Märkte & Wirtschaft
24.08.17

Nach Attacke des Aktivisten

OHB kontert Vorwürfe von Guy Wyser-Pratte

Von Sabine Reifenberger

Mit harten Worten hat der aktivistische Investor Guy Wyser-Pratte in der vergangenen Woche das Familienunternehmen OHB attackiert. Nun schlägt der Mittelständler zurück.

Der aktivistische Investor Guy Wyser-Pratte geht mit OHB hart ins Gericht. Nun schlägt das Familienunternehmen zurück.

OHB

Der aktivistische Investor Guy Wyser-Pratte geht mit OHB hart ins Gericht. Nun schlägt das Familienunternehmen zurück.

Es las sich phasenweise wie ein Grundkurs in Managementfragen, was der aktivistische Investor Guy Wyser-Pratte in der vergangenen Woche an das Familienunternehmen OHB adressierte: Er wollte mit dem Management über „elementare Grundsätze der Corporate Governance“ sprechen, fand die Führungsstruktur unterhalb des Vorstands „unklar“ und verglich den Aufsichtsrat mit einer Feudalaristokratie. Zudem hielt Wyser-Pratte es für geboten, OHB auf strategische Möglichkeiten im Themenfeld Satelliten- und Drohnenüberwachung sowie auf das mögliche Übernahmeziel Avio in Italien hinzuweisen.

OHB schlägt nun zurück. Das Unternehmen, dessen Aktien zu fast 70 Prozent bei der Familie Fuchs liegen, verweist in einer Stellungnahme auf seine Tradition als Familienunternehmen. Der Charakter einer Familiengesellschaft bilde sich „naturgemäß“ auch in der Corporate Governance der Gesellschaft ab.

OHB weist Vorwürfe von Guy Wyser-Pratte zurück

Die Kritikpunkte des aktivistischen Investors kann man bei OHB nicht nachvollziehen. Insbesondere den Vorwurf, die Aufsichtsratsmitglieder seien nicht unabhängig, weist der Mittelständler zurück. Auch die Kritik an dem laut Wyser-Pratte „fortgeschrittenen“ Alter der Firmengründerin und heutigen Aufsichtsratschefin Christa Fuchs sowie des 1950 geborenen Vorstandsmitglieds Fritz Merkle hält OHB für unbegründet. Seine operative Führung sieht das Unternehmen ebenfalls gut aufgestellt. Diese liege unterhalb des OHB-Vorstands bei den Tochtergesellschaften der Holding.

Einen leicht spöttischen Unterton kann sich auch OHB in seiner Entgegnung nicht verkneifen. Die Frage nach Aufsichtsratsausschüssen verneint der Mittelständler klar. „Bei einem Aufsichtsrat mit drei Mitgliedern macht es unseres Erachtens keinen Sinn, Ausschüsse zu bilden“, heißt es zur Begründung. Dies entspreche „aus naheliegenden Gründen“ auch der überwiegenden Praxis in anderen Dreier-Aufsichtsräten.  

OHB lädt Guy Wyser-Pratte zur Hauptversammlung ein

Die konkreten Handlungsempfehlungen des aktivistischen Investors bezeichnet OHB als „eine Reihe interessanter Anmerkungen zu Projekten, Marktchancen sowie strategischen Ansätzen für neues Geschäft“. Allerdings sieht der Mittelständler offenbar keinen großen Bedarf für externe Nachhilfe in diesen Punkten. „Sie können sicher sein, dass der Vorstand sowie die gesamte Belegschaft des OHB-Konzerns jeden Tag sehr gewissenhaft an all diesen Themen arbeiten“, schreibt der Vorstand dem Investor, der Berichten zufolge seit 2015 OHB-Aktien hält.

Wyser-Prattes Vorwurf, die Hauptversammlungen seien zu harmlos, kontert OHB mit einer Einladung: Guy Wyser-Pratte dürfe sich gern am 24. Mai 2018 in Bremen selbst ein Bild von der Veranstaltung machen. Diesen Termin dürfte der aktivistische Investor freilich schon im Kalender haben – um dort vielleicht sogar selbst dafür zu sorgen, dass die Versammlung nicht zu harmlos ausfällt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


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