Märkte & Wirtschaft
08.09.17

Zentralbank hält sich alle Möglichkeiten offen

Bondmarkt kann auch 2018 auf EZB-Programm hoffen

Von Antonia Kögler

Mario Draghi hat sich auf der gestrigen EZB-Sitzung nicht festgelegt. Doch Marktexperten rechnen damit, dass die Zentralbank auch 2018 weiter Bonds kauft. Die Frage ist nur, wie viele.

Anastazzo/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die EZB wird wohl auch 2018 noch am Bondmarkt mitmischen. Der Markt rechnet jedenfalls damit.

Der Markt hatte nichts anderes erwartet: Ebenso wenig wie Mario Draghi an den Leitzinsen rüttelte, legte er sich auf der gestrigen EZB-Ratssitzung auf den weiteren Verlauf des milliardenschweren Bondprogramms fest. Das Kaufprogramm werde „bis Ende Dezember 2017 oder falls erforderlich darüber hinaus“ erfolgen. Das Programm soll laufen, bis sich die Inflation in die gewünschte Richtung verändert. 60 Milliarden Euro pumpt die Zentralbank seit April über all ihre Anleihekaufprogramme monatlich in den Markt, davor waren es 80 Milliarden Euro.

„Für den Bondmarkt ist es positiv, dass die Zentralbank auf dieser Sitzung keine unerwarteten Änderungen des Kaufprogramms angekündigt hat“, kommentiert Christoph Paul, Leiter Corporate DCM für Deutschland und Österreich bei der Crédit Agricole CIB. Corporate-Emittenten können nun weiter darauf hoffen, dass die EZB auch 2018 als Großkäufer auftreten wird. Ihr Markteintritt als Käufer von Investmentgrade-Corporate-Bonds hatte im vergangenen Jahr eine Rally ausgelöst. An Momentum hat der Markt auch in diesem Jahr nicht verloren. „Wir liegen in diesem Jahr  für Corporate-Bond-Emissionen in Euro bereits bei einem Volumen von 215 Milliarden Euro“, sagt Paul. Damit liegt das Volumen circa 7 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres von 201 Milliarden Euro.

EZB hält Corporate Bonds über 107 Milliarden Euro

Das schiere Ausmaß des Kaufprogramms zeigen Statistiken der EZB aus dem Juni an: Die Zentralbank hielt zu dem Zeitpunkt allein Corporate Bonds über 92 Milliarden Euro, die sie seit Juni 2016 eingesammelt hat. Das entspreche 11 Prozent aller ausstehenden Unternehmensanleihen, die sich für das CSPP-Programm qualifizieren, teilte der Großinvestor damals mit. Mittlerweile befinden sich Unternehmensanleihen im Volumen von 107 Milliarden Euro im Besitz der EZB, um die 15 Prozent davon wurden am Primärmarkt gekauft.

Der Markteintritt der EZB, kombiniert mit dem extrem niedrigen Zinsniveau, hatte zu einem starken Absinken der Spreads geführt. Die Statistik aus dem Juni zeigt die Entwicklung deutlich: 12 Prozent der Corporate Bonds, die die Zentralbank damals hielt, hatte sie mit einer negativen Rendite gekauft.

Zu wenig Bonds, zu viel EZB-Geld

In einigen Marktsegmenten, speziell bei den Staatsanleihen, dürfte es für die EZB bald schwer werden, noch genug Papiere zu finden, um ihr selbst gestecktes Volumenziel zu erfüllen. „Wenn die EZB weiterhin versucht, Anleihen im Gegenwert von 60 Milliarden Euro zu kaufen, wird sie ab August 2018 nicht mehr genug Bonds finden“, prognostiziert Luigi Speranza, leitender Europa-Volkswirt der BNP Paribas.

Der Markt rechnet deshalb damit, dass die Zentralbank auf ihrer nächsten Sitzung verkünden wird, wie es mit dem Programm weitergeht. Einig sind sich die Experten, dass das Programm über das Jahresende hinaus verlängert werden dürfte. Doch vielleicht mit vermindertem Volumen. „Wir rechnen damit, dass die EZB das monatliche Volumen ab Januar 2018 auf 40 Milliarden Euro reduzieren wird“, sagt Crédit-Agricole-Experte Christoph Paul. In einem zweiten Schritt könnte das Volumen später auf 20 Milliarden Euro pro Monat sinken.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de