Strategie & Effizienz
16.02.17

Bantleon will Vorstand neu besetzen

LPKF Laser bekommt es mit aktivistischem Investor zu tun

Von Desirée Backhaus

LPKF Laser gerät unter Druck: Der Vermögensverwalter und LPKF-Großaktionär Bantleon will Aufsichtsrat und Vorstand neu besetzen. Die Motive des Investors bleiben unklar.

Der Druck auf LPKF-CEO Ingo Bretthauer wächst. Großaktionär Bantleon will Einfluss auf die Vorstandsbesetzung ausüben.

Der norddeutsche Laserspezialist LPKF muss sich mit einem aktivistischen Investor auseinandersetzen: Der Vermögensverwalter Bantleon will Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und des Vorstands nehmen, wie Gründer und Aufsichtsratschef Jörg Bantleon LPKF Laser mitgeteilt hat.

Bantleon war im vergangenen Jahr bei LPKF eingestiegen und hat seinen Anteil seither sukzessive hochgefahren. Seit Mitte Dezember hält der Vermögensverwalter – aufgeteilt auf die Privatperson Jörg Bantleon und die von ihm gegründete Bantleon Bank – mindestens 15 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen. Im Oktober hatte der Investor noch mitgeteilt, nicht an einer Einflussnahme auf das LPKF-Management interessiert zu sein. Diese Aussage hat Bantleon nun revidiert.

Welche Motive der Asset Manager, der bislang nicht als aktivistischer Investor in Erscheinung getreten ist, bei LPKF verfolgt, ist unklar. In der Mitteilung heißt es lediglich, die Investition diene „vorrangig der Umsetzung strategischer Ziele, wobei der Verkauf der Aktien nicht ausgeschlossen ist“. Allerdings prüfe man auch den Erwerb weiterer Stimmrechte, wie der Vermögensverwalter bereits im Oktober erklärte. Daran habe sich nichts geändert, bekräftigt Bantleon heute.

Druck auf LPKF-Vorstand nimmt weiter zu

Mit der Ankündigung wächst der Druck auf den LPKF-Vorstand um CEO Ingo Bretthauer und CFO Kai Bentz. Das Unternehmen aus Garbsen bei Hannover hatte im vergangenen Jahr mehrfach seine Gewinnerwartung korrigieren müssen. Der Grund: Das früher lukrative Geschäft mit Systemen zur Laser-Direktstrukturierung (LDS), die bei der Produktion von Smartphones zum Einsatz kommen, ist nahezu weggebrochen. Im Oktober musste der Laserspezialist hohe Wertberichtigungen auf den einstigen Gewinngaranten vornehmen.

Entsprechend schwach fielen die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 aus, die LPKF gerade vorgelegt hat: Der Konzernumsatz konnte mit einem Wachstum von 5 Prozent auf rund 91 Millionen Euro gerade noch die mehrfach revidierte Prognose halten, die Marge im operativen Geschäft (Ebit-Marge) liegt zwischen 1 und 5 Prozent. Genauere Zahlen legt der Technologiekonzern am 22. März vor.

LPKF-Aktie hat sich in drei Jahren mehr als halbiert

Die enttäuschende Entwicklung der vergangenen Jahre spiegelt auch der Aktienkurs des Laserspezialisten wider: Seit dem Höchststand im Januar 2014, als das Papier bei über 20 Euro notierte, fiel der Kurs gegen den Markttrend auf zuletzt rund 8 Euro.

Mittelfristig setzt der Konzern viel Hoffnung auf das Through-Glass-Via-Verfahren, um wieder Ebit-Margen von mindestens 10 Prozent zu erwirtschaften. Dieses Verfahren ermöglicht Chipherstellern, sehr dünne Glasscheiben mit ultrafeinen Löchern zu versehen. So soll teures Silizium durch günstiges Glas ersetzt werden können. Ob der technologische Durchbruch gelingt, ist laut Branchenexperten aber noch völlig unklar.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Seit 10 Jahren ist Kai Bentz CFO bei LPKF Laser. Erfahren Sie mehr über den Werdegang des Finanzchefs in dem FINANCE-Köpfe-Profil zu Kai Bentz.

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