Strategie & Effizienz
02.07.14

Ex-Anzag-Finanzchef Stefan Gros wird CFO und CRO bei Juwi

Krise bei Juwi: Kahlschlag unter neuem CFO

Von Sarah Nitsche

Mit harten Einschnitten will Juwi seine akute Krise bekämpfen. Der Sanierungsplan zeigt: Bei dem Energieunternehmen wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Auch im Management greifen die Gründer durch. CFO Martin Winter hat das Unternehmen bereits verlassen. Er wird durch einen bekannten Sanierer ersetzt.

Restrukturierung: Juwi hat sich einen harten Sparkurs verordnet.

Juwi

Restrukturierung: Juwi hat sich einen harten Sparkurs verordnet.

Windparkprojektierer Juwi steht vor einer hammerharten Sanierung: Bereits in der vergangenen Woche war ein Brief an die Juwi-Mitarbeiter an die Öffentlichkeit gelangt, der auf harte Einschnitte bei dem Projektentwickler hindeutete. Nun hat das Juwi-Management die Details der geplanten Restrukturierung bekannt gegeben: „Eine Zäsur in der bisherigen Unternehmensgeschichte“ nennen die Juwi-Gründer Matthias Willenbacher und Fred Jung den Plan, den sie gemeinsam mit Roland Berger erarbeitet haben.

Das Wörrstädter Unternehmen musste nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr vor allem in seinen Kernmärkten in Europa herbe Einbußen hinnehmen: Der Umsatz sank auf 710 Millionen Euro und lag damit gut 30 Prozent unter dem Wert von 2012. Man habe erkennen müssen, dass auf „vielen unserer Kernmärkte die Einsicht in die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen an Bedeutung stark abgenommen“ habe, erklärten die Juwi-Gründer. Ab sofort möchte Juwi sich daher auf die Bereiche Projektentwicklung und Betriebsführung konzentrieren.

Auf dem Prüfstand stehen offiziellen Informationen zufolge nun diverse Auslandsaktivitäten in Europa und den USA, zudem plant Juwi die Ausgliederung von Nebengeschäften, darunter auch das Vertriebsgeschäft von Juwi-Strom. Infolge des Kahlschlags müssen sich nun bis zu 400 der insgesamt 1.500 Mitarbeiter auf eine betriebsbedingte Kündigung einstellen.

Juwi sucht Investor

Gleichzeitig muss Juwi dringend die Bilanz heilen: Ende 2012 belief sich die Eigenkapitalquote auf nur noch knapp 17 Prozent. Der Wert dürfte sich im vergangenen Jahr eher verschlechtert haben, Zahlen für 2013 hat Juwi allerdings noch nicht vorgelegt. Das angeschlagene Unternehmen verhandelt deshalb nicht nur mit seinen Banken über eine Anpassung der Kreditbedingungen, sondern sucht auch nach einem zusätzlichen Investor.

Man stehe in guten Gesprächen mit potentiellen Kapitalgebern, sagten die Juwi-Chefs Jung und Willenbacher. Verhandlungen mit strategischen Investoren liefen vielversprechender als die Gespräche mit PE-Investoren, hieß es. Juwis Schwesterunternehmen Juwi IPP hatte erst Anfang des Jahres die Gothaer Versicherung als strategischen Partner mit ins Boot geholt.

Die Muttergesellschaft Juwi selbst hatte sich im August vergangenen Jahres mit einem syndizierten Kredit über 252 Millionen Euro neues Fremdkapital beschafft.  Der Kredit hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird Juwi von einem Bankenkonsortium unter Führung von Deutscher Bank, DZ Bank und UniCredit Bank zur Verfügung gestellt.

Sanierer Stefan Gros beerbt Martin Winter als CFO

Stefan Gros

Stefan Gros

Auch in der Juwi-Führungsmannschaft gibt es einen Neuanfang: CFO Martin Winter und COO Jochen Magerfleisch haben das Unternehmen Ende Juni verlassen. Die Hoffnung ruht nun auf dem Restrukturierungsexperten Stefan Gros, der in Personalunion CFO und CRO wird. In Kürze soll zudem Stephan Hansen das Team als neuer COO verstärken.

Mit Gros hat das Unternehmen einen bekannten Sanierer verpflichtet, der als Vertrauensmann der Unternehmensberatung Roland Berger gilt. Unter anderem war der 50-Jährige ab Herbst 2008 CFO des Pharma-Großhändlers Anzag. Er verließ das Frankfurter Unternehmen im Januar 2010, nachdem er die „vereinbarten Ziele vorzeitig erreicht“ hatte, so damals die offizielle Begründung.

2012 hatte Gros interimsweise den CFO-Posten bei Getgoods übernommen, um den Onlinehändler kapitalmarktfähig zu machen. Unter seiner Ägide begab Getgoods eine Mittelstandsanleihe, die später aufgestockt wurde. Mitte 2013 verließ Gros das Unternehmen. Getgoods wurde im November vergangenen Jahres allerdings überraschend zahlungsunfähig.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de