Märkte & Wirtschaft
30.08.17

Rückschlag für die Hastors

Alno geht in die Regelinsolvenz und wird versteigert

Von Philipp Habdank

Der Vorstoß einer Gläubigergruppe um die geschasste Finanzchefin Ipek Demirtas zeigt Wirkung. Die Hastors mussten die Insolvenz in Eigenverwaltung aufgeben. Doch das Gezerre um Alno ist noch nicht vorbei.

Alno

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist Geschichte. Der Insolvenzverwalter Martin Hörmann soll jetzt Käufer für den Küchenbauer Alno finden.

Die bosnische Unternehmerfamilie Hastor erleidet im Machtkampf um den insolventen Küchenbauer Alno einen Rückschlag. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, haben die Hastors ihren Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung zurückgezogen. Der Rechtsanwalt Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor wird fortan das Insolvenzverfahren führen, wie er in einer separaten Pressemeldung bekanntgab.

Als CEO und Chef-Restrukturierer wird Rolf Rickmeyer eingesetzt. Er verdrängt damit den Hastor-Manager Christian Brenner, der das Unternehmen seit dem Ausscheiden von CEO Max Müller und CFO Ipek Demirtas geführt hat. Auch der von den Hastors kontrollierte Aufsichtsrat kann unter der Regie eines starken Insolvenzverwalters deutlich weniger Einfluss ausüben als in einer Insolvenz in Eigenverwaltung.

Alno prüft Ansprüche gegen Ex-Management

Dass diese nun aufgehoben wird, hat laut der Pressemitteilung des Insolvenzverwalters zwei Gründe. Zum einen komme das bisherige Management dem Wunsch einiger Alno-Kunden und –Lieferanten entgegen, die Sanierung der Gruppe einem unabhängigen, vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter anzuvertrauen. Diese hatten zum Teil gedroht, ihre Geschäftsbeziehungen zu Alno zu beenden, sollten die Hastors an der Macht bleiben.

Zum anderen sei eine Eigenverwaltung nicht mehr möglich, weil die Untersuchung einer renommierten Wirtschaftsprüfungskanzlei nahe lege, dass „erhebliche insolvenzrechtliche Sonderaktiva bestehen dürften“, deren abschließende Ermittlung Jahre dauern werde. Ein Insolvenzplan sei damit hinfällig. Alno spricht in diesem Zusammenhang von möglichen Ansprüchen gegenüber ehemaligen Vorstandsmitgliedern, wollte diese auf Nachfrage aber nicht näher erläutern.

Insolvenzverwalter reagiert auf Vorwürfe der Alno-Gläubiger

Eine Alno-Gläubigergruppe um die Liechtensteiner Fondsgesellschaft First Epa, an der die frühere Finanzchefin Ipek Demirtas beteiligt ist, versucht derzeit über den Vorschlag eines sogenannten Debt-to-Equity-Swaps die Kontrolle bei Alno wieder an sich zu reißen. Damit steht die Gruppe um Demirtas der Hastor-Familie gegenüber, die das Unternehmen zuletzt im Griff hatte. First Epa begrüßt das Ende der Eigenverwaltung. Es bestehe „unverändert das große Interesse, die wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens mitzugestalten", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

In der Pressemitteilung geht der Insolvenzverwalter indirekt auf das sehr öffentliche Gezerre um Alno ein: Das Sanierungsverfahren solle in „ruhige Bahnen gelenkt“ und „neues Vertrauen in die Fortführung und Sanierung“ geschaffen werden. Die Verunsicherung sei unter anderem auf „im Markt und in den Medien gestreute Vorwürfe zurückzuführen“.

Einer der geäußerten Vorwürfe lautete, dass die Hastors über den Aufsichtsrat direkte Zahlungsanweisungen an die Buchhaltung ausgesprochen haben sollen, was eigentlich in die Zuständigkeit des Finanzchefs fällt. In der Pressemitteilung heißt es nun, dass der Aufsichtsrat der Alno AG „seit dem Beschluss über das vorläufige Insolvenzverfahren nicht in die Unternehmensfortführung eingebunden“ war. Insolvenzverwalter Hörmann betont, dass die Geschäftsführung „zu keinem Zeitpunkt erkennbar gegen das Interesse von Gläubigern gehandelt hat.“

Hastors und First Epa können für Alno bieten

Wie geht es nun mit Alno weiter? Insolvenzverwalter Hörmann strebt eine sogenannte übertragene Sanierung der Alno-Vermögenswerte an. Das bedeutet, dass die werthaltigen Alno-Assets als Ganzes oder einzeln, aber in jedem Fall frei von Altlasten an einen oder mehrere Interessenten verkauft werden und die Überreste vom Insolvenzverwalter abgewickelt werden. 

Hörmann will den bereits angelaufenen M&A-Prozess „transparent“ und „diskriminierungsfrei“ vorantreiben, erklärt er. Das bedeutet: Sowohl die Hastors, als auch die First Epa oder sonstige Interessenten können auf die Assets bieten. Den Zuschlag erhält dann voraussichtlich der Höchstbietende. Der Verkaufserlös würde anschließend unter den Gläubigern aufgeteilt.

Neben einem einfachen Verkauf der werthaltigen Teile mit Abwicklung der Überreste steht dabei auch noch die Überlegung der Gläubigergruppe um First Epa im Raum, das Fremdkapital in Eigenkapital zu wandeln. Bei diesem Konzept würden den Fremdkapitalgebern, darunter Gläubiger der 45 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe, nicht unmittelbar Geld zufließen. Sie würden sich stattdessen am unternehmerischen Risiko von Alno beteiligen.

„Aus derzeitiger Sicht ist ein Debt-to-Equity-Swap eher unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen. Alles andere wird sich im Verlauf des M&A-Prozesses ergeben", so Martin Hörmann gegenüber FINANCE. Für welches Angebot sich der Gläubigerausschuss und Insolvenzverwalter am Ende auch entscheiden – mit der Aufhebung der Eigenverwaltung halten die Hastors das Heft des Handelns nicht mehr in der Hand.

Verfolgen Sie das ganze Drama um den insolventen Küchenbauer mit der FINANCE-Themenseite zu Alno. Lange geprägt hat das Unternehmen Ipek Demirtas. Lesen Sie mehr zu der früheren Alno-Finanzchefin auf ihrem Profil bei FINANCE-Köpfe.