Persönlich & Personal
19.01.15

Wie CFOs und Top-Finanzer die Zukunft sehen

CFO-Trends: Mehr Big Data – aber weniger Outsourcing

Von Anna Wulf

Die hinzugewonnene Bedeutung wird für viele Finanzabteilungen zur Herausforderung, denn jetzt müssen die CFOs und ihre Leute liefern. Dabei setzen sie erstaunlicherweise vor allem auf hauseigene Spezialisten. Der Outsourcing-Trend scheint sich abzuschwächen.

Der Finanzbereich ist für Unternehmen so wichtig wie nie. Deshalb setzen CFOs auf Personal mit Zusatzqualifikationen.

iStock/Thinkstock/Getty Images

Der Finanzbereich ist für Unternehmen so wichtig wie nie. Deshalb setzen CFOs auf Personal mit Zusatzqualifikationen.

Die wachsende Bedeutung der Finanzabteilungen in deutschen Unternehmen geht mit immer höheren Qualitätsanforderungen einher. So lautet das Ergebnis einer Studie im Auftrag von PwC, für die über 100 Geschäftsführer und leitende Finance-Mitarbeiter zur Rolle des Finanzbereichs in den nächsten fünf Jahren befragt wurden.

Schon heute meinen 82 Prozent der befragten Entscheider, dass der Finanzbereich für die Unternehmensentwicklung maßgeblich ist. Dennoch erwartet fast die Hälfte, dass die Bedeutung von Finance für ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren noch weiter zunehmen wird.

Insbesondere als Business-Partner für operative Entscheider, was heute schon für fast 90 Prozent der Befragten zu einer Kernaufgabe der Finanzabteilung geworden ist, wird nach Einschätzung jedes zweiten Befragten der Einsatz der Finance-Kollegen in Zukunft noch stärker gefragt sein. Die Finanzabteilung wird zudem von mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer als Mittler zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen angesehen, eine Aufgabe, die sie nach Meinung der Befragten auch in Zukunft innehaben wird.

PwC: Finance-Umbau steht für Manager nicht oben auf der Agenda

Obwohl über 80 Prozent der Unternehmensleiter die Bedeutung der Abteilung schon heute erkannt haben, kommt die PwC-Studie überraschend zu dem Ergebnis, dass nur knapp die Hälfte von ihnen Veränderungen in ihrer Finanzabteilung auch aktiv mit Zielvorgaben vorantreibt.

In fast ebenso vielen Fällen ergeben sich Veränderungen im Finance-Bereich nicht aus eigenem Antrieb, sondern aus einem neu ausgerichteten Geschäftsmodell und aus dem Einsatz neuer Technologien. Dass gerade IT und Digitalisierung einen solchen Einfluss auf die Ausrichtung der Finance-Funktion haben, lässt sich durch das Aufkommen von Konzepten wie Business Intelligence und Big Data erklären. Diese bringen grundlegende Veränderungen für Arbeitsabläufe im Finanzbereich mit sich.

Finanzabteilung muss steigende Qualitätsanforderungen erfüllen

Big Data & Co. schrauben aber auch die Anforderungen an die Finanzteams weiter nach oben: Fast zwei Drittel der befragten Finanzexperten gehen davon aus, dass in Zukunft höhere Qualitätsanforderungen auf sie zukommen werden. Besonders wichtig dürfte in diesem Zusammenhang die Interpretation von Daten sein – und die Herausforderung, daraus zukunftsgerichtete Informationen abzuleiten.

Allerdings beklagen fast 40 Prozent der Teilnehmer, dass mangelnde Datenqualität ihre Finanzabteilung daran hindert, bessere Ergebnisse zu liefern und ihr Potential als strategischer Partner für die Geschäftsleitung voll auszuschöpfen. Auch bei der Auswertung und Interpretation vorliegender Daten sieht ein Viertel Verbesserungspotenzial. Dass die Datenanalyse nicht überall zufriedenstellend läuft, hängt auch damit zusammen, dass es an Fachkräften mangelt.

Personal fehlt - Zusatzwissen ist gefragt

Viele CFOs wollen daher neues Personal einstellen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Dies gaben 80 Prozent der Studienteilnehmer an. Dabei wollen die meisten besonders auf zusätzliche Qualifikationen achten.

Gefragt ist vor allem unternehmerisches Denken, um die Finanzabteilung als Partner für die operativen Entscheider besser aufzustellen. Aber weil auch auf Datenauswertung und -interpretation zunehmend Wert gelegt wird, dürfte auch die Nachfrage nach IT- und Controlling-Spezialisten wachsen.

Es deutet vieles darauf hin, dass das Wachstum der Finanzteams innerhalb der Unternehmen stattfinden wird und nicht ausschließlich bei Drittanbietern. Zwar setzen, um die Kosteneffizienz zu steigern, über 40 Prozent der befragten Finanzentscheider auf standardisierte Prozesse und Outsourcing. Doch ein neuer Mega-Trend scheint hier nicht zu erwachsen – im Gegenteil: Nahezu ein Fünftel der Studienteilnehmer will die Auslagerungsaktivitäten sogar wieder zurückfahren.

anna.wulf[at]finance-magazin.de

Über die Studie:

Befragt wurden 45 Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer sowie 64 Leiter in den Bereichen Finance und Controlling in deutschen Unternehmen. Knapp die Hälfte der Befragten ist in der Industrie oder im produzierenden Gewerbe tätig. Fast 40 Prozent der Teilnehmer arbeiten in der Dienstleistungsbranche. Die Übrigen Befragten arbeiten in Handelsunternehmen.

43 Prozent der Befragten sind in Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern tätig. Fast 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen haben 500 bis 1.000 Mitarbeiter. Ein Fünftel der Teilnehmer arbeiten in großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.

30 Prozent der untersuchten Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz unter 10 Millionen Euro, fast genauso viele weisen Umsätze zwischen 10 und 50 Millionen Euro auf. Ein Drittel der Unternehmen weisen einen Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro auf.