Strategie & Effizienz
21.06.17

Krisenairline sieht „gute Fortschritte“ bei Restrukturierung

Air Berlin will doch keine Staatsbürgschaft

Von Antonia Kögler

Die hochverschuldete Fluggesellschaft Air Berlin will nun doch keine Hilfe von der öffentlichen Hand. Eine zuvor geprüfte Staatsbürgschaft sei schlicht nicht mehr nötig, heißt es.

Jetzt also doch nicht: Die Fluggesellschaft Air Berlin will keinen Antrag auf Staatsbürgschaften stellen.

Andreas Wiese / Air Berlin

Jetzt also doch nicht: Die Fluggesellschaft Air Berlin will keinen Antrag auf Staatsbürgschaften stellen.

Air Berlin will vorerst keinen Antrag auf staatliche Bürgschaften stellen. Eine Absicherung von Krediten durch die öffentliche Hand sei nicht mehr nötig, teilt Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Als Begründung führte der Air-Berlin-Chef an, dass die Gesellschaft bei der Restrukturierung gute Fortschritte mache.

Konkret habe die Gesellschaft die Leasing-Konditionen für 14 Flugzeuge neu verhandelt und ebenfalls nicht näher spezifizierte Nachverhandlungen mit Vertriebspartnern abgeschlossen. Dadurch entstehe eine Entlastung um rund 50 Millionen Euro, heißt es in einem Bericht des „Tagesspiegels“. Zudem sei die Bürofläche in der Zentrale um eine Drittel reduziert worden.

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Air Berlin nach geplatztem Joint Venture mit Tui unter Druck

Erst zu Beginn dieses Monats war bekannt geworden, dass die Airline die Möglichkeit von staatlicher Unterstützung prüfen ließ. Die Fluggesellschaft hatte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf die Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt. Diese Option soll nun nicht weiter verfolgt werden.

Die Lage bei Air Berlin bleibt allerdings angespannt: Die Gespräche über eine Kooperation zwischen Air-Berlin-Großaktionär Etihad und dem Reisekonzern Tui sind gescheitert. Die arabische Fluggesellschaft wollte den Ferienflieger Nikki, eine Air-Berlin-Tochter, in ein Joint Venture mit dem Reisekonzern einbringen und hatte dafür bereits die Anteile an der Fluggesellschaft von Air Berlin abgekauft. Der Kaufpreis von 300 Millionen Euro ist bereits an Air Berlin geflossen. Das Scheitern der Gespräche wirft die Frage auf, ob die finanziell angeschlagene Airline das Geld nun zurückzahlen muss.

Air Berlin sucht neuen Partner

Auch wenn die hochverschuldete Fluggesellschaft nach eigener Einschätzung derzeit nicht auf eine staatliche Bürgschaft angewiesen ist – sie muss noch in diesem Jahr einen neuen Investor finden, betonte Air-Berlin-Chef Winkelmann jüngst in einem Interview. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Fluggesellschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Verlust eingefahren. Als ein möglicher Partner wird die Lufthansa gehandelt.

Bis zum Herbst 2018 kann Air Berlin noch auf die Unterstützung des Großaktionärs Etihad zählen, der den Berlinern schon häufiger unter die Arme griff. Bis dahin hat Etihad zugesichert, den finanziellen Verpflichtungen der Berliner nachzukommen. Die langfristige Perspektive ist aber weiterhin ungewiss.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Schwer angeschlagen und am Tropf von Großaktionär Etihad: Alles Wichtige zur Finanzlage von Deutschlands zweitgrößter Airline finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Air Berlin.