Märkte & Wirtschaft
26.07.16

Zahlungsverkehr, Hedging, Finanzierung

Das sollten CFOs jetzt über Indien wissen

Von Sven Jürgensen und Wilbert Evers

Nie war es einfacher als heute, Geschäfte in Indien zu machen. Zahlungsverkehr, Hedging und Finanzierung – überall plant die Modi-Regierung erhebliche Lockerungen. So profitieren auch deutsche CFOs.

davidevison/iStock/Thinkstock/Getty Image

Indien auf Liberalisierungskurs: Die Modi-Regierung stößt wichtige Finanzmarktreformen an.

Kein Unternehmen kann es sich heute mehr leisten, einen Wachstumsmarkt wie Indien zu vernachlässigen: Das Wirtschaftswachstum ist mit 7,3 Prozent im vergangenen Jahr nach wie vor hoch und ähnlich wie bei einer konsumgetriebenen Erholung nicht kreditfinanziert. Die vergleichsweise geringe Integration Indiens in das weltweite Finanzsystem hat sich für die Unternehmen, die dort tätig sind, zudem als enormer Vorteil herausgestellt, die Ansteckungsgefahr bei globalen Krisen ist denkbar gering.

Unter der Regierung Modi möchte Indien nun seine Bedeutung als Produktionsstandort und Absatzmarkt für ausländische Unternehmen stärken. Die gute Nachricht für CFOs: Auf dem Plan stehen auch Verbesserungen des Finanzsystems, die vor allem den Zahlungsverkehr, die Kontoführung, die Währungsabsicherung und die Finanzierung indischer Tochterunternehmen aus dem Ausland betreffen.

Indien setzt auf mobilen Zahlungsverkehr

HSBC

Unternehmen sollten in Indien auf mobilen Zahlungsverkehr nutzen, rät Wilbert Evers von der HSBC.

Bei der Modernisierung des indischen Zahlungsverkehrs stehen mobile Endgeräte im Fokus. Das ist nur logisch: Denn auf 1,3 Milliarden Menschen in Indien fallen zwar nur rund 180.000 Geldautomaten und 125.000 Bankfilialen, aber dafür 900 Millionen Mobilfunk-Nutzer und 150 Millionen Smartphones. Daher sollen auch Unternehmen über ein System namens „Immediate Payments Service“ (IMPS) ihren Zahlungsverkehr mobil abwickeln können und so von Schnelligkeit, geringeren Kosten und höherer Effizienz profitieren. Gleichzeitig schreitet die Harmonisierung des indischen Zahlungsverkehrs mit globalen Standards voran. Überweisungen über das weltweite Transaktionssystem Swift sind bereits automatisiert möglich.

Die Modi-Regierung hat auch die Führung von Rupien-Konten erleichtert. Deutsche Unternehmen müssen diese heute nicht mehr über ihre indischen Tochtergesellschaften laufen lassen. Stattdessen können sie aus Deutschland heraus ein Rupien-Konto bei einer internationalen Bank in Indien eröffnen – und dieses allein über die deutsche Mutter verwalten. Die bürokratischen Hürden für eine solche Zentralisierung sind momentan zwar noch hoch. Doch wer sie auf sich nimmt, hält die Strukturen in seinem Finanzmanagement schlank.

Aufgepasst beim FX-Hedging der Rupie

HSBC

Indien erleichtert CFOs das Hedging, meint HSBC-Banker Sven Jürgensen.

Die indische Rupie ist zudem eine sehr volatile Währung. CFOs sollten die Währung deshalb unbedingt in ihr FX-Management einbetten. Die Absicherung von Währungsrisiken ist in Indien allerdings alles andere als trivial. Unternehmen müssen die strikten Regularien der indischen Zentralbank (Reserve Bank of India) einhalten.

Doch auch hier gibt es Lockerungen: So haben Unternehmen beispielsweise seit Kurzem die Möglichkeit,  abzusichernde Import- und Exportgeschäfte in Fremdwährungen zu einer Gesamtposition zusammenzufassen. Dieses sogenannte Netting hat den Vorteil, dass die Währungsrisiken gemeinsam abgesichert werden können, was den Unternehmen bares Geld spart. Von dieser Lockerung profitieren auch internationale Konzerne, die zentral das Treasury ihrer indischen Tochterunternehmen steuern und beispielsweise den Finanzierungsbedarf durch Intercompany-Loans finanzieren.

Deutsche Unternehmen finanzieren ihre indischen Töchter

Die Finanzierung ihrer indischen Tochtergesellschaften stemmen deutsche Unternehmen meistens, indem sie Kapital von der deutschen Mutter zuführen. Die Zentralbank begrüßt das, denn mit den Euro-Finanzspritzen kommt harte Währung in das Land, welche die Zentralbank nutzen kann, um den Wechselkurs der Rupie zu stützen.

Auch direkte Darlehen von der Konzernmutter an die Tochter sind möglich, und zwar über sogenannte ECB-Loans (External Commercial Borrowing Loans). Seit Kurzem können diese sogar direkt in Rupien vergeben werden, um zusätzliche Währungswechsel zu vermeiden und ein zentrales Risikomanagement zu ermöglichen.

Die deutsche Wirtschaft hat erkannt: Auch wenn manche Wachstumsmärkte etwas ins Straucheln geraten sind, Indien wächst unbeeindruckt weiter. Wer es richtig anstellt, kann von diesem Wachstum künftig profitieren.

redaktion[at]finance-magazin.de

Sven Jürgensen ist Co-Head Corporate Sales bei der HSBC in Düsseldorf. Dort sitzt auch Wilbert Evers, der als Head of Global Liquidity and Cash Management Sales bei der Bank tätig ist.