Strategie & Effizienz
28.06.17

Deals im Wert von 5,81 Milliarden Dollar verschoben

Chinesische Kapitalverkehrskontrollen hemmen M&A

Von Philipp Habdank

Weniger Deals, geringeres Volumen: Die M&A-Beratung Oaklins beobachtet erste negative Folgen der chinesischen Kapitalverkehrskontrollen. Zum Erliegen kommt der chinesische M&A-Feldzug in Europa damit aber noch lange nicht.

Die M&A-Beratung Oaklins sieht die ersten Folgen der Kapitalverkehrskontrollen in China. Vor allem Transaktionen chinesischer Finanzinvestoren und Staatskonzerne in Europa werden streng überwacht.

Rawpixel/iStock/Thinkstock/GettyImages

Die M&A-Beratung Oaklins sieht die ersten Folgen der Kapitalverkehrskontrollen in China. Vor allem Transaktionen chinesischer Finanzinvestoren und Staatskonzerne in Europa werden streng überwacht.

Vor einem halben Jahr hat China die Kapitalverkehrskontrollen drastisch verschärft. Die Auswirkungen werden nun deutlich: Chinesische Unternehmen kaufen weniger ausländische Unternehmen, wie ein Bericht der M&A-Beratung Oaklins jetzt zeigt.

Demnach ist die Zahl der geschlossenen Outbound-Transaktionen im Januar und Februar 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Oaklins von 35 auf 19 Deals gesunken. Die M&A-Berater beobachten außerdem, dass das Transaktionsvolumen im Schnitt sinkt. Sechs der 19 Transaktionen waren kleiner als 100 Millionen US-Dollar, drei lagen zwischen 100 und 250 Millionen Dollar.

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Chinesischen Finanzinvestoren drohen hohe Vertragsstrafen

Grund für die schrumpfende Dealgröße ist die Entscheidung des State Administration of Foreign Exchange (Safe), alle Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen oder Finanzinvestoren über 145 Millionen Dollar zu kontrollieren. Das hat Oaklins zufolge dazu geführt, dass viele chinesische Finanzinvestoren zum Jahresbeginn Transaktionen verschoben haben. Oaklins schätzt das Volumen dieser verschobenen M&A-Deals auf insgesamt 5,81 Milliarden US-Dollar.

Sollte sich an den Regeln nichts ändern, könnte das laut Oaklins erhebliche Folgen für die grenzüberschreitenden Buy-out-Fonds der chinesischen Finanzinvestoren haben, da ihnen „heftige“ Break-up-Fees drohen, falls sie begonnene Auslandstransaktionen nicht wie geplant abschließen. Diese gestiegene Unsicherheit könne dazu führen, dass sie ihr Interesse an Überseeinvestments verlieren, so Oaklins.

M&A-Einschränkungen für chinesische Staatskonzerne

Die Kapitalverkehrskontrollen schränken chinesische Käufer nicht nur bei den Transaktionsvolumina, sondern auch bei den Branchen ein, in die sie investieren. So gelten die Immobilien sowie die Hotel, Kino- und Unterhaltungsbranche laut Oaklins als besonders kritisch. Auch sei es nicht gerne gesehen, wenn das europäische Investment das gezeichnete Kapital der chinesischen Mutter übersteige oder die Transaktion stark fremdfinanziert sei. 

Minderheitsbeteiligungen werden von den chinesischen Behörden offenbar ebenfalls nicht gerne gesehen. Unternehmen mit starkem Staatseinfluss hätten Schwierigkeiten, in Europa abseits ihres Kerngeschäfts zu investieren, beobachten die M&A-Berater. Gefördert würden dagegen weiterhin Investitionen, über die chinesische Unternehmen Zugang zu fortgeschrittenen Technologien erhalten.

Chinesische Strategen und Finanzinvestoren könnten diese Einschränkungen allerdings umgehen, wenn sie in Europa bereits eine bestehende Tochtergesellschaft haben, die ausreichend kapitalisiert sei und die Übernahme finanziere, schreiben die Oaklins-Experten.

Chinesischer M&A-Feldzug geht weiter

Auch wenn Transaktionen über 145 Millionen Euro nach wie vor Hürden überwinden müssen, hat sich die Lage zumindest bei M&A-Deals mit kleineren Volumina in den vergangenen Monaten wieder entspannt. „Ende 2016 waren die Kapitalverkehrskontrollen ein riesiges Thema“, erinnert sich Ulrike Glück, Managing Director der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS und seit zehn Jahren Leiterin des Büros in Shanghai. „Nahezu jede Transaktion über 50 Millionen Dollar erforderte bereits ein Interview bei der Devisenkontrollbehörde Safe.“ Die Lage habe sich inzwischen jedoch wieder deutlich entspannt, man sei wieder zu „business as usual“ übergegangen, beobachtet sie. 

Auf der anderen Seite würden die strategisch wichtigen und großen Milliardendeals, wie beispielsweise die Übernahme des Augsburger Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Mischkonzern Midea, Glück zufolge nicht gestoppt. Im Gegenteil: Im technologiestarken Automotive-Bereich und Maschinenbau sei inzwischen bei jedem Verkauf mindestens ein chinesischer Bieter dabei, beobachtet sie.

Die chinesische Einkaufstour dürfte in Deutschland damit noch lange nicht beendet sein. Die Einschränkungen scheinen sich in erster Linie auf mittelgroße Transaktionen in innovationsarme Branchen zu beziehen, die nicht in den Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Regierung einzahlen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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