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| Ausgabe 8 | Dezember 2008 Was wird das NPL-Jahr 2009 bringen? Branchenexperten wagen eine Prognose, was im kommenden Jahr in der NPL- und Distressed-Welt passieren wird. Jens AlslebenManaging Director bei H.I.G. Capital 2009 wird sich der Distressed/NPL-Markt sichtbar beleben. Der zu erwartende wirtschaftliche Abschwung in Verbindung mit einem lahmliegenden Kreditmarkt wird zahlreiche Firmen kurzfristig in Liquiditätsengpässe bringen. Demzufolge ist ein sichtbarer Anstieg der Kreditausfallraten zu erwarten. Anders als in früheren Jahren besteht aber die Gefahr, dass sich dies über alle Branchen hinweg sehr viel schneller entwickelt und auch Firmen betrifft, die im Kern stabil sind. Eine Reihe von Banken, Fonds oder Inhaber von CLOs und TRS werden im kommenden Jahr ihre Positionen auflösen und Kredite mit Abschlägen auf den Nennwert verkaufen. Hinzu kommen Exit-Strategien der Banken, die die Flut an Neufällen im Bereich Workout nicht mehr bewältigen können und sich von ihren Positionen trennen (müssen). Wir rechnen daher mit einem Anstieg von Portfolio- sowie von Einzelkreditverkäufen. Hinzu kommt eine vermehrte Anzahl von potentiellen "Debt-to-Control-Fällen“ mit hohen Anforderungen an frisches Kapital und operative Turnaround-Erfahrung. Die Gretchenfrage ist: „Können die Zukunftsaussichten der jeweiligen Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld ausreichend gut beurteilt werden, so dass sich scheinbar gute Opportunitäten nicht schnell in Rauch auflösen?“ Restrukturierungs- und Turnaround-Fonds mit operativer Restrukturierungserfahrung werden zu den Gewinnern zählen, LBO-Fonds mit Fokus auf gutgehende, wachstumsstarke Unternehmen zu den Verlierern. Zahlreiche Möglichkeiten wird es zudem für Distressed-debt-Fonds geben. Wer über ausreichende finanzielle Mittel und geeignetes Handwerkszeug verfügt und den richtigen Riecher hat, um aus der Vielzahl der Restrukturierungsfälle die aussichtsreichen herauszusuchen, für den werden die kommenden zwölf bis 24 Monate sicherlich sehr spannend. Klaus JägerRechtsanwalt und Partner im Distressed-Assets-Team bei CMS Hasche Sigle Dem NPL- und Distressed-Markt fehlt aufgrund der Finanzmarktkrise Liquidität. Dies hat zu einem spürbaren Rückgang von Transaktionen im Jahre 2008 geführt. Damit einher geht ein Absinken des Preises für den Erwerb von Darlehensforderungen am „Zweitmarkt“. Dies führt dazu, dass dem Rückerwerb eigener Darlehensverbindlichkeiten im Private-Equity-Bereich, sogenannten „Debt-Buy-backs“, ein gesteigertes Maß an Interesse zukommt. Bereits im vergangenen Jahr gab es international einige Beispielfälle, aber auch in Deutschland ist es bereits zu vereinzelten Debt-Buy-backs gekommen. Es ist damit zu rechnen, dass sich dieser Trend mit einer noch deutlich gesteigerten Zahl im Jahr 2009 weiter fortsetzen wird. Dr. Jörg BoltersdorfGeschäftsführer bei der SGK Servicegesellschaft Kreditmanagement mbH Infolge der Finanzkrise wird sich im kommenden Jahr der NPL-Markt neu sortieren. Sowohl Verkäufer als auch Käufer werden ihre Kapital- und Liquiditätsanforderungen neu bestimmen und die Rentabilität und Attraktivität des NPL-Geschäfts überprüfen. Es ist damit zu rechnen, dass es insgesamt weniger Investoren und Servicer geben wird. Für Ende 2009 gehe ich davon aus, dass das Transaktionsvolumen stark ansteigen wird. Ein Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt ist möglich. Die in Deutschland etablierten Player mit einer langfristig orientierten Geschäftsstrategie gewinnen an Bedeutung. Hauptthemen in der NPL-Welt sind nächstes Jahr die neue Finanzordnung, die Verfügbarkeit von Kapital und der konjunkturell bedingte Anstieg von NPLs ab 2010. Jan-Simon KöritzProkurist und Leiter der Portfolio Acquisition & Valuation bei GFKL Financial Services AG Das Jahr 2009 wird eine Zunahme der NPL-Transaktionen bei gleichzeitig sinkenden Marktpreisen für mittlere und größere Transaktionen bringen. Infolge der Finanzmarktkrise werden einige bisher tätige Investoren ausfallen, und der Leverage in der Refinanzierung wird zunehmend schwieriger werden. Ein verstärkter Handel wird im Zweitmarkt einsetzen. Zusätzlich erwarte ich den Beginn einer Marktbereinigung von NPL-Servicern als Resultat des niedrigen NPL-Marktvolumens 2007 und 2008, der Umplatzierung von NPL-Paketen sowie der stetig wachsenden Zahl an Servicern. Neu entfacht wird im kommenden Jahr der Wettbewerb zwischen dem internen Workout und den Spezialanbietern. Der Grund dafür ist meiner Ansicht nach die Zunahme der Kreditkündigungen und des Ertragsdrucks bei Banken. Die voraussichtlichen Sieger des NPL-Jahres 2009 werden Investoren mit einer stabilen Refinanzierung und Servicer mit langfristigen Serviceverträgen sein. Debt-Buy-back Klaus Jäger, CMS Hasche Sigle Im Zuge der Finanzkrise sind Darlehensforderungen wegen fehlender Liquidität im Markt deutlich unter ihrem Nominalwert am „Zweitmarkt“ erhältlich. Es lässt sich derzeit ein Trend zu sogenannten „Debt-Buy-backs“ von Darlehensnehmern mit vorhandener Liquidität feststellen. Die Debt-Buy-backs haben in der Branche eine erhebliche Aufmerksamkeit erfahren. Bei einem Debt-Buy-back erwirbt ein Private-Equity-Investor Finanzierungsverbindlichkeiten der zu seinem Portfolio gehörenden Gesellschaften durch ein von der Private-Equity-Gesellschaft gehaltenes SPV. Das SPV wird dann mit einer zur Gruppe gehörenden Gesellschaft konsolidiert, indem die Private-Equity-Gesellschaft das SPV entweder an die Gruppengesellschaft veräußert oder als Eigenkapital in die Gesellschaft einbringt. Denkbar ist aber auch der direkte Erwerb eigener Darlehensverbindlichkeiten durch Portfoliogesellschaften. Bei einer anderen (indirekten) Variante des Debt-Buy-backs benutzt die Private-Equity-Gesellschaft einen eigenen Fund oder einen separaten Debt-Fund, um Finanzierungsverbindlichkeiten der zu ihrem Portfolio gehörenden Gesellschaften zu Investmentzwecken zu erwerben. Für eine veräußernde Bank kann der Reiz für einen Debt-Buy-back darin liegen, sich von Darlehensforderungen zum Zwecke der Restrukturierung ihres Darlehensportfolios trennen zu können. In Konstellationen, in denen die Darlehen durch ein Bankenkonsortium ausgereicht wurden, liegt es aber im Regelfall nicht im Interesse der Konsortialbanken, dass einzelne Banken ihre Forderungen an den Darlehensnehmer übertragen. Bedenken bestehen verständlicherweise unter anderem darin, dass die Debt-Buy-backs den Gesellschaftern des Darlehensnehmers oder dem Darlehensnehmer selbst die Möglichkeit einräumen könnten, zukünftige Neuverhandlungen der Finanzierung und, im Falle eines Defaults, sogar die Durchsetzung der Rechte der übrigen Darlehensgeber zu blockieren. Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Debt-Buy-backs Erwirbt ein Schuldner eine gegen ihn selbst gerichtete Forderung, so erlischt diese im Regelfall durch Konfusion. Sowohl der Erwerb der Forderungen durch den Darlehensnehmer als auch das Erlöschen durch Konfusion werfen diverse rechtliche Fragen auf:
Im Hinblick auf bestehende Finanzierungen ist für jeden Einzelfall zu prüfen, welche Regelungen in der Darlehendokumentation vorhanden sind. Hiernach bemisst sich für den Einzelfall die Zulässigkeit von Debt-Buy-backs. Auswirkungen auf die künftige Vertragsgestaltung Für künftige Darlehen wird es möglich sein, entsprechende Regelungen in die Dokumentation aufzunehmen, die es gestatten oder aber verhindern, je nachdem, was gewünscht und Verhandlungsergebnis ist, dass Darlehensnehmer die gegen sie gerichteten Darlehensforderungen erwerben. Entsprechend hat mittlerweile die Loan Market Association (LMA) Ende September 2008 eine überarbeitete Vertragsdokumentation veröffentlicht, die die Möglichkeit vorsieht, Darlehensnehmern einen Debt-Buy-back zu untersagen, und dafür sorgt, dass Gesellschafter oder mit diesen verbundene Unternehmen keinen Einfluss auf Verhandlungen mit den Darlehensgebern aufgrund von erworbenen Verbindlichkeiten nehmen. Unter bestimmten Umständen kann Darlehensnehmern gestattet werden, eigene Verbindlichkeiten zu erwerben. Meldungen Private Equity goes Distressed Die von der Krise heftig getroffene Private-Equity-Branche sucht nach neuen Investitionsformen – und findet Distressed-Investments. Bis Ende dieses Jahres sollen über 50 Milliarden Dollar in der Anlageklasse eingesammelt werden. Alleine der Goldman-Fonds „GS Loan Partners 1“ schloss im Oktober bei 10,5 Milliarden Dollar. Rund 6 Milliarden Dollar sammelte die Private-Equity-Gesellschaft TPG ein. Auch KKR und Blackstone planen, Geld für Distressed-Fonds einzusammeln. Die Fonds profitieren von einer deutlichen Reallokation der institutionellen Investoren, die das Buy-out-Segment gegen Distressed-Fonds austauschen. So gab beispielsweise der weltweit größte Pensionsfonds Calpers (233 Milliarden Dollar) bekannt, seine Distressed-Position um 2 Milliarden Dollar auszubauen. Calpers ist bereits deutlich in Apollo investiert und auch in einem spezialisierten Fonds von Wilbur Ross engagiert. Auch andere Pensionskassen, beispielsweise in Kanada, wollen ihre Engagements im Distressed-Bereich signifikant erhöhen. Centaurus richtet Geschäftsfeld neu aus Der britische Hedge-Fonds Centaurus Capital will sein Investmentportfolio restrukturieren. Als ersten Schritt plant die Gesellschaft, den 1,2 Milliarden Dollar schweren Alpha Fonds aufzulösen. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hatte der Event-Driven-Fonds rund 25 Prozent seines Werts verloren. Nun wollen die Manager 30 Prozent des Fonds an die Investoren zurückzahlen. Gleichzeitig sollen neue Fonds aufgelegt werden. Künftig will sich Centaurus verstärkt auf Distressed-Debt-Fonds und Asienfonds konzentrieren. Aufgrund des aktuellen Marktumfelds sieht Centaurus Capital große Opportunitäten in der Credit- und Distressed-Debt-Strategie. Personalia In Zeiten der Finanzkrise wächst der Bedarf an Turnaround-Managern. Aus diesem Grund verstärken unter anderem AlixPartners, Alvarez&Marsal (A&M) und KPMG ihr Führungsteam. Neu bei A&M sind Walter Bickel und Gerald J. Corbae. Die beiden Manager verantworten künftig das Deutschland-Geschäft für Performance Improvement. Axel Hamann und Christoph Seyfarth stärken als Senior Directors das Restrukturierungsgeschäft der A&R. Hamann verantwortete vor seinem Einstieg bei A&M als CEO und CFO die Restrukturierung zweier Technologieunternehmen. Seyfarth war zuletzt als Vice President für den Autozulieferer Magna tätig. Vom Turnaround-Experten zum Deutschland-Chef bei AlixPartners steigt Michael Baur auf. Der vierzigjährige Diplom-Betriebswirt ist seit über vier Jahren als Restrukturierungsberater für AlixPartners tätig. Eine neue Aufgabe bei dem Unternehmen übernimmt auch Roman Zeller. Er verantwortet künftig das Operations-Team. Personelle Veränderungen stehen auch bei KPMG ins Haus. Ab dem 1. Januar 2009 leitet Philip Davidson bei der Prüfungsgesellschaft den Bereich Restrukturierungsberatung. Der 44-jährige Restrukturierungsexperte ist seit 1986 für die KPMG tätig. Noch immer weniger Insolvenzen Der Trend hält an. Trotz der Finanzkrise sinkt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter. Insgesamt waren im September 2.479 Unternehmen zahlungsunfähig. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat bedeutet das einen Rückgang von 0,5 Prozent. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres lag die Zahl bei 22.222 insolventen Unternehmen. Das sind nach Angaben des statistischen Bundesamts insgesamt 5,7 Prozent weniger Insolvenzanträge. Der Grund für die Abnahme ist die gute Konjunktur zu Beginn dieses Jahres. Im Gegensatz zu der Anzahl der Insolvenzen stiegen die offenen Forderungen der Gläubiger im Vergleich zum Vorjahr um 600 Millionen Euro auf insgesamt 2,8 Milliarden Euro an. Publikation gibt Überblick über Turnaround-Akteure Die Münchener Beratungsgesellschaft Concentro Management hat im Herbst erstmals einen „Turnaround Investment Guide“ herausgegeben, der neben Gastbeiträgen auch Kontaktdaten zahlreicher Investoren im Distressed- und Turnaround-Bereich umfasst. Besonders deutsche Private-Equity-Investoren sind mit ausführlichen Profilen vertreten. Eine knapp gehaltene Liste gibt zudem einen Überblick über weitere Player. Kontakt: www.concentro.de Nun trifft’s auch Goldman Lange schien sich die legendäre Investmentbank gut in der Finanzkrise behaupten zu können, doch nun droht Goldman Sachs ein 2-Milliarden-Dollar-Verlust im vierten Quartal, das am 28. November endet. Dies berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Dabei macht Goldman offenbar besonders der Bereich „Distressed Investments“ zu schaffen. Goldman soll 2005 allein 24 Milliarden Dollar in Distressed Investments investiert haben, darunter überfällige Autokredite in Thailand, verlustreiche Golfanlagen in Japan oder marode Unternehmen. |
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