ruhen Hoffnungen auf dem Brexit: Die Stadt rechnet sich gute Chancen aus, von einer Verlagerung der Bankenlandschaft profitieren zu können. Bis zu 10.000 Londoner Banker könnten nach Frankfurt kommen, schätzt die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance.

Das Interesse ausländischer Banken ist so groß, dass die Finanzaufsicht Bafin am gestrigen Montag bereits eine Brexit-Informationsveranstaltung für ausländische Banken abgehalten hat. Rund 50 Manager von mehr als 20 Banken sollen dafür registriert gewesen sein. 

CMS-Anwalt Joachim Kaetzler: „Banken wappnen sich für harten Brexit“

Zwar ist nicht zu erwarten, dass Banken den Finanzplatz London vollständig aufgeben, doch mit dem Brexit könnten sich die Gewichte verschieben: Tritt Großbritannien, wie derzeit von Regierungschefin Theresa May geplant, mit einem harten Brexit aus der EU aus, wäre Großbritannien vom Frühjahr 2019 an kein Mitglied des EU-Binnenmarktes mehr.

Banken mit Sitz in London würden damit ihre Passporting-Rechte verlieren, die es ihnen bislang erlauben, Geschäft grenzüberschreitend in allen EWR-Ländern anzubieten. Sie bräuchten künftig eine rechtlich eigenständige Einheit mit Sitz in einem EWR-Staat. Auf diesen Ernstfall stellen sich einige Banken ein, beobachtet Joachim Kaetzler, Partner und Co-Leiter der internationalen Gruppe Banking & Finance bei CMS in Frankfurt.

„Die Unsicherheit ist schädlich. Um ihr zu begegnen, bereiten die Banken sich auf einen harten Brexit vor“, sagt Kaetzler. Zwar hofften manche Institute auf einen Bestandsschutz ihres europäischen Geschäfts oder zumindest auf lange Übergangszeiten. Doch verlassen könne man sich darauf nicht.

Bafin will Briefkastenbanken ausschließen

Neben Dublin, Luxemburg und Paris positioniert sich Frankfurt als Standort. Kaetzler rechnet damit, dass eine Niederlassung in Frankfurt, dem Sitz der EZB, besonders für Einlagenkreditinstitute interessant ist. Allerdings ist eine deutsche Bankerlaubnis nicht ohne Weiteres zu bekommen: Die Aufsichtsbehörden fordern für eine Bankerlaubnis in Deutschland einen Geschäftsplan, der zeigt, dass das Institut wirtschaftlich nachhaltig am Markt bestehen kann. Zudem muss die Bank eine risikoadäquate Geschäftsorganisation nachweisen.

Einfach einen Außenposten zu installieren, der im Wesentlichen aus London heraus gesteuert wird, ist damit ausgeschlossen. „Die deutsche Einheit muss eigenständig am Markt bestehen können und über eine angemessene Organisationsstruktur verfügen“, sagt Kaetzler. Dazu zählten neben zwei Geschäftsleitern sowie dem Aufsichtsrat auch eine Compliance- und Risikoorganisation, eine robuste IT, Beauftragte für Compliance und Datenschutz, um nur einige Punkte zu nennen. „Bei Universalbanken sind das schnell 30 bis 50 Leute allein im Backoffice“, sagt Kaetzler. 

Banken brauchen Führungspersonal

Einen Vorteil haben an dieser Stelle Banken, die bereits mit einer großen Niederlassung in Deutschland präsent sind. Wesentliche organisatorische Strukturen haben sie in der Regel schon geschaffen. „Der Mehraufwand ist dann begrenzt“, sagt Kaetzler mit Blick auf einen harten Brexit.

Anders sieht es dagegen aus, wenn die Banken bislang ihr Geschäft größtenteils grenzüberschreitend aus London heraus getätigt haben und ein deutscher Standort neu aufgebaut werden muss. Dann kann es auch beim Führungspersonal zu einem Engpass kommen.

Der Grund dafür: Die Anforderungen an Geschäftsleiter sind zuletzt immer weiter gestiegen. Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage durch verlagerungswillige Banken dagegen steigt. „Bei wachsendem Bedarf kann es schwer werden, ausreichend Kandidaten für Leitungsfunktionen mit Deutschlandbezug zu finden“, warnt der CMS-Partner.

Viel Zeit haben die Banken bei der Personalsuche nicht: Für den Aufbau einer eigenständigen Niederlassung in Deutschland rechnet Kaetzler mit mindestens zwölf Monaten. Dennoch warnt er davor, die Situation zu überspitzen: „Die Verlagerungen sind für die Banken eine Herausforderung. Aber sie sind machbar“, findet der Bankrechtler. Er geht davon aus, dass die Banken aus eigenem Interesse zügig für Klarheit über ihre neue Aufstellung sorgen werden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit