Strategie & Effizienz
20.01.16

„Falsche Entscheidungen, verlorenes Vertrauen“

SKW: Finanzinvestor MCGM erhöht den Druck

Von Philipp Habdank

Der Finanzinvestor MCGM erhöht den Druck auf das Management des Stahlzulieferers SKW. Vor allem der inzwischen ohne CFO regierende SKW-Chef Kay Michel gerät ins Visier.

MCGM übt Druck auf SKW-Chef Kay Michel aus

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Vor einem Monat hat der Finanzinvestor MCGM seine Anteile an SKW auf 5 Prozent aufgestockt. Jetzt üben die Münchner Druck auf SKW-Chef Kay Michel aus.

Der aktivistische Finanzinvestor MCGM Zieht die Daumenschrauben an. Der Münchener Turnaroundspezialist hält 5 Prozent an dem bayerischen Stahlzulieferer, der schwer unter der Stahlmarktkrise leidet.

Vor allem die Managementstruktur kristallisiert sich aktuell als zentrales Kritikfeld des Finanzinvestors heraus. Der Stuhl des CFOs ist nach dem Abgang von Sabine Kauper vor drei Monaten und ihrem Wechsel zu Heliocentris nach wie vor unbesetzt. MCGM hält es „für unverständlich, in Zeiten einer kritischen Restrukturierungsphase auf einen CFO zu verzichten“ –  zumal SKW unmittelbar nach dem Rückzug von Sabine Kauper im November ein weiteres Mal die Covenants gebrochen hat. Wenig Verständnis zeigt MCGM auch für Aufsichtsratschef Titus Weinheimer, der als in New York ansässiger Anwalt in den Augen des Großaktionärs seine Kontrollfunktion „nicht ausreichend wahrnimmt“ und „falsche Entscheidungen trifft“.

„Organisationsstruktur überholt“: MCGM wirft SKW Verschwendung vor

Die Kampagne des Investors konzentriert sich zusehends auch auf SKW-Chef Kay Michel, der trotz hoher Verschuldung und schwacher Stahlkonjunktur weiterhin auf Wachstum statt ein profitableres operatives Geschäft baue. MCGM kritisiert, dass Michel mit seinem Kurs den am Kapitalmarkt gängigen Shareholder-Value-Ansatz untergrabe und die Zinszahlungen an Banken den Dividenden an Aktionäre vorziehen würde. „Es gilt offenbar die Devise Umsatz vor Profitabilität“, bemängelt der Investor.

Die Covenant-Brüche bezeichnet MCGM als Symptom der Unternehmenskrise bei SKW, die Michel nicht konsequent anpacke. Bei der Performance-Messung zieht der Turnaround-Investor immer wieder den Konkurrenten ThyssenKrupp heran: Während ThyssenKrupp binnen 22 Monaten durch den anhaltend niedrigen Stahlpreis 20 Prozent seiner Marktkapitalisierung einbüßte, seien es bei SKW rund 70 Prozent. Außerdem sei es dem Dax-Konzern gelungen, seine Personalkostenquote zu reduzieren, während sie bei SKW weiter ansteige. „Die operative Effizienz ist mangelhaft, die Organisationsstruktur überholt“, meint MCGM.

Offenbar keine gute Gesprächsatmosphäre zwischen SKW und MCGM

Neben der kritischen Bestandsaufnahme serviert MCGM SKW-Chef Michel auch einen umfangreichen Forderungskatalog. Mehr Effizienz und Ertragskraft, eine straffere Organisation sowie ein tieferes Wertschöpfungsnetzwerk sind die Kernforderungen. Nur so könne SKW wieder zu einem der „profitabelsten Unternehmen in seiner Branche und zu einem attraktiven Investment Case“ werden.

Der Dialog zwischen Unternehmen und Investor scheint nicht besonders fruchtbar zu sein. MCGM plaudert aus dem Nähkästchen. Stimmen die Behauptungen des Investors, so haben Michel und Weinheimer die geringe Umsetzungsgeschwindigkeit der Restrukturierung mit zu knappen Personalkapazitäten begründet. MCGM sieht darin einen Widerspruch zu der nicht erfolgten Neubesetzung der CFO-Position. Laut Olaf Marx, Managing Director bei MCGM, findet ein Dialog bisher quasi nicht statt: „SKW um Vorstand Kay Michel hat sich bisher gänzlich unkooperativ gezeigt und verweigert sich eines tragfähigen Dialogs“, so Marx gegenüber FINANCE.

SKW reagiert kühl

SKW selbst reagiert kühl auf die erneute Aufforderung zu einem Kurswechsel. Das Unternehmen begrüßt laut eines Unternehmenssprechers grundsätzlich zwar jeden Investor. „Doch die von MCGM hier aufgeführten Thesen können wir in dieser Form nicht teilen“, sagte er gegenüber FINANCE. Konkretere Antworten, zum Beispiel zur These MCGMs, wonach SKW die bereinigte Ebit-Marge bis 2017 auf 7,5 Prozent mehr als verdoppeln könnte, möchte SKW zum gegenwärtigen Zeitpunkt öffentlich nicht geben.

Ausgelöst wurde die Krise des Konzerns unter anderem durch eigene Fehlinvestitionen. Zwar konnte die damalige Finanzchefin Kauper die Finanzierung neu strukturieren, doch die Krise kehrte zurück: Eine drastische Gewinnwarnung verhinderte eine geplante Kapitalerhöhung. MCGM stand der Aufnahme zusätzlichen Eigenkapitals zu Wachstumszwecken von Anfang an kritisch gegenüber. Der Aktienkurs von SKW reagiert heute mit leichten Aufschlägen auf die Tonverschärfung des Großaktionärs.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Alle Hintergründe zur Krise und zum Aktionärsstreit bei dem Stahlzulieferer liefert unsere FINANCE-Themenseite zu SKW Stahl.