Strategie & Effizienz
29.04.16

Für rund 500 Millionen Euro

Silverfleet verkauft Kalle an vierten Finanzinvestor

Von Florian Bamberg

Silverfleet gibt den Wurstpellenhersteller Kalle an den nächsten Private-Equity-Investor weiter, und zwar US-Fonds Clayton, Dubilier & Rice. Silverfleet ist mit dem Deal 2009 ins Risiko gegangen – und hatte Erfolg.

fotofermer/Thinkstock/Getty Images

Der Wurstpellenhersteller Kalle wird von Silverfleet mit einem Multiple von 3,5 verkauft.

Der Wurstpellenhersteller Kalle geht vom dritten Private-Equity-Investor zum vierten: Silverfleet Capital verkauft  das Wiesbadener Unternehmen an den US-Fonds Clayton, Dubilier & Rice (CDR). Für Silverfleet war das Investment in Kalle erfolgreich: Der PE-Investor hat das eingesetzte Kapital mit dem Faktor 3,5 vermehrt, teilte die Beteiligungsgesellschaft am Freitag mit.

Seit dem Einstieg von Silverfleet im Jahr 2009 hat das Investment im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 22,5 Prozent abgeworfen. Silverfleet hatte Kalle damals inklusive Schulden für 213 Millionen Euro gekauft. Clayton, Dubilier & Rice zahlt nach FINANCE-Informationen nun zwischen 450 und 500 Millionen Euro für das Unternehmen. Der US-Investor ist zuletzt im April 2014 auf dem deutschen Markt in Erscheinung getreten, als er für 1,7 Milliarden Dollar den Verpackungshersteller Mauser kaufte.

Silverfleet-Partner Guido May hat Kalle in der Finanzkrise gekauft

Kalle gilt in der deutschen Private-Equity-Szene als solides, aber wenig aufregendes Unternehmen, das in einem nur langsam wachsenden und weitgehend verteilten Markt operiert. Dass Silverfleet trotzdem eine so hohe Rendite einfahren konnte, liegt am Timing des Investments: Silverfleet-Partner Guido May hatte Kalle nach einem langwierigen, komplizierten M&A- und Finanzierungsprozess im Frühjahr 2009 gekauft.

Die Bewertungen waren damals am Boden, weil noch nicht abzusehen war, dass die Wirtschaftskrise zu Ende ging. So konnte Silverfleet Kalle billig kaufen. Jetzt sind die Multiples auf den Vorsteuergewinn dagegen auf Rekordständen, was den Verkaufspreis für Kalle getrieben haben dürfte. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge ist es Silverfleet gelungen, eine Bewertung in Höhe des neun- bis zehnfachen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) durchzusetzen. Das Ebitda Kalles soll demnach im vergangenen Jahr 48 Millionen Euro betragen haben und in diesem Jahr auf rund 55 Millionen Euro steigen.

Silverfleet führt naturgemäß eher die eigene Investmentstrategie als Erfolgsfaktor an. Diese bestand bei Kalle aus zwei Komponenten. Erstens hat der Investor Kalle internationalisiert, unter anderem mit dem Zukauf des amerikanischen Netzfabrikanten Jif-Pak.

Zweitens hat Silverfleet Kalle eigenen Angaben zufolge ein Innovationsprogramm verordnet und damit das Wachstum der Wiesbadener angekurbelt. Neil MacDougall, der die Europa-Geschäfte für Silverfleet leitet, kam auf Branchentreffs ins Schwärmen, wenn er von den „Value-Added-Casings“ sprach, die Kalle entwickelt hat. Das sind Pellen, die es erlauben, Rauch, Farbe oder Gewürze in die Wurst einzuarbeiten. Diese Produkte hat Kalle während der Zeit im Eigentum von Silverfleet eigens entwickelt und damit den am schnellsten wachsenden Unternehmensbereich geschaffen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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