Strategie & Effizienz
27.06.17

Due Diligence, Verträge, Schiedsgerichte

FINANCE-Ratgeber: Wie man mit M&A-Konflikten umgeht

Von Sabine Reifenberger

M&A-Transaktionen sorgen oft auch noch Jahre später für Konflikte. Wer bestimmte Regeln beachtet, kann das Risiko von Streitfällen aber minimieren.

Bei M&A-Konflikten kämpfen beide Seiten oft mit harten Bandagen. Wer die Verträge klar formuliert, kann aber viele Konfliktherde umgehen.

PeshkovaPeshkova/iStock/Thinkstock/Getty Images

Bei M&A-Konflikten kämpfen beide Seiten oft mit harten Bandagen. Wer die Verträge klar formuliert, kann aber viele Konfliktherde umgehen.

M&A-Verhandlungen sind häufig kompliziert und langwierig – und selbst wenn alle Verträge unterzeichnet und alle Freigaben erteilt sind, heißt das nicht, dass alle offenen Punkte geklärt sind. Im Gegenteil: Die meisten M&A-Konflikte treten in der Phase nach dem Closing zutage, hat die Berkeley Research Group in ihrer Studie „Volatility, disruption and fraud: The making of a modern M&A dispute“ festgestellt. Häufige Konfliktfelder nach dem Abschluss des Kaufvertrags sind Kaufpreisanpassungsklauseln oder ein unerwarteter Liquiditätsbedarf auf Seiten des Targets. Auch Earn-out-Zahlungen führen regelmäßig zu Streit.

In der Tendenz ist das Risiko für M&A-Konflikte zuletzt gestiegen. Das liegt daran, dass die Transaktionen komplexer werden und immer häufiger verschiedene Länder und Gesetzesrahmen umfassen. Zudem bietet der aktuelle M&A-Markt gute Voraussetzungen für Verkäufer – die verkäuferfreundlichen Regelungen können aber auf der Gegenseite für Unmut sorgen.

Wer M&A-Konflikte vermeiden möchte, sollte eine sorgfältige Due Diligence vornehmen und schon bei der anschließenden Vertragsgestaltung auf klare und eindeutige Formulierungen achten: „Die Punkte, die am häufigsten zu Konflikten führen, haben mit Ambiguität bei der Vertragsgestaltung zu tun“, sagt Heiko Ziehms von der Berkeley Research Group, der als Sachverständiger zu M&A-Konflikten herangezogen wird. Er rät dazu, Informationen über die verschiedenen Prüfstränge der Due Diligence hinweg regelmäßig auszutauschen, damit alle Berater auf dem gleichen Stand sind.

Übernahmefinanzierung: Mehr Cash ohne zusätzliche Bankverbindlichkeiten

Private-Equity-Gesellschaften entdecken das Factoring – vor allem im Hinblick auf M&A-Transaktionen. Der Vorteil, den sie sich von dieser alternativen Finanzierungsform versprechen: Mehr Cash für ihre Übernahmeziele, ohne deren Bilanz mit zusätzlichen Bankverbindlichkeiten zu belasten. Weiterlesen »

Eine Anzeige der TARGO Commercial Finance AG

Gute Due Diligence verringert Risiko für M&A-Konflikte

Das Grundproblem: Die Vertragsparteien können sich nicht gegen alle Unwägbarkeiten absichern. Häufig führen unerwartete Ereignisse, etwa eine stark gestiegene Marktvolatilität, zu Streitigkeiten nach M&A-Deals.

Während Unternehmen diese Marktrisiken allenfalls in Szenarioanalysen durchspielen können, sollten sie versuchen, die vermeidbaren Konfliktherde zu umgehen. Dazu gehört auch, sich gegen mögliche Betrugsversuche abzusichern. Forensische Experten im Team für die Financial Due Diligence könnten Anzeichen für Betrug oft schon früh erkennen, sagt Ziehms.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Streit, gehen die Konflikte oft vor Gericht. Dabei geben die meisten Vertragsparteien einem privaten Schiedsgericht gegenüber einem staatlichen Gericht den Vorzug. Insbesondere komplexe grenzüberschreitende Transaktionen werden dort verhandelt. Hierzu legen die Vertragspartner schon im M&A-Vertrag fest, in welcher Form sie etwaige Streitigkeiten klären wollen. 

Viele M&A-Konflikte landen vor Schiedsgerichten

Die Schiedsgerichtsverfahren bieten den Streitparteien mehrere Vorzüge. „Generell lässt die Schiedsgerichtsbarkeit den Parteien größere Freiheiten bei der Ausgestaltung des Verfahrens als bei staatlichen Gerichtsverfahren“, schreibt die früher bei der Kanzlei P+P Pöllath + Partners und inzwischen bei Allen & Overy tätige Rechtsanwältin Alice Broichmann in ihrer Publikation „M&A-Deals im Streit“.

Der wohl größte Vorteil ist aus Sicht vieler Parteien die Diskretion der Schiedsgerichte: Sie verhandeln nicht öffentlich, der Schiedsspruch wird nur mit Zustimmung der streitenden Parteien publiziert. Daher gibt es auch keine verlässliche Statistik darüber, wie hoch der Anteil an M&A-Transaktionen ist, die letztlich im Streit enden. Ein großer Teil der Konflikte wird vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt und beigelegt.

Die Kosten für ein Schiedsverfahren bemessen sich nach dem Streitwert, Vorschüsse für das Schiedsgericht müssen beide Parteien gemeinsam je zur Hälfte aufbringen. Oft sind Schiedsgerichtsverfahren zügiger als jene vor staatlichen Gerichten, da es nur eine Instanz gibt. Doch es gibt Ausnahmen: Auch Schiedsgerichtsverfahren können über einen langen Zeitraum die Aufmerksamkeit von Top-Management und Beratern binden. Während einige Streitfälle binnen weniger Monate geklärt sind, hat Ziehms bereits einen Fall begleitet, der mehr als zehn Jahre dauerte.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie setzt man eine Due Diligence um? Was ist beim ersten Rating zu beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet unsere Rubrik FINANCE-Ratgeber. Ein ausführliches Interview mit Heiko Ziehms über M&A-Konflikte finden Sie im Talk bei FINANCE-TV