Märkte & Wirtschaft
05.02.16

US-Konkurrenz wächst

Preisdruck bei High-Yield-Bonds

Von Antonia Kögler

Die Volatilität an den Märkten ist groß. Das wirkt sich auch auf Hochzinsanleihen aus: Sie sind so unbeliebt wie lange nicht mehr. Finanzchefs, die sich trotzdem an den Markt wagen, werden bei ihren Emissionen Druck von zwei Seiten spüren.

Unitymedia platzierte im Dezember einen High-Yield-Bond über 420 Millionen Euro.

Unitymedia

Unitymedia war das letzte deutsche Unternehmen, das einen High-Yield-Bond platzierte. 420 Millionen Euro sammelte der Kabelnetzbetreiber im Dezember ein.

Im vergangenen Jahr wurden in Europa in Euro gerechnet rund 30 Prozent weniger High-Yield-Bonds emittiert als 2014. Das Volumen der Neuemissionen belief sich auf 86 Milliarden Euro. Der Rückgang liegt vor allem am allgemein unsicheren Marktumfeld. „Das vergangene Jahr – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte –  war auch am High-Yield-Markt von starken Volatilitäten geprägt“, sagt DCM-Experte Ingo Nolden von der HSBC.

Neben den allgemeinen Unsicherheitsfaktoren wie etwa der Korrektur in China und den Schwellenländern sowie Unsicherheiten in Bezug auf das Wirtschaftswachstum in den USA, trifft dabei ein Faktor den High-Yield-Markt besonders: „Der schwache Ölpreis und die Preisstürze bei weiteren Rohstoffen haben besonderen Einfluss auf den Markt, weil traditionell viele Emittenten eng mit diesen Sektoren verknüpft sind.“ Der brasilianische Ölkonzern Petrobras ist zum Beispiel aktuell der weltweit größte HY-Emittent.

Auch bei deutschen Emittenten zeichnet sich laut Zahlen der Bank of America Merrill Lynch ein negativer Trend ab. 2014 wurden 12,7 Milliarden Euro von deutschen Emittenten begeben. 2015 waren es nur noch 12,2 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr ging als letztes Unternehmen Unitymedia mit einer Emission über 420 Millionen Euro an den Markt. Der PE-finanzierte Forderungsmanager GFKL platzierte im August 365 Millionen Euro.

High-Yield-Markt startet schleppend in 2016

Im Januar dieses Jahres hat sich noch kein deutscher Emittent an den Markt getraut. Das Bondjahr ist nach der Investmentgrade-Emission von Daimler allgemein ins Stocken geraten, in Europa wurden bisher nur zwei High-Yield-Bonds platziert. Das mit B/B2 geratete italienische Dienstleistungsunternehmen Altalia platzierte einen Bond über 150 Millionen Euro mit einem Kupon von 7,25 Prozent. Dem folgte lediglich die Telecom Italia mit einer Emission über 750 Millionen Euro, die mit 3,625 Prozent verzinst wird. Das Rating des Unternehmens liegt bei BB+/Ba1 und gehört in den Crossover-Bereich. Zum Vergleich: Im Januar 2014 wurden noch insgesamt 5 Milliarden Euro emittiert.

Ein Trend lässt sich trotz der wenigen Emissionen allerdings auch schon für den Januar ableiten. „Der Preisdruck auf High-Yield-Bonds steigt“, sagt Ingo Nolden. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Renditen, die Investoren am Sekundärmarkt erzielen können. Sie sind ein guter Indikator dafür, welche Risikokompensation die Investoren für angemessen halten. Und diese ist stark gestiegen. Für einen Bond aus dem BB-Bereich lag die durchschnittliche Rendite im Juli vergangenen Jahres noch bei rund 3,5 Prozent. Aktuell bewegt sie sich in dieser für den HY-Markt eigentlich recht bonitätsstarken Risikokategorie bei rund 5,5 Prozent.

Im wesentlich risikobehafteteren CCC-Segment ist die Entwicklung ähnlich. Dort beträgt der Yield inzwischen mehr als 13,5 Prozent nach etwa 11,5 Prozent Mitte vergangenen Jahres – dies ist vor allen Dingen getrieben durch eine stark verschlechterte Bonität von HY-Emittenten aus dem Rohstoff-Sektor. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass Investoren einen höheren Preis bei Neuemissionen fordern werden.

Unternehmen schrecken vor höheren Preisen zurück

Der Preisanstieg ist nach Noldens Ansicht auch der Grund für den schwachen Jahresstart. „Derzeit befinden sich Investoren und Emittenten auf der Suche nach dem richtigen Preis für Risiko in einem sich dynamisch verändernden Marktumfeld.“ Die Krux: Die Investoren wollen für die gestiegene Volatilität an den Märkten kompensiert werden, doch die Unternehmen scheuen sich zum Teil noch davor, die höheren Kupons und Neuemissionsprämien zu zahlen. „Es ist die Korrektur der Preise nach oben, die im Moment zu dieser Pause bei den Emissionen führt.“

Den Stillstand könnte 2016 aber die US-Konkurrenz häufiger durchbrechen und damit von einer zweiten Seite Druck auf die europäischen Finanzchefs ausüben. „Amerikanische Emittenten sind häufig weniger preissensibel“, erläutert Nolden, und das Zinsniveau ist in Europa niedriger als in Übersee. Die Emittenten aus dem wesentlich weiter entwickelten High-Yield-Markt in den USA könnten deshalb verstärkt nach Europa kommen und deutsche Emittenten beim Pricing ausstechen. Das gilt ebenso für die Emissionen von Investmentgrade-Anleihen.

Die richtigen Zeitfenster werden wichtiger

Deshalb wird es für europäische Emittenten in diesem Jahr noch wichtiger werden, das richtige Zeitfenster für die Emission zu finden. Vor allem Debütemittenten verlangt das Marktumfeld einiges ab. „Die Unternehmen müssen sich auf längere Vermarktungsphasen einstellen und auch damit rechnen, eine Emission mal verschieben zu müssen“, so Nolden.

Für Unternehmen mit einem schwächeren Kreditprofil kann es besonders schwierig werden. Gerade Unternehmen, die mit ihrem Geschäft eng mit den Entwicklungen im Rohstoffsektor oder den Schwellenländern verknüpft sind, könnten in diesem Jahr einen langen Atem brauchen, um die Investoren von sich und ihrer Creditstory zu überzeugen. Die erhöhte Unsicherheit könnte laut des HSBC-Bankers auch dazu führen, dass ein Trend aus den USA hier in Europa wieder abgeschwächt wird: Auf die sogenannten ‚Cov-Lite-Strukturen‘ mit vorteilhaften Kreditbedingungen für die Emittenten werden sich in diesem Jahr wohl weniger Investoren einlassen.

Trotz dieser Herausforderungen am HY-Markt gilt es laut Nolden aber festzuhalten, dass die Investoren weiterhin auf der Suche nach Emittenten mit interessanten Geschäftsmodellen sind. Auch trotz aller Volatilität wartet weiterhin viel Liquidität darauf, angelegt zu werden – jedoch zu einem aus Investorensicht attraktiven Preis.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de