Märkte & Wirtschaft
30.08.17

Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Vorstände

Stada-Aufsichtsrat schießt scharf gegen Ex-CFO Kraft

Von Julia Schmitt

Turbulente Hauptversammlung bei Stada: Der Aufsichtsrat hat den Aktionären überraschend empfohlen, Ex-CFO Helmut Kraft und Ex-CEO Matthias Wiedenfels die Entlastung zu verweigern. Er erhebt schwere Vorwürfe.

Der Stada-Aufsichtsrat legt die Entlastung von Ex-CEO Matthias Wiedenfels (links) und Ex-CFO Helmut Kraft vorerst auf Eis.

Stada

Der Stada-Aufsichtsrat legt die Entlastung von Ex-CEO Matthias Wiedenfels (links) und Ex-CFO Helmut Kraft vorerst auf Eis.

Eskalation im Streit zwischen dem Stada-Aufsichtsrat und dem ehemaligen Vorstandsduo aus CEO Matthias Wiedenfels und CFO Helmut Kraft. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge habe der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am heutigen Mittwoch überraschend dafür votiert, Wiedenfels und Kraft nicht zu entlasten. Auch der ehemalige Chef Helmut Retzlaff, der bereits 2016 Stada verlassen hatte, solle nicht entlastet werden.

Der Vorstand um den neuen Stada-CEO Engelbert Willink und CFO Bernhard Düttmann wollte hingegen den Tagesordnungspunkt vertagen. Mit einer Entlastung sprechen Aktionäre dem Management ihr Vertrauen aus, juristisch hat eine verweigerte Entlastung jedoch keine Folgen.

CFO Kraft und CEO Wiedenfels hatten Stada überraschend verlassen

Laut Tagesordnung hatten Vorstand und Aufsichtsrat ursprünglich noch eine Entlastung gefordert. Der Grund für die Meinungsänderung ist offenbar ein interner Untersuchungsbericht, der „belastbare Erkenntnisse für schwerwiegende Pflichtverletzungen“ der Vorstandsmitglieder ergeben habe, zitiert Reuters Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker.

Dabei habe „der Abschluss von Beraterverträgen ohne erkennbare Beratungsleistung“ eine bedeutende Rolle gespielt, heißt es weiter. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei vor diesem Hintergrund nicht mehr gewährleistet gewesen. Das habe schlussendlich zu Trennung von Wiedenfels und Kraft im Juli geführt, so Reuters. Die beiden Manager mussten Stada damals überraschend verlassen, die Hintergründe blieben zunächst im Dunkeln.

Stada-Übernahme durch Bain und Cinven sollte Ruhe bringen

Mit der Übernahme von Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Stada, die vor wenigen Wochen im zweiten Anlauf gelungen war, sollte eigentlich Ruhe bei dem Arzneimittelhersteller einkehren. Kurz darauf erklärten auch Aufsichtsratschef Oetker sowie vier weitere Aufsichtsratsmitglieder, ihre Ämter zum 25. September niederzulegen, um Platz für die Vertreter der neuen Eigentümer zu machen.

Oetker selbst war durch eine Aktionärsrevolte zum Aufsichtsratschef geworden. Eine Gruppe um den aktivistischen Investor AOC hatte in der turbulenten Hauptversammlung vor einem Jahr den damaligen Chefaufseher Martin Abend gestürzt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Update (30.08.17, 16:00 Uhr):

Inzwischen hat Stada beschlossen, die Entlastung der ehemaligen Vorstände Matthias Wiedenfels, Helmut Kraft und Hartmut Retzlaff zu verschieben, schreibt die Nachrichtenagentur Dpa. Das Votum darüber solle auf dem Aktionärstreffen 2018 nachgeholt werden.

Matthias Wiedenfels habe laut Dpa außerdem die Vorwürfe des Aufsichtsrats zurückgewiesen. Demnach sagte Wiedenfels' Anwältin, dass die benannten geschäftlichen Themen bereits lange bekannt gewesen wären und „nach gründlicher Prüfung keinen Anhaltspunkt für Pflichtverletzungen“ durch Wiedenfels böten.

Die Chronologie der Übernahmesaga um den hessischen Generikahersteller können Sie hier auf der FINANCE-Themenseite zu Stada nachlesen.