Die deutschen Banken befürchten eine Abstufung durch S&P

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04.07.14
Banking & Berater

Bankenabwicklungsgesetz alarmiert deutsche Banken

Die Ratingagentur Standard & Poor’s warnt die Banken abermals vor den Folgen des kommenden Gesetzes zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen (BRRD), das im April vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Deutsche Geldinstitute müssen schlechtere Ratings fürchten.

Nach der Ratingabstufung für 15 europäische Banken vor dem Hintergrund des 2016 in Kraft tretenden Gesetzes zur Bankenabwicklung, hat die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) jetzt verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich die Ratings verändern könnten.

Das Gesetz sieht vor, dass künftig nicht mehr die jeweiligen Staaten für die Pleite einer systemisch wichtigen Bank bürgen. Stattdessen müssten im Notfall die Anteilseigner und die Gläubiger das strauchelnde Institut rekapitalisieren.

Rating: Deutsche Banken unter Abstufungsdruck

S&P wird das neue Regelwerk in seine Ratingsystematik übernehmen: Die Ratingagentur gibt in einer Pressemitteilung an, dass der Beistand der Bundesregierung von „unterstützend“ auf „Unterstützung unsicher“ herabgesetzt wird. Mit dieser Änderung würde die gesunkene Wahrscheinlichkeit bewertet, ob die Bundesregierung den Banken im Notfall beistände. Noch erhalten systemisch wichtige Banken ein bis zwei Stufen bessere Ratings als ohne den sogenannten „Government Support“.

So hat die Deutsche Bank ein Stand Alone Credit Profile (SACP) von BBB+, mit dem „Support“ wird sie hingegen mit einem zwei Stufen höheren A bewertet.

Es muss jedoch nicht zwangsläufig zur Ratingherabstufung kommen, sofern sich andere Ratingparameter ändern: Denkbar ist auch eine Reklassifizierung der Banken von einer hohen systemischen Relevanz zu einer geringeren Stufe. Dadurch könnte es zu einer weniger drastischen Herabstufung kommen.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Ratingagentur ihre Meinung nicht ändert. Dies kann der Fall sein, wenn die Regierung den Banken für den denkbaren Ernstfall auch weiterhin Rückendeckung zusichert. S&P deutet jedoch an, dass dies als unwahrscheinlich eingeschätzt wird.

Die Deutsche Bank und die Deutsche Pfandbriefbank sind die ersten Leidtragenden. So wurden die Langzeitprognosen beider Banken von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Der Anteil der 35 von S&P bewerteten deutschen Geldinstitute mit negativem Ausblick hat sich in den letzten sechs Monaten somit von 23 auf 31 Prozent erhöht. Die Quote der stabil bewerteten Banken sank von 66 auf 60 Prozent.

Europaweit stehen die deutschen Banken damit immer noch vergleichsweise gut da: 82 Prozent der Top 50 Banken in der EU haben mittlerweile eine negative Prognose. Vor sechs Monaten waren es noch 66 Prozent.

Eigenkapitalstärkung als Ausweg

Auch aus eigener Kraft haben Banken es in der Hand, die Herabstufung im Jahr 2016 zu verhindern – oder zumindest abzuschwächen. Die Deutsche Bank hat bereits eine Eigenkapitalerhöhung in Höhe von 8 Milliarden Euro durchgeführt.  Auch die anderen deutschen Banken zeigen sich bemüht, die Kernkapitalquote (Tier 1) zu erhöhen.

Die meisten deutschen Institute wappnen sich bereits für den kommenden Stresstest. Bestandteil des Testszenarios ist der Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7 Prozent bis 2016, sowie das Zusammenbrechen des Aktien- und Immobilienmarktes. Nach diesem EZB-Stresstest muss die harte Kernkapitalquote immer noch über 5,5 Prozent liegen.

Wenn die Banken dieses Test-Szenario schadlos überstehen, könnte sich auch das Kreditrating festigen. CFOs und Finanzabteilungen werden sich die Ratingentwicklung ihrer Banken jedenfalls im Hinblick auf das Kontrahentenrisiko wachsam anschauen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de