Strategie & Effizienz
13.08.15

Prüfung deckt unsaubere Machenschaften auf

Compliance Due Diligence: Auf wen lasse ich mich ein?

Von Sabine Reifenberger

Immer strenger gehen die Behörden gegen Korruption und Kartelle vor. Deshalb bestehen Käufer bei M&A-Deals inzwischen regelmäßig auf einer Compliance Due Diligence. Besonders bei Geschäften in Ländern, die als korruptionsanfällig gelten, ist eine sorgfältige Prüfung geboten.

War ein M&A-Target in der Vergangenheit in Kartelle oder Fälle von Korruption verstrickt? Die Compliance Due Diligence klärt die Risiken ab.

filmfoto/iStock/Thinkstock/Getty Images

War ein M&A-Target in der Vergangenheit in Kartelle oder Fälle von Korruption verstrickt? Die Compliance Due Diligence klärt die Risiken ab.

Mit der Compliance Due Diligence adressieren Unternehmen einen besonders sensiblen Bereich. Compliance-Verstöße gehören zu den größten Risiken, die nach einer Übernahme oder Fusion lauern. Zum einen schaden sie massiv der Reputation. Zum anderen drohen etwa bei Kartellfällen hohe Strafen, die drastische finanzielle Folgen haben können. So stand beispielsweise das Familienunternehmen Prym, einer der ältesten Betriebe Deutschlands, aufgrund einer hohen Kartellstrafe zeitweise fast vor dem Aus.

Mit einer Compliance Due Diligence kann ein Kaufinteressent das Risiko, in den Strudel solcher Vorfälle hineingerissen zu werden, beträchtlich senken. Bei einer Compliance Due Diligence wird geprüft, ob das M&A-Target in der Vergangenheit bereits in Compliance-Verstöße verwickelt war. Darüber hinaus schauen die Verantwortlichen, ob das Zielunternehmen geeignete Strukturen geschaffen hat, um mögliche Verstöße auch künftig von vornherein zu erkennen und zu unterbinden. In der Praxis weist eine Compliance Due Diligence regelmäßig Schnittstellen zur Legal Due Diligence sowie zur Tax Due Diligence auf.

Kaufinteressenten sollten darauf achten, dass die jeweiligen Teams sich untereinander austauschen. Zudem sollten die Käufer einzelne Prüfbereiche gut definieren und klar abgrenzen, um Doppelarbeiten zu vermeiden.

Compliance Due Diligence identifiziert bestehende Risiken

Die Compliance Due Diligence hat vor allem ein Ziel: Sie soll sicherstellen, dass das Zielunternehmen sich seiner rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken bewusst ist und im Rahmen eines Compliance Management Systems entsprechende Vorkehrungen getroffen hat, um Fehlverhalten zu unterbinden. Wie umfangreich die Compliance Due Diligence ausfällt, hängt auch vom Zielunternehmen ab. Je nach Geschäftsausrichtung und Tätigkeitsbereich sind Unternehmen mehr oder weniger anfällig für Risiken wie Korruptionsfälle und Preisabsprachen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die Region, in der das M&A-Target tätig ist. Manche Länder gelten als besonders korruptionsgefährdet. Veröffentlichungen wie der Corruption Perceptions Index zeigen, wo die Risiken hoch sind.

Auch nationale Vorgaben wie der UK Bribery Act oder der im US-Bundesgesetz verankerte Foreign Corrupt Practices Act bringen bestimmte Prüfpflichten mit sich, wenn einer der Transaktionspartner seinen Sitz in Großbritannien oder den USA hat. Die Kosten für eine Compliance Due Diligence schwanken damit je nach Risikoanfälligkeit des Targets und liegen oftmals im unteren fünfstelligen Bereich.

Vertrieb und Einkauf oft im Fokus der Compliance Due Diligence

Innerhalb eines Unternehmens stehen in der Praxis bestimmte Abteilungen regelmäßig im Fokus der Compliance Due Diligence. Dazu zählen der Einkauf, der Vertrieb und das Rechnungswesen. Diese Bereiche gelten als besonders anfällig für Korruption, Betrug, Untreue oder Kartellverstöße. Zunehmend rücken aber auch IT-Risiken in den Fokus, beispielsweise wenn es darum geht, den Schutz sensibler Kundendaten sicherzustellen.

Ein Kaufinteressent sollte in jedem Fall prüfen, ob bereits Straf- oder Bußgeldverfahren gegen das Target anhängig sind oder ob es Hinweise darauf gibt, dass bei Aufträgen gegen das Vergaberecht verstoßen wurde.

Behördenregister, Sanktionslisten, Embargo- und Fahndungslisten sind dabei wichtige Recherchequellen. Bei Verstößen drohen nicht nur Strafzahlungen, auch die weitere Geschäftstätigkeit kann beeinträchtigt sein. Viele Unternehmen haben inzwischen interne Vorgaben, die ihnen die Zusammenarbeit mit einem Geschäftspartner verbieten, wenn dieser gegen Compliance-Vorgaben verstoßen hat. Es ist sinnvoll, die im eigenen Haus vorhandenen „schwarzen Listen“ mit den Kunden und Geschäftspartner des möglichen Zielunternehmens abzugleichen. 

Compliance Due Diligence kann spätere Integration erleichtern

Im Rahmen der Compliance Due Diligence sollte sich der Kaufinteressent auch vergewissern, dass das Zielunternehmen seine Mitarbeiter regelmäßig schult, damit diese um die Risiken wissen und Verstöße vermeiden können. Fallen Schwachstellen im Compliance-System auf, sollte der Käufer dies in seine Kaufpreisüberlegungen einbeziehen, denn die Nachschulung kostet Zeit und Geld – von den erhöhten Compliance-Risiken ganz zu schweigen. Gängige Vertragsklauseln in M&A-Vereinbarungen lassen es zu, dass der Käufer sich vom Verkäufer entsprechende Garantien oder Gewährleistungen einräumen lässt, um sich gegen mögliche Schäden im Zusammenhang mit Compliance-Risiken abzusichern.

Eine umfassende Compliance Due Diligence hat aber auch noch einen anderen Vorzug: Hat ein Käufer vor einem M&A-Deal das M&A-Target intensiv geprüft, kann dies die spätere Integration in die eigene Compliance-Struktur erleichtern. Das ist vor allem dann relevant, wenn ein größeres Unternehmen eine kleinere Firma übernimmt und in seine Struktur integriert.

Dem gegenüber können erhebliche Mängel, die bei der Compliance Due Diligence aufgedeckt werden, ein Dealbreaker für die gesamte Transaktion sein. Werden sie erst im Nachhinein publik, kann der M&A-Deal auch zu einem Zeitpunkt noch scheitern, an dem eigentlich alles unter Dach und Fach zu sein schien. Ein prominenter Fall ist MAN-Ferrostaal: Der LKW-Produzent hatte 70 Prozent der Ferrostaal-Anteile an die International Petroleum Investment Company (IPIC) verkauft. Wenige Monate später wurde bekannt, dass Korruptionsermittlungen gegen den Anlagenbauer Ferrostaal laufen. IPIC lehnte die eigentlich bereits vereinbarte Übernahme der noch ausstehenden 30 Prozent an Ferrostaal ab. Ende 2011 erklärte MAN sich nach langen Streitigkeiten bereit, die Anteile für 350 Millionen Euro zurückzukaufen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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