Strategie & Effizienz
16.10.12

Gastbeitrag: M&A-Deals in Zeiten volatiler Märkte

Sicherungsfragen bei M&A im Vordergrund

Von Michael Sörgel

Selten stand der M&A-Markt so sehr unter dem Einfluss der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wie zurzeit. Die Verunsicherung durch die Eurokrise lässt so manchen Kaufinteressenten an der geplanten Unternehmensübernahme zweifeln. Die Absicherung steht daher bei M&A-Verhandlungen derzeit im Fokus.

Sicherungsfragen bei M&A im Vordergrund: Doppelt gesichert: Absicherung steht bei M&A-Deals im Vordergrund.

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Doppelt gesichert: Absicherung steht bei M&A-Deals im Vordergrund.

Die hohe Volatilität an den Märkten und die Unsicherheit insbesondere in Südeuropa stellen M&A-Verantwortliche in deutschen Unternehmen vor viele Fragen: Sollte man zurzeit überhaupt zukaufen? Und wie verhindert man die größten Risiken?

Sich gegen böse Überraschungen abzusichern steht daher bei M&A-Deals zurzeit im Vordergrund. Kaufinteressenten nehmen ihre Targets genau unter die Lupe. Bei der rechtlichen Due Diligence spielen verstärkt insolvenzbezogene Themen eine Rolle. Wurde bei Unternehmen in Distressed-Situationen die Pflicht zur Insolvenzanmeldung nicht rechtzeitig erkannt, drohen dem Käufer oder dem von ihm eingesetzten Management nach einer Übernahme schlimmstenfalls Haftungsrisiken.

Auch über die weitere Finanzierung des Targets unmittelbar nach Abschluss des M&A-Deals sollten Finanzvorstände sich schon früh Gedanken machen. In Krisenzeiten geht es dabei oft nicht nur darum, bestehende Kreditverträge oder Cash-Pool-Vereinbarungen zu ersetzen. Immer häufiger müssen die potentiellen Käufer in einem ersten Schritt zunächst einmal feststellen, welche Arten von Sicherheiten  zur Besicherung künftiger Finanzierungen überhaupt zur Verfügung stehen.

Wird das Target im Rahmen eines Carve-outs aus einem größeren Konzern herausgelöst, müssen neben einer nahtlosen Finanzierung auch reibungslose Übergänge im IT-Bereich gesichert werden. Käufer sollten einkalkulieren, dass für einen Übergangszeitraum womöglich einzelne Dienstleistungen über die frühere Mutter eingekauft werden müssen. Bei sorgfältiger Durchführung liefert die Due Diligence in der Regel auch wertvolle Hinweise darauf, in welchen Bereichen nach Abschluss des M&A-Vertrags noch Handlungsbedarf besteht.

Vertragliche Risiken absichern

Im derzeitigen Marktumfeld kommt der Absicherung vertraglicher Risiken eine ganz besondere Bedeutung zu. Oft geben die Verhandlungspartner zurzeit Treuhandstrukturen, bei denen ein Teil des Kaufpreises in bar auf einem Notar- oder einem gesondertem Bankkonto hinterlegt wird, gegenüber einer Bankgarantie oder anderen Sicherheiten den Vorzug.

Auch der Abschluss von Reps and Warranties Insurances, bei denen eine Versicherung die Haftung für die vertraglichen Garantien und Freistellungen übernimmt, wird immer öfter als gangbarer Kompromiss angesehen. Diese Lösung greift insbesondere dann, wenn sich Käufer und Verkäufer nicht über den Umfang der vertraglichen Garantien einigen können oder der Verkäufer nicht bereit ist, einen Teil des Kaufpreises zur Absicherung möglicher Regressansprüche auf einem Treuhandkonto zu hinterlegen.

Zunehmend häufiger werden zur Risikoabsicherung auch Material Adverse Change Klauseln vereinbart. Mit ihnen können sich die Parteien von einem bereits geschlossenen, aber zum Beispiel mangels Kartellfreigabe noch nicht vollzogenen Unternehmenskaufvertrag wieder lösen, wenn es in der Zwischenzeit wesentliche Veränderungen des Zielunternehmens oder des wirtschaftlichen Umfeldes gab.

Die Voraussetzungen für M&A-Deals sind zurzeit schwierig. Auf Transaktionen verzichten muss ein Unternehmen deshalb aber nicht. Mit der richtigen vertraglichen Absicherung lässt sich das Risiko auch in einem volatilen Umfeld begrenzen.

redaktion[at]finance-magazin.de

Dr. Michael Sörgel ist Rechtsanwalt und Counsel bei DLA Piper in Köln. Er berät regelmäßig Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen sowie bei Joint-Venture-Projekten und Restrukturierungsfragen.