Wenige Unternehmen haben in Deutschland derzeit leere Taschen - ein Problem für Sanierer und Distressed-Fonds.

Kenishirotie/iStock/Thinkstock/Getty Images

15.09.17
Wirtschaft

Wann endet die Krise der Restrukturierer?

Firmenschieflagen sind Mangelware im Deutschland des Jahres 2017. So gehen Distressed-Investoren und Berater mit der Lage um.

Mehrere Großinsolvenzen haben in den vergangenen Wochen von sich reden gemacht. Beispiel Air Berlin: Die Airline, die seit Jahren rote Zahlen schrieb, ist seit kurzem pleite. Nun ringen verschiedene Bieter darum, wer Air Berlin – in Teilen oder als Ganzes – übernehmen darf. Ein weiterer Fall ist Solarworld: Der Solarmodulhersteller kämpfte jahrelang gegen die Zahlungsunfähigkeit und hat bereits einen Schuldenschnitt hinter sich. Im Mai musste das Unternehmen schließlich die Notbremse ziehen.

Aktuell kämpfen die Warenhauskette Galeria Kaufhof und ihr Eigentümer Hudson Bay um die Zukunft. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Galeria Kaufhof die hohen Mietkosten schultern kann – und ob deren Eigentümer sich mit den kreditgebenden Banken einig wird.

Diese akuten Krisen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzzahlen in Deutschland 2016 auf ein historisches Tief gesunken sind. 2017 präsentiert sich bisher wenig anders. Banken müssen derzeit kaum Risikovorsorge für Abschreibungen treffen, ihre Work-out-Abteilungen bauen seit längerem selbst Personal ab. Eine denkbar schlechte Phase für Restrukturierer: Gute Finanzierungskonditionen selbst für heikle Kreditnehmer, rückläufige Insolvenzen und wenige Neufälle bringen sowohl die Berater als auch Insolvenzverwalter in die Bredouille.

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Anlageüberhang bei Distressed Assets

Direkt betroffen von der Flaute sind auch die Distressed-Investoren. Während viel Kapital sowohl in Distressed-Equity- als auch in NPLs-Fonds fließt, bleiben geeignete Targets hierzulande Mangelware. Ein Schlaglicht darauf wirft ein aktueller Report von Oliver Wyman. Dieser zählt Deutschland zu den sogenannten „Low-NPL-Countries“. Der Anteil der notleidenden Kredite liegt im Vergleich zu der Höhe der ausgereichten Bruttodarlehen bei geringen 2,6 Prozent. Kein Wunder, dass viele Investoren ihr Heil inzwischen außerhalb Deutschlands suchen, in den sogenannten „High-NPL-Countries“. Italien, Griechenland, Spanien und Portugal winken mit NPL-Quoten von 6 Prozent (Spanien) bis fast 47 Prozent (Griechenland).

Hinzu kommt: Viele Banken bringen ihre schlechten Forderungen nicht mehr an den Markt, sondern kümmern sich vorwiegend selbst darum. Wie Investoren darauf reagieren, diskutieren im November auf der 12. Deutsche Distressed-Assets-Konferenz (DAK) prominente Branchenvertreter: Henrik Fastrich (Orlando Management AG), Oskar von Kretschmann (HSBC Trinkaus & Burkhardt AG) sowie Dirk Markus (Aurelius).

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Rechtliche Fragen dominieren bei Distressed Assets

Wie kein anderes Thema beherrschen rechtliche Fragen den Kauf und Verkauf von NPLs und angeschlagenen Unternehmen. Das Umfeld ist insbesondere seit dem Inkrafttreten der neuen Insolvenzordnung ESUG im März 2012 im Umbruch – fünfeinhalb Jahre später werden viele dieser Regelungen kritisch hinterfragt. Ganz besonders gespannt verfolgen Branchenbeobachter derzeit die Gesetzgebung im Bereich der vorinsolvenzlichen Sanierung. Gelingt es der EU, eine Alternative zum häufig gewählten Scheme-of-Arrangement-Verfahren zu kreieren? Das wäre angesichts des nahenden Austritts der Briten aus der Europäischen Union sicherlich wünschenswert.
   
Es gibt weitere Themen: Wie wirkt sich das neue Konzerninsolvenzrecht aus? Wie gehen europäische Konzerngesellschaften mit dem Chapter-11-Verfahren der US-Mutter um? Viele praktische Einsichten geben bei der DAK Rechtsexperten und CFOs wie Alexander Amend, der über den Neustart von René Lezard aus der Insolvenz berichtet.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Praxisvorträge, Diskussionen und Networking – das Programm der 12. Deutschen Distressed-Assets-Konferenz (DAK) finden Sie hier.