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| Ausgabe 2 | Dezember 2005 NPL 2006 – Was erwartet uns? Wir haben Branchenexperten um ihre Prognose für das kommende Jahr gebeten Werner Taiber, WestLB, zuständig für die SGK – Servicegesellschaft Kreditmanagement, das erste Unternehmen im öffentlich-rechtlichen Bankensektor für den Ankauf und die Verwertung von Non Performing Loans: „Schätzungen zufolge beläuft sich das Volumen notleidender Kredite allein im öffentlich-rechtlichen Bankensektor auf 60 bis 100 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen für alle Banken in Deutschland dürfte bei annähernd 300 Milliarden Euro liegen. Dennoch ist der Markt zur Bearbeitung dieser Kredite in Deutschland erst in der Entstehung. Vor allem wegen der von 2007 an geltenden strengeren Vorschriften für die Kreditvergabe durch Basel II steigt das Interesse der Banken, Non Performing Loans auszugliedern und professionell verwerten zu lassen. Wir gehen darum davon aus, dass das Transaktionsvolumen weiter steigt und sich bei rund 15 Milliarden Euro einpendelt.“Dr. Rüdiger Teuner, Director Leveraged Finance, Head of German Distressed Debt Sales, Trading and Research, Credit Suisse First Boston: „Auch 2006 werden wir noch Portfolioverkäufe sehen, aber die Zeit der großen Volumina ist vorbei. Die Face Values dieser Portfolien werden eher im Rahmen von 100 bis 300 Millionen Euro liegen. Sparkassen, Landesbanken und kleinere Banken werden zu den Verkäufern zählen. Dazu kommen zahlreiche Single Names – also der Verkauf von Krediten an einzelne Unternehmen, bei denen Bankenkonsortien gesamt ausgekauft werden. Auch Einzelnamen werden aktiv gehandelt werden. Ein Großteil der Deals wird weiterhin im Real-Estate-Bereich sein, aber bei den Single Names sehen wir 2006 viel im Corporate-Bereich. Auf Käuferseite werden verschiedene Fonds ihr Engagement in Deutschland noch ausbauen, aber überwiegend werden das Namen sein, die auch jetzt schon hier aktiv sind. Alles in allem glaube ich nicht, dass die Preise weiter anziehen werden.“David Edmonds, Global Leader of Distressed Debt Services, PricewaterhouseCoopers: „In den letzten zwei Jahren war Deutschland weltweit der größte NPL-Markt. Dabei wird es auch 2006 und vielleicht noch darüber hinaus bleiben, denn die Banken sitzen auf großen Pools von faulen Krediten. Auch im nächsten Jahr werden die meisten Verkäufe wieder im Bereich Real Estate und kleine/mittlere Unternehmen sein, aber die Käufer warten ungeduldig auf Kredite großer Unternehmen. Man hat in anderen Ländern erlebt, dass die großen Corporate Loans den Immobilien- und Krediten kleinerer Unternehmen mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren nachfolgen.Im nächsten Jahr wird es mit den hohen Preisen, die die Käufer bislang gezahlt hatten, in Deutschland vorbei sein. Geringe regionale Alternativen und ein eifriger Wettbewerb der Käufer untereinander hatten die Preise hochgetrieben. 2006 werden aber zahlreiche neue NPL-Märkte attraktivere Renditen versprechen, wie z.B. Polen, die Türkei, Italien, Spanien und Portugal. Aber auch in Russland und Lateinamerika, China, Indien und den Philippinen entstehen neue Möglichkeiten. Basel II wird weltweit Banken dazu treiben, ihre NPLs zu verkaufen, und auch an Käufern wird es künftig nicht fehlen. Deutschland wird auch trotz neuer Märkte interessant bleiben – nur die Preise werden fallen." Frank Lamby, CRO Hypo Real Estate Holding und Sprecher des Vorstands, Hypo Real Estate Bank: „Fünf Thesen stelle ich für 2006 auf: 1. Der NPL-Markt wird sich in Deutschland im Jahr 2006 auch auf kleinere Banken und Sparkassen ausweiten. Auf Grund der geringen Transaktionsgrößen werden eingeschränkt Bietungsverfahren zur Anwendung kommen. Größere Transaktionen in Milliardenhöhe werden sicherlich nur noch sehr vereinzelt auftreten. 2. Eine Ausweitung des NPL-Marktes in Deutschland wird es auch außerhalb des Real Estate Bereiches geben. 3. Mit ersten NPL-Transaktionen – auch im Immobilienprivatkundengeschäft – rechnen wir auch in Österreich und in den CEE-Staaten, möglicherweise schon im Jahr 2006. 4. Der Käuferkreis hat sich deutlich festgelegt, die zunächst eingetretene Käufermonopolisierung wird sich langsam verändern. Zumeist treten heute Investmentbanken als Käufer auf. 5. Auch die Käufer suchen nach innovativen Refinanzierungsmöglichkeiten. Wir werden die erste Verbriefung von NPL-Forderungen in Deutschland sicherlich im Jahr 2006 sehen."Klaus Jäger, Rechtsanwalt, CMS Hasche Sigle: „Bisher wurden auf dem deutschen NPL-Markt im Wesentlichen hoch besicherte notleidende Immobilienkredite zu hohen Preisen gehandelt. Immer mehr tritt jedoch der Handel mit niedrig oder überhaupt nicht besicherten notleidenden Unternehmenskrediten zu vergleichsweise günstigen Preisen in den Vordergrund. Deren Restrukturierung ist zwar weitaus schwieriger und risikobehafteter als jene von Immobilienkrediten, sie versprechen jedoch umgekehrt einen signifikant höheren Return-of-Investment für den Käufer. Parallel dazu entwickelt sich langsam auch der Markt für notleidende Verbraucherkredite, wenn auch noch im kleineren Maßstab, da es noch an standardisierten Work-out-Modellen fehlt. In diesem Bereich ist jedoch mittelfristig mit den größten Wachstumsraten zu rechnen.Während mit der Zahl der gehandelten notleidenden Immobilienkredite auch die Bedeutung der Hypothekenbanken auf dem Markt für NPL abnimmt, werden in Zukunft verstärkt Banken als Marktakteure in Erscheinung treten, die im Bereich der Unternehmensfinanzierung aktiv sind. Auch öffentlich-rechtliche Kreditinstitute und Genossenschaftsbanken, die bisher sehr zurückhaltend waren, werden mit gemeinsamen Kreditplattformen wie der SGK zunehmend im Markt aktiv.“
Meldungen Lone Star übernimmt AHBR Im Bieterwettstreit um die angeschlagene Gewerkschaftsbank AHBR hat Lone Star gegenüber den Mitbewerbern Merrill Lynch und Cerberus die Oberhand behalten. Der US-Investor wird das Institut nun zügig übernehmen, um bis Anfang 2006 die Kreditwürdigkeit der AHBR wiederherzustellen. Dafür wird die AHBR nach Angaben der Börsen-Zeitung mit 580 Millionen Euro rekapitalisiert, wobei 380 Millionen Euro von der Gewerkschaftsholding BGAG und nur 200 Millionen Euro von Lone Star beigesteuert werden. Der Sicherheitsschirm über 2,5 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität, den Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, HVB und Postbank unter der Regie der BaFin aufgespannt hatten, um die AHBR finanziell zu stabilisieren, soll nun zügig zurückgeführt werden. Aareal Bank macht reinen Tisch Nachdem die Aareal Bank weitere 160 Millionen Euro zur Absicherung notleidender Kredite zurückstellen musste, will der neue Vorstandschef Wolf Schumacher nun mit einer Reihe von Maßnahmen und Transaktionen reinen Tisch machen. Die Aareal Hypotheken Vermittlungs GmbH (AHV) wird an die HVB-Tochter Planet Home AG veräußert. Mit Wirkung zum 1. Januar 2006 wird zudem die Kreditfabrik Aareal Hypotheken Management (AHM) an die genossenschaftliche VR Kreditwerk verkauft. Die Kreditfabrik verwaltet für Dritte Kredite und organisiert notfalls deren Umschuldung. Angeblich waren unter anderem Crown Mortgage Management und Accenture an AHM interessiert. AHM und AHV standen im Sommer schon einmal im Paket zum Verkauf. Im Paket wollte jedoch kein Käufer zugreifen. Des Weiteren will Schumacher jede fünfte Stelle abbauen und das Kapital um 100 Millionen Euro erhöhen. Damit sei der Weg frei, weitere notleidende Kreditportfolios zu verkaufen. Schumacher sprach von weiteren 20 Prozent bis zum Ende des ersten Quartals 2006. HVB verkauft NPLs über 1,8 Milliarden Euro an Goldman Sachs Goldman Sachs hat in einem Auktionsverfahren ein Portfolio notleidender Immobilienkredite der Hypo Vereinsbank (HVB) im Volumen von 1,8 Milliarden Euro erworben. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Portfolio enthält mehr als 3.000 Einzeldarlehen der Risikoklassen 9 und 10. Davon entfallen 46,2 Prozent auf gewerbliche und 53,8 Prozent auf wohnwirtschaftliche Immobilien. Damit hat sich der Bestand der im Segment Real-Estate-Restructuring gebündelten Problemkredite der HVB seit Ende Juni von 13,9 auf rund 11 Milliarden Euro reduziert. Immer mehr Kleinbanken wollen NPLs über Externe abwickeln lassen Auch bei kleineren Banken wächst inzwischen die Bereitschaft, ihre Problemkredite über externe Verwertungsspezialisten abwickeln zu lassen. Dies ist das Ergebnis einer Trendanalyse von zeb/rolfes.schierenbeck.associates. Die Studienautoren führen dies auf den steigenden Handlungsdruck zurück, bei der Bearbeitung von NPLs effizientere Risikostrategien anzuwenden. Rockpoint kommt nach Deutschland Um den deutschen Markt intensiver bearbeiten zu können, eröffnet der US-Immobilieninvestor Rockpoint Anfang nächsten Jahres ein Büro in Frankfurt. Bürochef wird Michael Gerlich, der bisherige Geschäftsführer von GE Commercial Finance Real Estate. Gerlichs Mannschaft wird ihr Hauptaugenmerk auf die Direktakquisition von Immobilien mit Wertsteigerungs- oder Restrukturierungspotenzial sowie auf Investitionen im Bereich Non-performing-Loans richten. |
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