Strategie & Effizienz
08.08.17

Neue Offensive im Übernahmekampf

Busch fordert Sonderprüfer bei Pfeiffer Vacuum

Von Desirée Backhaus und Antonia Kögler

Das Familienunternehmen Busch geht im Übernahmekampf um Pfeiffer Vacuum auf Konfrontationskurs: Ein Sonderprüfer soll das Verhalten des Pfeiffer-Managements untersuchen. Im Visier: Die Abwehrstrategie des Pumpenherstellers.

Der Kampf bei Pfeiffer Vacuum geht in die nächste Runde: Nun fordert Großaktionär Busch einen Sonderprüfer.

Pfeiffer Vacuum Pressebild

Der Kampf bei Pfeiffer Vacuum geht in die nächste Runde: Nun fordert Großaktionär Busch einen Sonderprüfer.

Der Machtkampf bei Pfeiffer Vakuum eskaliert. Die Industriegruppe Busch, die über eine Tochtergesellschaft mehr als 35 Prozent an Pfeiffer Vacuum hält, fordert die Einsetzung eines Sonderprüfers, der das Verhalten von Vorstand und Aufsichtsrat untersuchen soll. Über die Bestellung des Prüfers soll eine außerordentliche Hauptversammlung entscheiden, die Busch beantragt hat.

Konkret soll es in der Sonderprüfung darum gehen, wie sich das Management des Spezialpumpenherstellers im Zusammenhang mit den Übernahmeangeboten von Busch verhalten hat. Die erste Offerte des Familienunternehmens hatte Pfeiffer durch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung torpediert. Das Familienunternehmen zog das Angebot daraufhin zurück. FINANCE-Informationen zufolge fürchtete Busch damals weitere Abwehrmaßnahmen, die die Kosten und den zeitlichen Aufwand des M&A-Deals in einem großen Maße erhöht hätten.

Trotzdem legte Busch wenig später überraschend ein weiteres, höheres Angebot vor. Dieses nahmen allerdings nur wenige Aktionären an, wie Pfeiffer Anfang Juni mitteilte. Das Management um CEO und CFO Manfred Bender, aber auch einige Analysten, hatten die Offerte als zu niedrig kritisiert. Busch konnte allerdings die 30-Prozent-Hürde überspringen und kann daher ohne neues Angebot am Markt weitere Anteile zukaufen.

Busch will US-Zukauf von Pfeiffer Vacuum prüfen lassen

Doch nicht nur Dinge, die im direkten Zusammenhang mit den Übernahmeversuchen stehen, sollen unter die Lupe genommen werden. Busch fordert auch, den Erwerb des US-Unternehmens Nor-Cal Products prüfen zu lassen, den Pfeiffer im Juni bekanntgegeben hatte.

68 Millionen US-Dollar zahlte Pfeiffer Vacuum für das Eigenkapital des US-Unternehmens. Obwohl ein relativ kleiner Deal, scheint Busch die Übernahme zu missfallen. Der Sonderprüfer soll unter anderem prüfen, ob der Übernahmevorgangvernünftiger kaufmännischer Beurteilung“ entsprach, wie aus dem Antrag, der FINANCE vorliegt, hervorgeht.

Aufsichtsratsvorsitzender räumt nach Kritik von Busch den Platz

Darüber hinaus soll der Sonderprüfer sich auch die Beauftragung der Kanzlei Menold Bezler im Rahmen des ersten Übernahmeangebots vornehmen, fordert Busch. Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Oltmanns ist Partner bei der Kanzlei. Er legte am gestrigen Montag seinen Posten mit Wirkung zum Ablauf des 25. Oktober nieder, nachdem Busch seine Abwahl auf der beantragten außerordentlichen Hauptversammlung gefordert hatte. Der Großaktionär will an seiner Stelle Ayla Busch einsetzen lassen, die das Familienunternehmen gemeinsam mit ihren zwei Brüdern Sami und Kaya als geschäftsführende Gesellschafterin führt.

Neben Oltmanns will Busch zudem das Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Lust ablösen lassen. Ihm soll Wolfgang Dondorf  folgen, der bis 2007 Vorstandsvorsitzender bei Pfeiffer Vacuum war. Ihm folgte der damalige Finanzchef Manfred Bender, der heute den CEO- und CFO-Posten in Personalunion ausführt. Ebenfalls eine Konstellation, die Busch in der Vergangenheit kritisierte.

Pfeiffer Vacuum teilte mit, dass die Gesellschaft den Antrag prüfen und die Hauptversammlung einberufen werde, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de