Risiko & IT
18.09.15

Aktienkurs mit starkem Einbruch am Vormittag

Lieferketten-Desaster verhagelt Hella das Ergebnis

Von Sabine Reifenberger

Schlechte Nachrichten für den Automobilzulieferer Hella: Der Ausfall eines chinesischen Zulieferers trifft den Konzern mit voller Wucht. Unmittelbar vor dem Aufstieg in den MDax muss der Konzern seine Ergebnisprognose kappen.

Der Ausfall eines Lieferanten verhagelt das Ergebnis: Hella muss die Lücke in seiner asiatischen Lieferkette vorerst überbrücken.

Hella

Der Ausfall eines Lieferanten verhagelt das Ergebnis: Hella muss die Lücke in seiner asiatischen Lieferkette vorerst überbrücken.

Das hatte man sich bei Hella sicherlich anders vorgestellt. Mit dem heutigen Handelsschluss wird das Unternehmen vom SDax in den MDax aufsteigen, doch zuvor musste der Automobilzulieferer seinen Aktionären eine Hiobsbotschaft verkünden: Zwar hat das Unternehmen im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2015/2016, das am 31. August endet, eine positive organische Umsatzentwicklung verzeichnet.

Doch der Ausfall eines chinesischen Lieferanten trifft das Unternehmen hart. Wie ein Sprecher des Konzerns auf FINANCE-Anfrage mitteilte, habe der Lieferant unvermittelt die Lieferung der Komponenten eingestellt. Der aktuelle Lieferantenausfall stelle „einen besonderen und außerordentlichen Fall“ dar, das Verhalten des Lieferanten sei nicht nachvollziehbar, heißt es aus Lippstadt. Hella behält sich juristische Schritte vor.

Lieferkette muss neu ausgerichtet werden

Doch der Schaden ist bereits angerichtet. Der Zuliefererausfall drückt voraussichtlich nicht nur das Quartals-Ebit von Hella, er wird wohl auch zu einem schwächeren Ergebnis im gesamten Geschäftsjahr 2015/2016 führen. Da tröstete es die Anleger kaum, dass der Umsatz im ersten Quartal mit 1,5 Milliarden Euro um 14 Prozent über dem des Vorjahresquartals lag. Davon entfielen 4 Prozent auf für das Unternehmen vorteilhafte Wechselkurseffekte.

Der Fall zeigt, wie dramatisch Supply-Chain-Risiken auf das operative Geschäft durchschlagen können. Der chinesische Lieferant hatte Spritzguss-Komponenten für Hella geliefert. Ende August kam es dann nach Hella-Angaben zu den Problemen. Um die Lieferkette künftig besser abzusichern, will Hella die Fertigung der betroffenen Vorprodukte nun umstellen.

Mittelfristig soll die lückenlose Lieferkette in Asien wieder aufgebaut werden, doch bis es so weit ist, werden die fehlenden Komponenten zum Teil aus Europa zur Weiterverarbeitung nach Asien exportiert. Durch diesen Mehraufwand kann Hella nach eigenen Angaben seine Verträge gegenüber den eigenen Kunden erfüllen, doch die Aufwendungen gehen ins Geld.

Ausfall wird Hella bis zu 50 Millionen Euro kosten

Hella rechnet wegen der Umstellungen mit „erheblichen Mehraufwendungen und zusätzlichen Abschreibungen“. Insgesamt erwarten die Lippstädter eine Belastung des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 30 Millionen Euro im ersten Quartal und stellen die Aktionäre auf weitere Sonderbelastungen in den Folgequartalen ein. Insgesamt wird der Lieferantenausfall im Geschäftsjahr 2015/2016 zu einer einmaligen Belastung von bis zu 50 Millionen Euro führen. Bei Hella geht man davon aus, dass die Lieferkette in drei bis sechs Monaten wieder in neuer Form stabilisiert sein wird.

Im ersten Quartal erreicht Hella aufgrund der Sonderbelastungen nun lediglich ein vorläufiges Ebit von 69 Millionen Euro, ein Minus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ohne den Ausfall hätten die Finanzexperten des Automobilzulieferers um den scheidenden CFO Wolfgang Ollig mit einem Anstieg des vorläufigen Ebit um rund 4 Prozent gerechnet. 

Aktienkurs fällt nach den schlechten Nachrichten

Auch operative Projekte drücken auf das Ergebnis. Produktanläufe mit einer neuen LED-Technologie im Automotive-Bereich in Osteuropa und China sowie höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung belasten das Ergebnis weiter. Den Lieferantenausfall werden die Lippstädter somit wohl nicht kompensieren können.

Im gesamten Geschäftsjahr erwartet Hella nun ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, bei einem Ebit unter dem Vorjahresniveau. Im Geschäftsjahr 2014/2015 hatte Hella einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro und ein Ebit von 430 Millionen Euro erzielt.

Der Aktienmarkt reagierte geschockt auf die Negativentwicklung: Hatte die Hella-Aktie am Donnerstagabend noch deutlich über 37 Euro geschlossen, stand sie am frühen Freitagvormittag zunächst bei etwa 32,50 Euro und erholte sich bis zum Mittag wieder leicht auf über 34 Euro. Die finalen Ergebnisse des ersten Quartals 2015/2016 wird Hella am 25. September vorlegen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de