Strategie & Effizienz
07.08.17

Mehr als 100 Jobs betroffen

Merck verlagert Teile der Finanzabteilung ins Ausland

Von Jakob Eich

Merck will Teile seiner Finanzabteilung nach Polen und auf die Philippinen auslagern. Die Darmstädter wollen sich für die Digitalisierung wappnen – vor allem aber Kosten drücken.

Der Chemie- und Pharmakonzern will Teile seiner Finanzabteilung nach Polen und auf die Philippinen verlagern. In Darmstadt sollen dafür 25 neue Stellen geschaffen werden, die strategischer ausgerichtet sein sollen.

Merck

Der Chemie- und Pharmakonzern will Teile seiner Finanzabteilung nach Polen und auf die Philippinen verlagern. In Darmstadt sollen dafür 25 neue Stellen geschaffen werden, die strategischer ausgerichtet sein sollen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Merck verlagert einen Teil seiner Finanzabteilung ins Ausland. Wie die Darmstädter mitteilten, soll ein großer Teil der Tochter „Merck Accounting Solutions & Services Europe“ vom Unternehmenssitz in Darmstadt ins polnische Breslau sowie in die philippinische Hauptstadt Manila verlagert werden.

In der betroffenen Tochterfirma bündelt Merck das finanzielle Shared-Service-Center der Gruppe für Europa. Laut Merck sollen 135 Stellen aus der Buchhaltung und aus dem Rechnungswesen bis Ende 2020 von Darmstadt an die beiden Standorte wandern. Man wolle so noch besser „auf die Bedürfnisse unserer Geschäfte eingehen“, wird Finanzchef Marcus Kuhnert zitiert. Die „FAZ“ hatte am Wochenende vorab von den Plänen erfahren und darüber berichtet.

CFO Marcus Kuhnert will Finanzen mit anderen Ressorts verknüpfen

In Darmstadt selbst soll Merck Accounting Solutions vor allem strategische Aufgaben übernehmen, weshalb 25 neue Stellen in der Unternehmenszentrale geschaffen werden, wie Merck erklärt. Dazu gehörten die Themen Prozess- und Transformationsmanagement, erläuterte eine Sprecherin gegenüber FINANCE. Näher könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht darauf eingehen, da der Prozess noch bis Ende 2020 laufe.

Der Accounting-Bereich ist Teil der neuen Dienstleistungseinheit Merck Business Services, die von CFO Kuhnert verantwortet wird. Durch die Schaffung der Einheit erhofft sich der seit drei Jahren amtierende Finanzchef, einen übergreifenden Ansatz für die Bereiche Finanzen, Personal, IT und Einkauf zu schaffen, wie die „FAZ“ berichtet. Kuhnert arbeitete lange Jahre für den Konsumgüterkonzern Henkel, der unter den Dax-Konzernen als einer der Pioniere im Outsourcing von Standardaufgaben in Shared-Service-Center gilt.

Kuhnert bezeichnet Digitalisierung als Treiber für Finanzumbau

Kuhnert ist entschlossen, die neuen technischen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, zu nutzen, um möglichst viele Prozesse zu standardisieren und weltweit zu bündeln. Manila, wo Merck Accounting Solutions offenbar zu weiten Teilen hin verlagert werden soll, gilt als eine der globalen Drehscheiben des Konzerns. In Breslau hat Merck 2013 ein Shared-Service-Center für das Personalwesen eröffnet.

Kuhnert beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung: „Wir haben im Frühjahr 2016 mit 20 Führungskräften aus dem Finanzbereich diskutiert, was wir mit der Digitalisierung erreichen wollen“, sagte er im aktuellen FINANCE-Magazin. Advanced Analytics und Big Data seien die bevorzugten Anwendungsfälle. Die Veränderungen bei Merck Accounting Solutions könnten als Grundlage für eine bessere Datenverarbeitung dienen.

Will Merck die Maßnahmen noch vor dem Jubiläumsjahr umsetzen?

Merck dürfte aber noch zwei weitere Motive für die Umsiedlung der Jobs haben. Zum einen können die Darmstädter wohl ihre Lohnkosten drücken, da diese in Polen und Manila deutlich niedriger sind als in Darmstadt.

Zum anderen feiert Merck im kommenden Jahr sein 350-jähriges Bestehen. Unternehmenskenner mutmaßen, dass das Management umstrittene Strukturentscheidungen noch vorher in die Wege leiten will, damit sie nicht die Stimmung im Jubiläumsjahr belasten, schreibt die „FAZ“.

Bereits im Juli hatte Merck verkündet, vier Standorte in Deutschland schließen zu wollen. Die Arbeitnehmervertreter stehen den Zentralisierungsbemühungen kritisch gegenüber und kündigten bereits Widerstand an.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Merck-CFO Kuhnert ist seit drei Jahren bei dem Pharmakonzern. Welche Highlights seine Karriere geprägt haben, können Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Marcus Kuhnert nachlesen. Ein Interview mit dem Merck-Finanzchef finden Sie im aktuellen FINANCE-Magazin, das Sie hier herunterladen können.