Strategie & Effizienz
04.07.17

Hybridanleihe mit Mini-Zins

CFO des Monats: Ute Wolf

Von Desirée Backhaus

Evonik ist auf Shopping-Tour. Den jüngsten M&A-Deal hat CFO Ute Wolf jetzt mit einer Hybridanleihe finanziert – und bei dieser Premiere für den Spezialchemiekonzern Rekord-Konditionen erzielt.

Evonik

Beweist mit ihren Kapitalmarkttransaktionen ein gutes Gespür für Timing: Evonik-CFO Ute Wolf.

Wer wie Ute Wolf bei einem Debüt gleich einen Rekord hinlegt, hat vieles richtig gemacht: Die Evonik-Finanzchefin platzierte erstmals in der Firmengeschichte eine Hybridanleihe. Für die 500 Millionen Euro, die die Ratingagenturen zur Hälfte dem Eigenkapital des Spezialchemiekonzerns anrechnen, zahlen die Essener gerade einmal 2,125 Prozent. Nach Unternehmensangaben ist es der bisher niedrigste Kupon, den eine Euro-Hybridanleihe eines Industriekonzerns jemals erzielt hat.

CFO Ute Wolf drückt Finanzierungskosten

Mit der Transaktion stellt Finanzchefin Wolf erneut ihr Gespür für das richtige Timing unter Beweis: Als sich Evonik im vergangenen September als erstes deutsches Unternehmen nach der Sommerpause an den Anleihemarkt wagte, sammelte die Mathematikerin 1,9 Milliarden Euro ein. Die mit viereinhalb Jahren Laufzeit kürzeste Tranche über 650-Millionen-Euro konnte der MDax-Konzern ohne Kupon platzieren. Die Begebung einer solchen Nullzinsanleihe ist trotz des aktuellen Niedrigzinsumfelds noch nicht vielen Unternehmen gelungen.

Die Essener haben es daher auch der geschickten Finanzierungsstrategie ihrer Finanzchefin zu verdanken, dass sich Evonik seine ambitionierten Wachstumspläne leisten kann: Mit der 1,9-Milliarden-Euro-Anleihe finanziert die 49-Jährige die Übernahme des Spezialadditiv-Geschäfts von Air Products – mit 3,8 Milliarden US-Dollar der größte M&A-Deal in der Konzerngeschichte. Die Mittel aus der jetzt platzierten Hybridanleihe braucht Evonik für den geplanten Zukauf des Silica-Geschäfts des US-Unternehmens JM Huber, der vor wenigen Tagen von den Kartellbehörden genehmigt wurde.

Nach Air Products und JM Huber: Evonik will weiter zukaufen

Dieser Deal dürfte noch nicht das Ende sein, im Gegenteil: Die vor gut einem Jahr eingeläutete Shopping-Tour soll weitergehen. Wolf, der neue Evonik-CEO Christian Kullmann und auch Aufsichtsratschef Werner Müller haben angekündigt, dass Evonik gerne weiter zukaufen möchte. Auch größere Übernahmen seien denkbar – obwohl sich die einst komfortable Nettovermögensposition in eine Nettofinanzverschuldung von 2,3 Milliarden Euro (Stand Ende März 2017) verkehrt hat.

Umso mehr muss die seit knapp vier Jahren amtierende Finanzchefin die Bilanzkennzahlen im Blick behalten, denn Evonik will sein solides Investmentgrade von BBB+ (S&P) beziehungsweise Baa1 (Moody’s) nicht gefährden. Mit der Hybridanleihe hat sich Wolf etwas Luft verschafft: Weil die Ratingagenturen den Bond zur Hälfte dem Eigenkapital zuschlagen, stärken die Essener mit der Emission ihr Unternehmensrating – und das zu sehr überschaubaren Kosten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Sie ist seit Oktober 2013 CFO von Evonik - alles über den Karriereweg der Mathematikerin erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ute Wolf.

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.