Märkte & Wirtschaft
02.08.17

Vorstand geht nach 7 Tagen

Finanzinvestor Auden steht vor Scherbenhaufen

Von Desirée Backhaus

Vorstand weg, Aufsichtsrat weg, Ungereimtheit bei einer Kapitalerhöhung – die Beteiligungsgesellschaft Auden zerlegt sich gerade selbst. Zu den Hintergründen schweigt das Unternehmen.

jacoblund/iStock/Thinkstock/Getty Images

Finanzinvestor Auden will in vielversprechende Start-ups investieren. Doch die Beteiligungsgesellschaft gerät immer stärker unter Druck.

Chaostage bei Auden: Nach nur 7 Tagen im Amt geht Alleinvorstand Martin Franz mit sofortiger Wirkung. Im gleichen Atemzug teilt die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit, dass der gesamte Aufsichtsrat mit Ablauf des heutigen Mittwochs seine Ämter niederlegen werde. Eine Erklärung für diesen extrem ungewöhnlichen Schritt blieb Auden seinen Investoren zunächst schuldig.

Der Aktienkurs brach nach Bekanntwerden der Nachricht am Nachmittag um mehr als 30 Prozent ein und notiert nun nur noch bei 30 Cent. Im vergangenen November hatte der Kurs noch bei 6 Euro gestanden.

Finanzinvestor hat Kapitalmarktkommunikation nicht im Griff

Als wäre das plötzliche Ausscheiden des frisch berufenen CEOs noch nicht seltsam genug, geht aus der Pflichtmitteilung nicht einmal eindeutig hervor, ob Franz den Start-up-Investor aus freien Stücken verlässt – oder ob der Manager gehen musste. In der Mitteilung heißt es einerseits, Franz sei „mit sofortiger Wirkung abberufen“. Zwei Sätze später schreibt das Unternehmen, Franz habe sein Amt „rein vorsorglich“ niedergelegt.

Erst vor einer Woche hatte der Finanzinvestor den Diplom-Kaufmann als neuen Alleinvorstand berufen. In der damaligen Meldung wurde Franz als gestandener Manager gepriesen, der „umfangreiche Erfahrung in der erfolgreichen Restrukturierung von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen mitbringt, und zudem seit mehreren Jahren als M&A-Berater in Buy- und Sell-Side-Projekten tätig ist.“ Konkrete Namen blieb Auden allerdings schuldig.

Auf Anfrage von FINANCE erklärte Christofer Radic, Miteigentümer von Auden und bis vor einer Woche noch CEO, auch er sei von dem plötzlichen Rücktritt des Aufsichtsrats überrascht worden. Die Gründe kenne er nicht. Allerdings sei der nun berufene neue Alleinvorstand, der Banker Reyke Schult, bereits seit längerem als CEO von Auden vorgesehen gewesen. Nach Radic‘ Darstellung, der sich später auch das Unternehmen anschloss, war Franz also nur ein Interimskandidat – was Auden so freilich vor einer Woche nicht kommuniziert hatte.

Radic und sein Geschäftspartner Christian Frenco hatten Auden im März 2016 aus dem Modelabel Kilian Kerner geschaffen. Im Rahmen der ungewöhnlichen Transaktion wurde aus dem Modeunternehmen ein Wagniskapitalgeber, der in Digitalunternehmen investiert. Der neue CEO Schult leitete damals hauptverantwortlich die Abspaltung der Aktivitäten von Kilian Kerner und kennt Auden daher gut.

Hat Auden Liquiditätsprobleme?

Es ist nicht die erste Mal, dass Auden seine Investoren verunsichert: Den Jahresabschluss für 2016 hat der Finanzinvestor noch immer nicht veröffentlicht, bislang fehlt das Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG. Die Hauptversammlung ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das Fachportal „Gründerszene“ berichtete zudem kürzlich von Liquiditätsschwierigkeiten. So habe die Beteiligungsgesellschaft nicht alle zugesagten Zahlungen an Portfoliounternehmen geleistet, schreibt das Online-Magazin unter Berufung auf Insider. Auden schulde etwa dem Zahlungsdienstleister Optiopay Geld. Gegenüber FINANCE wies Radic diese Anschuldigung als falsch zurück.

Auch die Veräußerungen des Münchner Hardware-Unternehmen Vialight und der Bewertungsplattform Proven Expert führt „Gründerszene“ auf den Liquiditätsmangel zurück. Investiert ist Auden dagegen noch bei der Fan-Plattform Fanmiles. Der frühere Fußballprofi Philipp Lahm gehört dort ebenfalls zum Investorenkreis.

Verwirrung um Kapitalerhöhung von Auden

Vergangene Woche gingen die Ungereimtheiten weiter: Es wurde bekannt, dass eine im Dezember verkündete Kapitalerhöhung – anders als ursprünglich dargestellt – damals noch nicht in trockenen Tüchern war. Im Dezember 2016 hatte Auden in einer Pflichtmitteilung den Anschein erweckt, bei institutionellen Investoren frisches Eigenkapital über 15,6 Millionen Euro eingeworben zu haben.

Nach dem Kursverfall der Auden-Aktie im ersten Halbjahr weigerten sich die Investoren jedoch, die Papiere tatsächlich abzunehmen – „entgegen der Vereinbarungen“, wie Auden behauptete. Um die Lücke zu schließen, sprangen Radic und andere Investoren der Auden Group GmbH mit privatem Geld ein: „Jegliche fehlende Kapitaldeckung“ der Auden AG sei damit gedeckt.

Am selben Tag räumte Radic den CEO-Posten, und die Beteiligungsgesellschaft bestellte den nun wieder geschassten Martin Franz zum Chef. Das Ziel: Das Unternehmen neu auszurichten und Vertrauen am Kapitalmarkt wiedergewinnen. Mit dem heutigen Manöver dürfte das noch einmal schwieriger geworden sein.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de