Das Vertrauen der Kreditversicherer in den Handelskonzern Galeria Kaufhof hat bereits stark gelitten. Ziehen jetzt die Banken nach?

Galeria Kaufhof

31.07.17
Wirtschaft

Kaufhof droht Ärger mit Banken

Die Kaufhof-Mutter HBC könnte Medienberichten zufolge die Covenants eines milliardenschweren Kredits reißen. Für den Kölner Handelskonzern kommt diese Nachricht zur Unzeit.

Die Lage bei Galeria Kaufhof spitzt sich zu. Nachdem vor wenigen Tagen bereits der Kreditversicherer Euler Hermes die Kreditlimits für Kaufhof-Lieferanten stark reduziert hatte, könnten nun auch die finanzierenden Banken ihr Engagement beim Kölner Handelskonzern überdenken. 

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am heutigen Montag berichtet, droht die kanadische Galeria-Mutter Hudson Bay’s Company (HBC), die Kreditklauseln (Covenants) eines Immobiliendarlehens zu reißen. Damit hätten die Banken die Möglichkeit, den Kreditvertrag zu kündigen. Das würde auch den Kölner Handelskonzern empfindlich treffen, der die Immobilien von HBC angemietet hat.

Ein vierköpfiges Konsortium um die drei Landesbanken LBBW, Helaba und HSH Nordbank sowie Ergo Versicherung hat HBC vor zwei Jahren über ein 1,34 Milliarden Euro schweres Darlehen die Übernahme mehrerer Kaufhof-Immobilien finanziert. Laut „SZ“ überprüfen die Banken zweimal im Jahr, ob die Kanadier ihre im Kreditvertrag gemachten Zusagen einhalten. Einer dieser Stichtage ist heute.

Kaufhof verstößt gegen zwei Zusagen aus dem Kreditvertrag

Gegen zwei wesentliche Covenants könnte HBC dem Bericht zufolge verstoßen: Zum einen hätten die Kanadier den Banken vor zwei Jahren Gewinne bei Galeria Kaufhof versprochen. Doch die Handelskette schreibt seit langem rote Zahlen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres soll sich der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 47 Millionen Euro belaufen haben, schreibt die „SZ“.

Zum anderen bereite den Banken laut des Zeitungsberichts das Verhältnis „einzelner Ladenmieten zum operativen Geschäft“ Sorgen. Die Einhaltung der Kennzahl sei wegen steigender Mieten, die Galeria an die kanadische Mutter bezahlen muss, und den parallel steigenden Verlusten „stark gefährdet“.

HBC sieht dagegen keinen Grund zur Beunruhigung. Man habe alle Daten an die Banken bereits überliefert und sei zuversichtlich, die Auflagen ohne Grund für irgendeine Beanstandung zu erfüllen, hieß es von Seiten der Kanadier.

Implodiert Galeria Kaufhofs Finanzierungsmodell?

Die Mieten könnten für Galeria und HBC ein noch viel größeres Problem werden. Laut „SZ“ hätten die Kanadier im Jahr 2015 nach der Galeria-Übernahme von Metro die Mieten für Galeria erhöht, der Tochter im Gegenzug aber „keine adäquate Gegenleistung“ geliefert. Die deutschen Banken müssten deshalb befürchten, zu hohe Kredite gewährt zu haben. Die These: HBC habe die Mieten künstlich erhöht, um dadurch den Immobilienwert aufzublähen und höhere Kredite zu erhalten. 

Laut eines Berichts des „Manager Magazins“ könnte die Mietproblematik sogar das gesamte Finanzierungsmodell von Galeria implodieren lassen. Da die Mietlasten durch das verlustige Galeria Kaufhof kaum noch zu stemmen sind, sollen sich die Kanadier nach Alternativen umsehen. Das „Manager Magazin“ hält auch Notverkäufe einzelner Immobilien für möglich. Das Dilemma: Der Wert der Immobilien wird zu einem Großteil von der Bonität des Mieters mitbestimmt. Und hier schließt sich der Kreis, denn der Einschnitt von Euler Hermes in Verbindung mit den schwachen Geschäftszahlen von Galeria drücken auf die Bonität und damit auf den Immobilienpreis.

Sollten die Banken wirklich zur Ultima-Ratio greifen und das Darlehen kündigen, scheint es zumindest fraglich, ob das Darlehen zurückgeführt werden kann. Laut des „Manager Magazins“ verfügt HBC zwar über globale Kreditlinien im Wert von 2,25 Milliarden US-Dollar. Davon könnten jedoch nur rund 300 Millionen Euro für Galeria Kaufhof verwendet werden. Zudem sei von den 300 Millionen Euro schweren Linie bereits Ende April rund die Hälfte gezogen worden.