Strategie & Effizienz
04.04.16

Trotz Ölpreiskrise

Schoeller-Bleckmann wagt Großakquisition in den USA

Von Julian Wöhr

Inmitten der Ölkrise blättert der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann über 100 Millionen US-Dollar für die Mehrheit am US-Unternehmen Downhole Technology hin. Der Deal ist ein Vabanquespiel.

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann wagt trotz der Ölpreiskrise eine Großakquisition in den USA.

sasacvetkovic33/Thinkstock/Getty Images

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann wagt trotz der Ölpreiskrise eine Großakquisition in den USA.

Mutiges Manöver des österreichischen Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO): Für 103 Millionen Dollar übernimmt SBO 68 Prozent von Downhole Technology, einem US-Hightechnunternehmen, das Ausrüstungsgegenstände für Ölbohrungen liefert. Es ist der größte Firmenzukauf in der Unternehmensgeschichte von SBO.  

32 Prozent von Downhole gehören noch dem Unternehmensgründer und weiteren Managern der Firma. Der Ölzulieferer SBO hat allerdings die Option, nach Ablauf von drei Jahren auch die übrigen Anteile zu übernehmen.

Schoeller-Bleckmann hat Kriegskasse angespart

Der Deal kommt zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, denn der dramatische Rückgang in der Bohrtätigkeit vor allem auf US-Schieferöl- und Gasfeldern hat SBO schwer zugesetzt: Im abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Umsatz um 35,8 Prozent auf 313,7 Millionen Euro ein, der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank von 106,7 auf 3,7 Millionen Euro. Nach Berücksichtigung der Einmaleffekte betrug das EBIT allerdings minus 22,1 Millionen Euro. Der Auftragseingang betrug nur noch 203,6 Millionen Euro, was einen weiteren organischen Umsatzrückgang erwarten lässt. Mit einem tiefgreifenden Stellenabbauprogramm, das selbst die Stammbelegschaft in Österreich trifft, versucht SBO, den Einbruch in den Griff zu bekommen.

Doch der Einbruch der Bestellungen hat SBO – zumindest kurzfristig – auch finanziell gestärkt. Dank eines kräftigen Abbaus der Vorräte und einer Kürzung der Investitionen erzielte der österreichische Vorzeigekonzern 2015 einen freien Cashflow von 85,1 Millionen Euro. Netto war das Unternehmen zum Jahresende schuldenfrei, das Nettoguthaben summierte sich auf 26,2 Millionen Euro. SBO-Chef Gerald Grohmann hatte bereits angekündigt, die gute Kassenlage für antizyklische Übernahmen einsetzen zu wollen. Der Kauf von Downhole dürfte das M&A-Budget nun aber schon weitgehend erschöpft haben, wenngleich SBO sich selbst auch nach diesem Deal noch in einer guten Bilanzlage sieht und gegenüber FINANCE ankündigte, den M&A-Markt „weiter sondieren zu wollen“.

2014, unmittelbar bevor sich der Ölpreisverfall verschärfte, hatte SBO schon den kanadischen Ölfelddienstleister Resource Well Completion übernommen. Der Kaufpreis belief sich aber nur auf ungefähr die Hälfte dessen, was SBO jetzt in Downhole investiert.

Übernahme von Downhole ist Wette auf Wende bei der Bohrtätigkeit

Durch den Downhole-Zukauf setzt SBO verstärkt auf den Bereich Well Completion. „Damit stellen wir SBO breiter auf, erweitern unser Know-how sowie unsere Kundenbasis und schaffen Mehrwert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre“, betonte SBO-Vorstandschef Gerald Grohmann in einer Stellungnahme.

Als Completion bezeichnet man jenen abschließenden Schritt einer Bohrung, bei der diese für die anschließende Öl- und Gasförderung vorbereitet wird. Downhole gilt als Spezialist für das Komplettieren von Öl- und Gasbohrungen und ist nach Unternehmensangaben führender Anbieter der dafür genutzten „Frac Plugs“. Downhole ist damit davon abhängig, dass die US-Frackingindustrie bald wieder intensiver neue Quellen erschließen wird, als sie es derzeit tut. Die Zahl der aktiven Bohrlöcher befindet sich gerade auf einem Mehrjahrestief. Trotzdem konnte Downhole nach Angaben von Schoeller-Bleckmann im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz der Verwerfungen am Ölmarkt die Umsätze steigern und ein positives Ergebnis erwirtschaften.

julian.woehr[at]finance-magazin.de