Risiko & IT
20.01.17

Vorwurf der Bilanzfälschung und Insolvenzverschleppung

Windreich-Gründer Willi Balz wird angeklagt

Von Julia Schmitt

Fast vier Jahre lang ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, nun hat sie Anklage gegen den früheren Windreich-Chef Willi Balz sowie sieben seiner Mitarbeiter erhoben. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anlage gegen den Windreich-Gründer Willi Balz erhoben.

Windreich

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anlage gegen den Windreich-Gründer Willi Balz erhoben.

Drei Jahre nach der Pleite des Windparkentwicklers Windreich hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen den Firmengründer Willi Balz sowie sieben seiner früheren Mitarbeiter erhoben. Die Ermittlungen waren bereits Anfang 2013 aufgenommen worden. Damals gab es 20 Beschuldigte, gegen zwölf wurden die Ermittlungen inzwischen eingestellt.

Die Vorwürfe gegen Balz und die Mitarbeiter wiegen schwer: Es geht um mehrfache Insolvenzverschleppung, Betrug in Höhe von mehreren Millionen Euro, Bilanzfälschung, die Begünstigung von Gläubigern und Insiderhandel. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die Eröffnung des Strafverfahrens entscheiden.

Windreich-Gründer Willi Balz weist Vorwürfe von sich

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Balz, er halte die Vorwürfe für haltlos. Er wittert eine Verschwörung früherer Gläubiger. Seine Firma sei nie zahlungsunfähig gewesen. Balz hatte schon kurz nach der Pleite behauptet, der Insolvenzantrag sei von einer finanzierenden Bank mutwillig ausgelöst worden.

Auch nach der Eröffnung der Insolvenz kämpfte Balz verbissen weiter um seine im Jahr 1999 gegründete Firma. Die Vorwürfe der Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung hatte er stets von sich gewiesen und sich auch immer wieder in die Verwertung der Insolvenzmasse eingemischt, indem er selbst nach möglichen Käufern für große Windparks suchte, die Windreich entwickelt hatte. Balz hat inzwischen auch Privatinsolvenz angemeldet.

Windreich war 2013 wegen hoher Schulden in die Pleite gerutscht. Probleme zeichneten sich schon davor ab, als ein zunächst geplanter Börsengang nicht stattfand. In den Jahren 2010 und 2011 hatte Windreich mehrere Mittelstandsanleihen im Gesamtvolumen von 130 Millionen Euro aufgelegt. Nach wie vor ist nicht klar, mit welcher Rückzahlungsquote die früheren Bondholder rechnen können. Insgesamt bezifferte der Insolvenzverwalter die Höhe der Forderungen gegen Windreich auf 270 Millionen Euro.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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