Persönlich & Personal
07.02.14

Klaus Filbert von Close Brothers Seydler im FINANCE-Interview

Mittelstandsanleihen: „Neue Investoren verändern die Spielregeln“

Von Michael Hedtstück

In seinem ersten großen Interview sagt der neue Sales-Chef des Emissionsbetreuers Close Brothers Seydler, welche Investoren künftig am Markt für Mittelstandsanleihen investieren werden und wie CFOs deren Vorgaben noch erfüllen können. Denn er ist sich sicher: Die Ansprüche wachsen gewaltig.

 

Klaus Filbert, Head of Institutional Sales bei Close Brothers Seydler, sieht den Markt für Mittelstandsanleihen positiv.

Close Brothers Seydler

Klaus Filbert, Head of Institutional Sales bei Close Brothers Seydler, sagt dem Markt für Mittelstandsanleihen trotz allem eine gute Zukunft voraus.

Herr Filbert, Sie platzieren für Close Brothers, einen der Marktführer bei Mittelstandsanleihen, die Papiere bei den Investoren. Ist den Investoren nach der Pleitewelle der vergangenen Monate der Schreck in die Glieder gefahren?

So weit würde ich nicht gehen, aber die Investoren, die von Anfang am Markt für Mittelstandsanleihen dabei waren, sind definitiv vorsichtiger geworden. Das sind vor allem Vermögensverwalter und kleine Family Offices Viele von diesen sind mit ihren Investitionen auch erfolgreich, vergessen Sie nicht, dass zahlreiche Mittelstandsanleihen auch sehr attraktive Renditen erwirtschaften. Aber einige Investoren haben die Risiken unterschätzt und sehen jetzt das ganze Marktsegment kritischer. Auf der anderen Seite etablieren sich zusätzlich aber auch immer mehr institutionelle Anleger in diesem Segment.

Was für Investoren sind das?

„Echte“ institutionelle Investoren. Die großen Bondhäuser sind wegen der geringen Handelsliquidität zwar nach wie vor nicht am Markt für Mittelstandsanleihen präsent, aber in den vergangenen ein, zwei Jahren haben sich einige neue Player gegründet, die speziell in kleine Highyield-Bonds investieren, also Mittelstandsanleihen, aber auch in Unternehmens-Schuldscheine, die ebenfalls eine wichtige Rolle in der Mittelstandfinanzierung spielen. Dahinter stecken oft Teams, die sich von Leveraged-Finance-Desks der Banken, von Hedgefonds und PE-Häusern gelöst haben und jetzt mit eigenen Fonds am Markt agieren. Diese Investoren bringen frischen Wind in den Markt für Mittelstandsanleihen. Aber sie verändern auch die Spielregeln. 

Inwiefern genau?

Diese neue Investorengruppe ist extrem zahlengetrieben, betreibt ein intensives Modelling, berechnet Plan-GuVs und Stressszenarien. Diese Häuser verlangen von den Emittenten Sicherheiten, um ihre Investitionen zusätzlich abzusichern. 

Die meisten Mittelstandsanleihen sind bislang komplett unbesichert.

Natürlich gab es auch in der Vergangenheit schon Mittelstandsanleihen mit Sicherheiten, die aber zum Teil unzureichend waren. Genau das hat sich geändert. Die Investoren verlangen jetzt zusätzliche Sicherheiten wie zum Beispiel die Abtretung von Lizenzeinnahmen, die Übertragung von Markenrechten, zum Teil sogar Grundschulden als Besicherung. Und die CFOs der Emittenten müssen diese Sicherheiten bieten, sonst wird es schwer, die Anleihe zu platzieren.

Filbert: „CFOs bewerten das positiv“

Das wird den CFOs nicht schmecken. Wir haben viele Emissionen gesehen, nach denen sich die CFOs explizit dafür feiern ließen, dass sie dank der Bondemission die Banken abgelöst und dadurch die Sicherheiten freibekommen haben. 

Natürlich war es früher leichter für die Unternehmen, aber dafür können sie jetzt auf einem professionelleren, reifen und damit dauerhaften Finanzierungsmarkt agieren. Die neuen Leadinvestoren sind bereit, von vorne herein 10 bis 15 Prozent einer Emission zu zeichnen. Wenn diese im Vorfeld einer Emission in die Strukturierung der Anleihe einbezogen werden, wie das inzwischen der Fall ist, ist der Erfolg einer Emission für beide Seiten gegeben.

Wie reagieren die Unternehmen auf die neuen Marktanforderungen?

Sie bewerten das positiv. Viele sagen uns: „Die Sicherheitenforderungen der Investoren sind streng, aber auf der anderen Seite erhalten wir ein nachhaltiges Instrument der Refinanzierung.“ Das Finanzierungsinstrument Mittelstandsanleihe ist und bleibt attraktiv, und der Markt wird auch 2014 wachsen. Vermutlich werden wir zwar weniger Emissionen sehen als 2013, dafür aber Deals mit höheren Volumina – und mit besser strukturierten Anleihen. Durch diese Professionalisierung hat der Markt für Mittelstandsanleihen exzellente Perspektiven.

 

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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