Strategie & Effizienz
29.06.17

Refinanzierung hängt, Großaktionäre verkaufen

Stühlerücken vor Showdown bei SKW Stahl

Von Michael Hedtstück

Die überlebenswichtige Investorenlösung für SKW Stahl lässt weiter auf sich warten. Die Großaktionäre werden unruhig. Auch die Banken?

Die Erholung des Weltstahlmarktes hilft auch dem Stahlwerkszulieferer SKW aus dem Ertragstal heraus. Reicht der Rückenwind, um neue Geldgeber zu finden?

mady70/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Erholung des Weltstahlmarktes hilft auch dem Stahlwerkszulieferer SKW aus dem Ertragstal heraus. Reicht der Rückenwind, um neue Geldgeber zu finden?

Die Zukunft von SKW Stahl steht auf Messers Schneide. Das Management des Stahlzulieferers arbeitet fieberhaft an einer umfassenden Neufinanzierung. Die für Anfang Juli angesetzte Hauptversammlung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, weil Alleinvorstand Kay Michel den Aktionären dort einen final ausgehandelten Rettungsplan präsentieren will.

Der Nachholtermin dürfte spätestens Ende August sein, erste Details zu einer Finanzierungslösung wären dann in der zweiten Julihälfte zu erwarten, wenn die Aktionäre die HV-Einladung erhalten. Ohne in die Tiefe zu gehen, erklärte ein SKW-Sprecher gegenüber FINANCE: „Der Investorenprozess verläuft vielversprechend.“

SKW Stahl: Kurssturz um ein Drittel

SKW finanziert sich in erster Linie über einen Konsortialkredit mit einem Volumen von bis zu 86 Millionen Euro, bei dem der Konzern schon früh die Covenants brach. Im Dezember erklärten sich die Banken bereit, bis Januar nächsten Jahres stillzuhalten. Die Banken würden außerdem auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, sofern es SKW gelingt, Randbereiche zu verkaufen und in großem Umfang frisches Eigenkapital aufzutreiben.

Die Hoffnung auf ein gutes Ende der jahrelangen Krise hat in den vergangenen Wochen jedoch Dämpfer erlitten. Von Ende Mai bis Mitte Juni baute der private Finanzinvestor Clemens Joos über seine First Holding seine SKW-Beteiligung in mehreren Schritten überraschend von 14 auf unter 3 Prozent ab. Auch der Investor Carsten Würtz, der Anfang Mai 5,2 Prozent der SKW-Aktien erwarb – womöglich aus dem Bestand von Joos – hat die Papiere am Freitag vorletzter Woche wieder komplett verkauft. An diesem Tag wurden an der Börse satte 17 Prozent des SKW-Stammkapitals umgeschlagen.

Die Folgen für den Aktienkurs waren verheerend: Notierte SKW Anfang Juni noch bei 3 Euro, ließen die Verkäufe von Joos und Würtz die Aktie in nur drei Wochen auf 1,90 Euro einbrechen. Seitdem hat das Papier weniger als die Hälfte seiner Verluste wieder aufgeholt. 

Was macht SKW-Großaktionär Olaf Marx?

Der Kursverfall dürfte auch bei dem Münchener Hedgefonds-Manager Olaf Marx Unbehagen ausgelöst haben. Der Turnaround-Spezialist ist schon lange bei SKW investiert und hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere Scharmützel mit Michel geliefert. Nach Ansicht von Marx ist Michel bei der operativen und finanziellen Sanierung zu langsam vorgegangen.

Marx hat seinen Anteil im Mai entgegen dem Trend von 7 auf 10 Prozent aufgestockt. Seinen Verbündeten Joos hat Marx zwar verloren, doch dies hindert ihn nicht daran, Stärke zu demonstrieren. Marx ließ der SKW-Führung mitteilen, dass er mit seiner Anteilsaufstockung strategische Ziele verfolgt und seine Beteiligung weiter aufstocken will, um Einfluss auf die Besetzung der Führungsgremien von SKW sowie die Kapitalstruktur des Konzerns zu nehmen.

Damit positioniert sich Marx an einem heiklen Punkt – den laufenden Finanzierungsverhandlungen. Ob er jedoch ein eigenes Angebot für eine Eigenkapitalspritze vorgelegt hat oder das noch tun wird, ist unklar. Marx ließ eine FINANCE-Anfrage zu diesem Thema unbeantwortet. Im November hatte Marx schon einmal ein Finanzierungskonzept vorgelegt, das eine Eigenkapitalspritze über 20 Millionen Euro vorsah, bei der SKW-Führung aber auf wenig Gegenliebe stieß.

Michel ließ über einen Unternehmenssprecher lediglich mitteilen, dass „der Vorstand mit allen Beteiligten spricht, die einen Beitrag zur bilanziellen Restrukturierung leisten wollen“. Als größter Aktionär könnte Marx Teil der Lösung, aber auch Teil des Problems werden, etwa indem er sich gegen einen von Michel präferierten Investor stellt.  

Wie der Investorenprozess bei SKW noch ausgehen könnte

Immerhin arbeitet sich SKW trotz der unklaren Zukunftsperspektiven langsam aus dem tiefen Ertragstal heraus – vor allem dank der Hilfe des Kostensenkungsprogramms „Remake“, das die Ertragslage nach Unternehmensangaben inzwischen schon um fast 20 Millionen Euro entlastet hat. Ohne Remake wäre SKW wohl schon längst untergegangen.

Im ersten Quartal stiegen Umsatz und operativer Gewinn (Ebitda) auf 64,5 beziehungsweise 3,4 Millionen Euro leicht an. Im Vorjahr waren Umsatz und Gewinn noch zurückgegangen. Michel sieht gute Chancen, die Ebitda-Guidance für das Gesamtjahr von 9 Millionen deutlich übertreffen zu können. Für 2019 stellt der SKW-Chef 15 Millionen Euro in Aussicht.

Verstärkt sich die Erholungstendenz, könnte dies unter Umständen sogar noch eine andere, bislang nicht öffentlich diskutierte Lösung möglich machen – den Komplettverkauf von SKW Stahl, ausgelöst durch die Banken. Der Börsenwert von SKW beträgt rund 14 Millionen Euro, zusammen mit der Nettofinanzverschuldung von 71,5 und den Pensionsrückstellungen von 10 Millionen Euro ergibt sich ein Unternehmenswert von knapp unter 100 Millionen Euro.

Gemessen am aktuellen Ebitda von rund 10 Millionen Euro erscheint es zwar illusorisch, dass sich dieser Wert am M&A-Markt realisieren ließe. Aber einen Teil ihrer Forderungen gegenüber SKW müssen die Banken ohnehin abschreiben, dies wäre in einer M&A-Lösung nicht anders als bei einer großen Kapitalerhöhung. Die nächsten Wochen werden Klarheit bringen.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Verfolgen Sie die Hintergründe und neuen Entwicklungen in der Finanzierungskrise des Stahlzulieferers auf unserer Themenseite zu SKW Stahl.