Märkte & Wirtschaft
02.08.17

Neue Strategie zündet noch nicht

Mehr Firmenkunden, weniger Ertrag für die Commerzbank

Von Philipp Habdank

Die Commerzbank verdient zum Halbjahr weniger Geld und schiebt das vor allem auf Millionenrückstellungen für Abfindungen. Doch auch operativ bröckeln die Erträge im neuen Firmenkundensegment.

Eine Millionenrückstellung für den geplanten Stellenabbau drückt die Commerzbank zum Halbjahr in die roten Zahlen. Doch auch ohne die Rückstellung büßen die Frankfurter im Firmenkundensegment ein.

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Eine Millionenrückstellung für den geplanten Stellenabbau drückt die Commerzbank zum Halbjahr in die roten Zahlen. Doch auch ohne die Rückstellung büßen die Frankfurter im Firmenkundensegment ein.

Die Bilanz des Firmenkundengeschäfts der Commerzbank für das erste Halbjahr 2017 fällt durchwachsen aus. Zwar hat Deutschlands zweitgrößte Bank allein in der ersten Jahreshälfte 1.800 neue Firmenkunden gewinnen können (bis 2020 sollen es 10.000 werden).

Doch mit diesen verdienen die Frankfurter noch nicht genug Geld. Die Erträge im Firmenkundensegment sind im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10 Prozent von rund 2,2 Milliarden auf 2 Milliarden Euro gesunken. Bereinigt um Sondereffekte fiel der Rückgang mit 110 Millionen Euro etwas schwächer aus.

Im von Michael Reuther verantworteten Firmenkundensegment bündelt die Commerzbank seit diesem Jahr vor allem das Geschäft mit Mittelständlern, die jährlich mehr als 15 Millionen Euro umsetzen, sowie MDax und Dax-Unternehmen und internationalen Großkunden. Aber auch das Geschäft mit anderen Banken und der Geschäftsbereich Equity Markets Commodities (EMC) mit dem Derivatehandel sind dort angesiedelt.

Provisionserträge der Commerzbank stagnieren

Der Ertragsrückgang liegt vor allem am niedrigeren Zinsüberschuss. Das Zins- und Handelsergebnis ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 170 Millionen auf 1,35 Milliarden Euro gesunken. Die Commerzbank leidet hier wie die gesamte Branche am Niedrigzinsumfeld. Dazu kommt: Lukratives Folgegeschäft mit den gewonnen Neukunden lässt angesichts der stagnierenden Provisionserträge noch auf sich warten. Der Provisionsüberschuss liegt wie im Vorjahreszeitraum bei rund 660 Millionen Euro, enthält aber auch Effekte aus dem zurückgefahrenen Geschäft mit Banken.

Die Erträge mit der Kundengruppe „Mittelstand" sind in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 6 Prozent auf 926 Millionen Euro gesunken. Bei den „International Corporates" verbucht die Bank einen Ertragsrückgang von rund 7,6 Prozent auf 453 Millionen Euro. 

Die gesunkene Risikovorsorge und die geringeren Verwaltungsaufwendungen konnten den Ertragsrückgang nicht kompensieren, so dass der operative Gewinn der Commerzbank im Firmenkundensegment im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 100 Millionen auf 502 Millionen Euro geschmolzen ist. 

Commerzbank wird Schiffskredite im Wert von 900 Millionen los

Die schrumpfenden Firmenkundenerträge haben auch dazu geführt, dass die Commerzbank bei ihrem zweiten großen Ziel im Firmenkundensegment im ersten Halbjahr nicht voran gekommen ist. Die Bank möchte bis 2020 ihre RWA-Effizienz auf den Wert 4,2 steigern. Die Kennzahl gibt an, wie viel Ertrag die Bank aus einem Euro risikogewichteter Aktiva (Risk Weighted Assets, kurz RWA) herausholen kann, welche die Bank nach Basel-III-Vorschriften mit Eigenkapital unterlegen muss.

Im ersten Halbjahr lag die RWA-Effizienz wie im Vorjahreszeitraum bei 3,7. Der RWA-Rückgang im Firmenkundensegment von rund 108,5 Milliarden auf rund 93 Milliarden Euro wurde durch den Ertragsschwund wettgemacht.

Fortschritte machte die Commerzbank beim Abbau ihres Schiffsportfolios, dessen Nominalwert im ersten Halbjahr um 900 Millionen Euro auf nun rund 3,9 Milliarden Euro reduziert wurde (davon stecken 1,4 Milliarden Euro in notleidenden Krediten). Bis zum Jahresende soll der Bestand auf 3 Milliarden Euro sinken. 

Rückstellungen für Personalabbau bescheren Commerzbank Verlust

Der Halbjahresbericht verdeutlicht, dass die Commerzbank sich noch immer mitten in der Restrukturierung befindet. So wurden im zweiten Quartal 806 Millionen Euro an Rückstellungen für Restrukturierungsaufwendungen verbucht. Dabei geht es vor allem um Abfindungen, die für den Abbau von 9.600 Vollzeitstellen bis 2020 anfallen. 

Angaben dazu, wie viele der Umbaukosten für das Firmenkundengeschäft anfallen, macht die Bank nicht. Auch werden die Rückstellungen vollständig im Segment „Sonstige Konsolidierung“ verbucht und nicht auf die einzelnen Geschäftsbereiche verteilt. In den Medien kursierten deshalb zuletzt die unterschiedlichsten Zahlen: In der Mitarbeiterzeitschrift „Coverdi Magazin“ schrieb die Commerzbank nach FINANCE-Informationen im Oktober, dass im Firmenkundensegment rund 1.800 Stellen abgebaut werden sollen. In einem späteren Bericht des Handelsblatts war von 2.300 Stellen die Rede.

Obwohl die Rückstellungen mit 806 Millionen Euro niedriger ausgefallen sind als zunächst angenommen, haben sie der Commerzbank das Halbjahresergebnis verhagelt. Unter dem Strich stand nach den ersten sechs Monaten ein Vorsteuerverlust von rund 300 Millionen Euro. Doch auch wenn man die hohen Rückstellungen außer Acht lässt, machte die Commerzbank weniger Gewinn. Bereinigt um die Rückstellungen sackte der Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 20 Prozent auf 475 Millionen Euro ab.

Commerzbank-Chef Martin Zielke dämpft die Erwartungen

„Bis sich unser Kundenwachstum in Ertragswachstum niederschlägt, wird aber noch etwas Zeit vergehen“, wird Commerzbank-Chef Martin Zielke in der Pressemitteilung vom heutigen Mittwoch zitiert. Mit dem Kundenwachstum und den Rückstellungen für den Personalabbau würde in den „Transformationsjahren“ 2017 und 2018 jedoch die Basis für eine nachhaltig höhere Profitabilität gelegt.

Zu mehr Profitabilität und Kundenwachstum sollen auch die sechs neuen Sektor-Teams der Commerzbank im Firmenkundensegment führen. Im Mai kam mit Alexander Mann der frühere M&A-Chef der IKB an Bord. Er war das letzte offene Teil im Personal-Puzzle der Sektor-Teams. Die Sektor-Spezialisten sind Branchenexperten und arbeiten den Firmenkundenbetreuern zu. Da sie nicht produktorientiert sind, erhofft sich die Commerzbank dadurch eine lösungsorientiertere Beratung und damit eine bessere ganzheitliche Kundenbeziehung.

Spannend wird es zu sehen, welche Rolle in den Transformationsjahren der neue Großinvestor der Commerzbank spielen wird. Vor wenigen Tagen war der Finanzinvestor Cerberus mit rund 5 Prozent bei den Frankfurtern eingestiegen. Cerberus gilt als aktiver Investor und ist der deutschen Bankenbranche nicht unbekannt. Über die österreichische Bank Bawag hat Cerberus zuletzt die Stuttgarter Regionalbank Südwestbank übernommen. Zudem wurde dem Finanzinvestor Interesse an der Postbank nachgesagt.

Die Firmenkundenbilanz der Commerzbank zum Halbjahr ist durchwachsen. Wie die anderen Großbanken abgeschnitten haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft