Strategie & Effizienz
14.12.16

Nach fast zehn Jahren im Portfolio

Silverfleet verkauft Zeitarbeitsfirma Orizon nach Japan

Von Sabine Reifenberger

Der Private-Equity-Investor Silverfleet hat Orizon verkauft. Für rund 75 Millionen Euro ging die Zeitarbeitsfirma an den japanischen Dienstleister Outsourcing. Damit liegt der Verkaufspreis rund 100 Millionen Euro unter dem Einstiegspreis von Silverfleet im Dezember 2006.

Die Zeitarbeitsfirma Orizon wechselt den Besitzer: Der Private-Equity-Investor Silverfleet verkauft das Unternehmen an Outsourcing.

BartekSzewczyk/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Zeitarbeitsfirma Orizon wechselt den Besitzer: Der Private-Equity-Investor Silverfleet verkauft das Unternehmen an Outsourcing.

Fast zehn Jahre lang lag die Zeitarbeitsfirma Orizon aus Augsburg im Portfolio des Private-Equity-Investors Silverfleet. Nun ist der Weiterverkauf geglückt: Das Unternehmen, für das Silverfleet nach FINANCE-Informationen im Frühjahr einen Verkaufsprozess gestartet hat, geht nun für einen Kaufpreis von rund 75 Millionen Euro an das japanische Dienstleistungsunternehmen Outsourcing, das Orizon über seine deutsche Tochter OSI Holding Germany übernimmt.

Das Investment hat Silverfleet kein Glück gebracht. Bei Bekanntgabe der Transaktion Ende Dezember 2006 stand für Silverfleet, damals noch unter dem Namen PPM Capital im Private-Equity-Markt aktiv, ein Kaufpreis von 176,5 Millionen Euro zu Buche. Der PE-Investor übernahm Orizon damals vollständig von der GL Aktiengesellschaft, die 71,5 Prozent gehalten hatte, sowie von weiteren Aktionären, auf die sich die übrigen 28,5 Prozent der Anteile verteilten. Silverfleet wollte damals eine Buy-and-Build-Strategie umsetzen und ergänzte Orizon kurz darauf unter anderem durch die Übernahmen von SIR und Jobs-in-Time.

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Silverfleet musste Orizon restrukturieren

Finanziell geriet Orizon allerdings schon bald in schwieriges Fahrwasser. 2009 wurde im Rahmen einer Restrukturierung ein Debt-for-Hybrid-Swap umgesetzt. Das Gesamtvolumen der Restrukturierung lag bei 237,5 Millionen Euro, davon entfielen 180 Millionen Euro auf ein vorrangiges Darlehen, das ein Bankenkonsortium bewilligt hatte, 45 Millionen Euro Mezzanine-Kapital erhielten die Augsburger von der Londoner GSC Group. Eigentümer Silverfleet gewährte einen neuen Super-Senior-Kredit.

Dass Silverfleet nun einen Verkaufspreis deutlich unter dem Einstiegspreis akzeptiert hat, könnte mit der Finanzstruktur von Orizon zusammenhängen. Wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat, wären wohl Teile der Orizon-Finanzierung zum Jahresende ausgelaufen. Silverfleet wollte dies nicht kommentieren.

Outsourcing zahlt 5x Ebitda für Orizon

Der neue Eigentümer Outsourcing zahlt die Übernahme dem Vernehmen nach aus bestehenden Kreditlinien und will Orizon in die eigene Unternehmensstruktur integrieren. Die Japaner dürften die Mittel haben, Orizon zu refinanzieren. Outsourcing ist derzeit in Europa auf Expansionskurs. Auch japanische Wettbewerber kaufen derzeit in Europa zu: Die japanische Personalfirma Recruit kaufte unlängst für 1,6 Milliarden Euro den Dienstleister USG in den Niederlanden. Bei beiden Transaktionen war Nomura als Finanzberater für die Käufer tätig.

Der jüngste Zukauf von Orizon war für Outsourcing vergleichsweise günstig: Orizon meldete für das Geschäftsjahr 2014, das jüngste für das ein Bericht im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, ein um Sonderaufwendungen bereinigtes Ebitda von 13,9 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2015 soll dieser Wert Unternehmenskennern zufolge bei rund 15 Millionen Euro gelegen haben. Damit läge der Akquisitionspreis bei dem Fünffachen des Ebtida. Das Closing der Transaktion wird Marktkreisen zufolge im Frühjahr 2017 erwartet.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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