Strategie & Effizienz
07.07.14

Wild Flavors an US-Strategen verkauft

Wild Flavors: Hans-Peter Wild und KKR verkaufen an ADM

Von Marc-Christian Ollrog

Der Aromenhersteller Wild Flavors geht für einen Kaufpreis von 2,3 Milliarden Euro an den US-Nahrungsmittelkonzern Archer Daniels Midland (ADM). Finanzchef Christoph Schmitz hatte eigentlich auf einen Börsengang gehofft. Es ist die bislang größte Private Equity-Transaktion des Jahres im deutschsprachigen Raum und eine der teuersten.

Wild Flavors

ADM lässt sich Wild Flavors schmecken: PE-Investor KKR und Hans-Peter Wild erzielen ein Enterprise Value von 2,3 Milliarden Euro.

Der Unternehmer Hans-Peter Wild und der PE-Investor KKR beenden ihre Partnerschaft auf Zeit nach vier Jahren und verkaufen den im Schweizer Zug ansässigen Aromenhersteller Wild Flavors für 2,3 Milliarden Euro an den US-Strategen ADM, davon 2,2 Milliarden Euro in bar und 0,1 Milliarden Euro für die Nettofinanzverschuldung des Konzerns. Dies entspricht 14,1 Mal dem für das Jahr 2015 erwarteten Ebitda. KKR erzielte dabei ein Money Multiple von über 3 Mal und eine IRR von 30 Prozent, wie FINANCE aus Marktkreisen erfuhr. Dem PE-Investor flossen aus dem Exit 770 Millionen Euro zu. Barclays hat ADM als Financial Advisor beraten. Es ist der bisher größte Exit eines Private Equity-Unternehmens in der DACH-Region im laufenden Jahr.

Wild Flavors rechnet im Geschäftsjahr 2014 mit Umsatzerlösen von rund 1 Milliarde Euro, nach knapp 900 Millionen Euro 2013. Der Branchendienst Leffingwells führt Wild Flavors als globale Nummer sechs des Aromengeschäfts. ADM zählt zu den Riesen der Branche: 2013 erzielte der Konzern mit dem Handel, dem Transport und der Verarbeitung von Mais, Weizen, Ölsaaten und Kakao Umsatzerlöse in Höhe von 90 Milliarden US-Dollar. Im Stammgeschäft der jetzt zugekauften Wild Flavors gehört ADM, das sich im Bieterprozess offenbar gegen den japanischen Konzern Ajinomoto durchsetzte, indes nicht zur Weltpsitze. Gemeinsam kommen ADM und Wild Flavors im Geschäft mit Duft- und Geschmacksstoffen auf Umsatzerlöse von rund 1,8 Milliarden Euro.

ADM-CEO Patricia Woertz sagte, Wild Flavors werde ADM dabei helfen, den veränderten Kundenerwartungen gerecht zu werden. Natürliche Geschmacks- und Inhaltsstoffe seien einer der am stärksten wachsenden Marktbereiche. Wild Flavors, das etwa im Bereich Säfte und Minzaromen stark ist, soll ADMs Marktposition im Geschäft mit Geschmacks- und Spezialingredienzen verstärken.

Durch diesen Sektor rollt gerade eine Konsolidierungswelle: Der deutsche Anbieter Symrise hatte unlängst die französische Diana-Gruppe von PE-Investor Ardian übernommen und dafür rund 1,3 Milliarden Euro hingeblättert.

Wild Flavors: Partnerschaft zwischen Mittelstand und Private Equity

Wild Flavors-CFO Christoph Schmitz

Der Markenname Wild Flavors soll erhalten bleiben, was dem bisherigen Familieneigentümer Hans-Peter Wild wichtig sein dürfte. Ab dem dritten Jahr erwartet ADM Kosten- und Erlössynergien von rund 100 Millionen Euro.

Johannes Huth, Europachef des PE-Investors KKR, sprach von einer „maßgeschneiderten Partnerschaft für das Familienunternehmen“. Unter der Ägide von KKR, der sich 2010 mit einer Minderheitsposition von 35 Prozent über eine reine Kapitalerhöhung beteiligt hatte, und Hans-Peter Wild war aus Wild Flavors im Zuge mehrerer Zukäufe ein globaler Anbieter von Aromasystemen geworden.


In den Jahren 2011 bis 2013 setzte Wild Flavors mit A.M. Todd, Cargill und Amazon Flavors drei größere Add-On-Akquisitionen um, unter anderem in den Emerging Markets. Diese wurden aus dem Cashflow finanziert, wie FINANCE erfuhr. Ungewöhnlich für ein Projekt mit Private-Equity-Hintergrund: Fremdfinanzierungen spielten beim schnellen Aufbau des Unternehmens nur eine untergeordnete Rolle. Finanzchef Christoph Schmitz, den KKR und Wild 2010 gemeinsam als CFO verpflichteten, zog professionelle Strukturen im Finanzbereich ein und sicherte die Konzernfinanzierung über einen syndizierten Kredit, einen Schuldschein und eine Privatplatzierung in den USA im Frühjahr.

An letztere, die ein Nachweis der Kapitalmarktfähigkeit war, sollte sich eigentlich ein Exit über einen Börsengang anschließen, wie Schmitz im Herbst 2013 berichtete. Doch durch die hohe Bereitschaft der Konzerne, am M&A-Markt aktuell hohe Bewertungen zu bezahlen, trat die Börsenoption in den vergangenen Monaten in den Hintergrund.

ADM teilte in einer Investorenpräsentation mit, dass das Wild Flavors-Management an Bord bleiben soll und in den neuen ADM-Bereichsvorstand einziehen. Hans-Peter Wild soll im neu gegründeten Beirat der Gruppe vertreten sein.


marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de