Risiko & IT
21.03.16

Krisenfälle durch turbulente Wirtschaft

Restrukturierer erwarten mehr Geschäft

Von Andreas Knoch

Die Fachleute in den Banken erwarten, dass die Zahl umbaubedürftiger Unternehmen steigt. Das geht aus einer FINANCE-Umfrage hervor.

Der Ölpreisverfall beunruhigt auch Restrukturierungsexperten aus Banken.

Thaiview/Thinkstock/Getty Images

Der Ölpreisverfall beunruhigt auch Restrukturierungsexperten aus Banken.

Die globale Konjunktur kommt nicht recht vom Fleck, und an den Finanzmärkten schwindet zusehends der Mut. Nimmt man die Kurskapriolen an den internationalen Aktien- und Rohstoffmärkten als Gradmesser für die Verfassung der Weltwirtschaft, steht die nächste Rezession bereits in den Startlöchern.

Unter dem Strich nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft also zu. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen des achten Restrukturierungsbarometers wider, das FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner (SMP) Ende Februar durchgeführt hat. Die Zahlen stimmen die befragten Fachleute optimistisch für das eigene Geschäft.

Das Thema Restrukturierung wird Ihnen präsentiert von Struktur Management Partner:

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Belebung im Restrukturierungsmarkt

Angesichts der zähen konjunkturellen Lage, politischer Konflikte und des Rohstoffpreisverfalls ist der deutliche Anstieg neuer Restrukturierungsfälle im Vergleich zur Erhebung im Herbst 2015 nicht überraschend. So gaben 24 Prozent der befragten Experten an, in den vergangenen sechs Monaten mehr neue Krisenfälle zur Bearbeitung auf den Tisch bekommen zu haben, nur noch 40 Prozent meldeten sinkende Zahlen. Von seinen Tiefstständen hat sich dieser Indikator damit deutlich gelöst.

35 Prozent der Befragten gaben an, im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung mehr Engagements aus der „Intensivstation“ wieder in den Marktbereich zurückgeführt zu haben. Das war etwas weniger als in der vorhergehenden Befragung (41 Prozent). Die Mehrheit der Befragten sieht die Entwicklung der Altfälle etwa gleichbleibend, Insolvenzen haben nicht zugenommen.

Schwierigere Finanzierungsbedingungen für Krisenfälle

In das Bild eines schwieriger werdenden wirtschaftlichen Umfelds passen die Erwartungen der Umfrageteilnehmer für die kommenden sechs Monate: Fast jeder Zweite (48 Prozent) rechnet mit zunehmenden oder deutlich zunehmenden Zahlen neuer Restrukturierungsfälle. Das ist deutlich mehr als in den vorangegangenen Befragungen und bestätigt die in den vergangenen Monaten heruntergeschraubten Konjunkturaussichten. Mit 37 Prozent gleich geblieben ist zwar das Lager derer, die glauben, dass es bei der Zahl neuer Restrukturierungsfälle beim Status Quo bleiben wird. Eingebrochen ist jedoch das Lager der Optimisten, die von abnehmenden oder deutlich abnehmenden Restrukturierungsfällen ausgehen (6 Prozent).

Einen Bruch gab es auch bei der Beurteilung der aktuellen Finanzierungsbedingungen. So ist der Anteil der Befragten, die bei Restrukturierungsfällen die Finanzierung als einfach oder sehr einfach einschätzten, auf 9 Prozent gesunken (Herbst 2015: 12 Prozent). Gleichzeitig berichteten 34 Prozent von schwierigen oder sehr schwierigen Finanzierungsbedingungen. Für die Mehrheit – 51 Prozent – sind die Bedingungen unverändert. „Auch die Finanzierung von Restrukturierungsfällen gestaltet sich nicht mehr so leicht wie früher“, sagt Restrukturierungsexperte Michailov und fügt hinzu: „Wir werden, denke ich, mehr Insolvenzen sehen.“

Zu den vollständigen Ergebnissen der Umfrage gelangen Sie hier.

redaktion[at]finance-magazin.de

Das 8. Restrukturierungsbarometer

Im Rahmen des Restrukturierungsbarometers befragt FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner regelmäßig die Professionals aus dem Intensive-Care-Bereich von Banken. An der achten Auflage haben sich 80 Befragte beteiligt. Zum Archiv geht es hier.