Strategie & Effizienz
07.01.15

Kapitalerhöhung sorgt nur kurz für Euphorie

Kurskapriolen bei der Deutschen Cannabis AG

Von Anna Wulf

Die Neuausrichtung der Private-Equity-Gesellschaft F.A.M.E. als erster europäischer Investor in die Cannabis-Branche kommt gut voran. Nun will sich der Vorstand der Deutschen Cannabis AG mit einer Kapitalerhöhung die nötige Firepower besorgen, um in den USA Beteiligungen einzugehen. Doch wie er an die Gelder herankommen will, ist unklar.

Die geplante Kapitalerhöhung der Deutsche Cannabis AG sorgt für wilde Kursausschläge der Aktie.

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Die geplante Kapitalerhöhung der Deutsche Cannabis AG sorgt für wilde Kursausschläge der Aktie.

Wilde Kursausschläge bei der Deutschen Cannabis AG: Seitdem der Vorstand die Zukunftspläne konkretisiert hat, toben sich die Spekulanten in dem Wert aus – ganz besonders stark in den vergangenen Tagen. Nachdem die Deutsche Cannabis am vergangenen Freitag gemeldet hatte, dass die Namensänderung und der Beschluss zur Kapitalerhöhung ins Handelsregister eingetragen wurden, hatte sich der Aktienkurs vergangene Woche verdoppelt. Im Lauf des gestrigen Montags stieg er zunächst sogar noch weiter an, um dann aber wieder binnen weniger Stunden auf das Niveau vergangener Woche einzubrechen. Damit liegt der Kurs aber immer noch fast doppelt so hoch wie vor dem Beginn der Kurskapriolen vergangene Woche.

Die Pläne von Vorstand Carsten Siegemund sind in Anbetracht der geringen Größen der Firma ehrgeizig: Die Deutsche Cannabis AG will ihr Grundkapital verdreifachen, um die Kriegskasse für künftige Investitionen zu füllen: Bis zu 4,5 Millionen neue Aktien will Siegemund ausgeben, mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von je 1 Euro.

Deutsche Cannabis AG: Gibt es einen Underwriter?

Doch die Transaktion hat nicht nur wegen der hohen Anzahl der neu auszugebenden Aktien Tücken, sondern auch wegen des niedrigen Aktienkurses. Aktuell notiert das Papier bei 0,47 Euro. Der Ausgabepreis der neuen Aktien muss aber mindestens dem Nennwert von 1 Euro entsprechen und übersteigt somit den aktuellen Börsenkurs bei Weitem.

Fraglich ist, wie die Gesellschaft unter dieser Bedingung ihre Kapitalmaßnahme erfolgreich durchführen will und wie sie den hohen Ausgabepreis rechtfertigt. Damit im großen Stil die neuen Aktien zum Doppelten des aktuellen Kurses abgenommen werden, müsste der Vorstand eigentlich schon Großinvestoren oder andere Underwriter für sich gewonnen haben. Doch davon ist noch nichts bekannt.

Zur Frage, wie sie Investoren überzeugen will, hält sich die Deutsche Cannabis AG bedeckt. Der Vorstand rechnet jedoch mit einer Annäherung des Marktes an den Bezugspreis der neuen Aktien. Auf Nachfrage von FINANCE erklärte Siegemund: „Das Interesse von Investoren ist vorhanden, und es finden intensive Gespräche statt.“ Über mögliche Zeichnungszusagen will er unter Verweis auf den laufenden Prozess noch keine Aussage treffen.

Die Hürde für den Abschluss der Kapitalerhöhung liegt allerdings nicht besonders hoch: Nur wenn bis Ende Februar nicht mindestens 250.000 Aktien gezeichnet werden, wäre der Kapitalerhöhungsbeschluss unwirksam. Aber mit einer Viertelmillion Euro wird Siegemund kaum auf große Einkaufstour im US-amerikanischen Cannabis-Business gehen können – außer er rückt ab von Beteiligungsunternehmen und setzt eher auf Naturalien.

anna.wulf[at]finance-magazin.de