Helmut Stettin

07.03.16
Banking & Berater

Barclays: Deutschland bleibt von Sparkurs verschont

Barclays zieht sich aus Afrika zurück und kürzt im Investmentbanking. Für das deutsche Firmenkundengeschäft habe das aber keine Konsequenzen, versichert Deutschland-Chef Alexander Doll.

Der neue Barclays-Chef Jes Staley streicht das skandalgeplagte Investmentbanking und das internationale Netzwerk der Bank radikal zusammen. Die Bank soll auf das britische Privatkundengeschäft und ein transatlantisch geprägtes Investmentbanking- und Firmenkundengeschäft konzentriert werden.

Der deutsche Markt soll von den Kürzungen aber verschont bleiben, erklärt Deutschland-Chef Alexander Doll auf Anfrage von FINANCE: „Wir wollen unseren erfolgreichen Kurs in Deutschland fortsetzen und investieren weiterhin in wachstumsstarke und profitable Geschäftsbereiche.“ Barclays Deutschland beschäftigt derzeit etwa 750 Mitarbeiter, davon 190 in den Bereichen Corporate und Investment Banking in Frankfurt.

Barclays-CEO Jes Staley will „transatlantische Bank“

Deutschland bleibt nach Aussage von Doll auch nach der geplanten Neuausrichtung der Gesamtbank ein Kernmarkt für Barclays. Der seit Ende letzten Jahres amtierende Gruppen-CEO Staley will aus Barclays ein schlagkräftiges, transatlantisches Institut machen, wie er bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2015 in der vergangenen Woche erklärte. Im vergangenen Jahr stieg der Nettoverlust auf 394 Millionen Pfund, nachdem die Bank im Jahr davor 174 Millionen Pfund verloren hatte.

Vor allem in Asien und Afrika stehen die Zeichen nun auf Rückzug. So wird die britische Großbank ihren 62-Prozent-Anteil an der Barclays Africa Group in den kommenden zwei bis drei Jahren auf einen Minderheitsanteil herunterfahren. Das Afrika-Geschäft der Bank leidet unter der Schwäche afrikanischer Währungen, die im Sog des Rohstoffpreisverfalls stark an Wert gegenüber dem britischen Pfund – der Barclays-Bilanzwährung – eingebüßt haben.

Deutschland-Chef Doll: Keine Nachteile für deutsche Kunden in Afrika

Deutschland-Chef Doll zufolge reagiert Barclays mit der Reduzierung des Afrika-Anteils aber auch auf strengere regulatorische Anforderungen in der EU, wo höhere Kapital- und Liquiditätspuffer zur Risikoabsicherung verlangt werden. Barclays verfolgt das Ziel, die Afrika-Sparte nicht mehr voll konsolidieren zu müssen. Zwei Milliarden Euro will die Bank dadurch einsparen und die Kernkapitalquote CET1 verbessern, die aktuell bei 11,4 Prozent liegt.

„An unserer Präsenz in Afrika sowie unserem Angebotsspektrum für unsere Kunden ändert sich nichts“, versichert der Deutschland-Chef. Es ist ein Versprechen an all jene deutschen CFOs, die Barclays auch wegen des Netzwerks auf dem Kontinent als Bankpartner gewählt haben.

Aus neun anderen Ländern zieht sich Barclays derweil komplett zurück. Das trifft vor allem Asien: Mit Russland, Südkorea, Taiwan, Malaysia, Indonesien, Thailand und den Philippinen stehen gleich sieben Länder dieses Kontinents auf der Streichliste im Investmentbanking. Auch aus Australien und Brasilien verabschiedet sich die Bank. 1.200 Mitarbeiter sollen insgesamt aus der Bank ausscheiden.

Deutsche CFOs dürften bei diesen Plänen hellhörig werden, reiht Barclays sich doch in einen aktuellen Trend ein. Auch die Deutsche Bank stutzt das Investmentbanking. Die Royal Bank of Scotland (RBS) kündigte im vergangenen Jahr gar an, sich im Transaction Banking, das Cash Management, Zahlungsverkehr und Trade Finance umfasst, auf seine Heimatmärkte Großbritannien und Irland zurückzuziehen. Diverse deutsche Unternehmen müssen sich auf Grund des Schrumpfkurses zahlreicher Institute neue Banken suchen.

Barclays rief 2014 deutsche Firmenkundenoffensive aus

Barclays ist hierzulande durchaus ein relevanter Player: Der deutsche Markt ist nach dem Heimatmarkt und den USA der drittgrößte Einzelmarkt für die Briten, wie Doll vor zwei Jahren gegenüber FINANCE erklärte. Das dürfte allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil auf das schnell wachsende und hochmargige Kreditkartengeschäft zurückzuführen sein. Mit Barclaycard sind die Briten hierzulande stark vertreten.

Im Debt-Capital-Markets-Bereich ist Barclays in der DACH-Region ebenfalls gut etabliert: Dealogic-Daten zufolge begleitete die Bank im vergangenen Jahr 23 Anleihetransaktionen über insgesamt knapp 7 Milliarden Euro. Damit lagen die Briten in den DCM-League Tables in der DACH-Region nur knapp hinter der Deutschen Bank auf Rang 2. Deutlich schwächer ist die Marktstellung der Briten im ECM-Geschäft.

Das Corporate Banking mit deutschen Kunden rückte erst vor wenigen Jahren richtig in den Blickpunkt. Der deutsche Firmenkundenchef Ralf Goehringer kündigte im Frühjahr 2014 im Interview mit FINANCE an, das Geschäft ausbauen zu wollen. 

Neben den Dax-30-Unternehmen ziele man auch auf den großen Mittelstand ab etwa 1 Milliarde Euro Umsatz aufwärts. Damit setzte Barclays von Anfang an nur auf einen kleinen, aber erlesenen Teil des deutschen Marktes für Firmenkundengeschäft: „Letztlich sind wir in dem in Frage kommenden Universum auf 100 bis 110 Unternehmen gekommen“, erklärte Goehringer. Wie viele deutsche Firmenkunden Barclays jetzt hat, dazu wollte sich das Haus gegenüber FINANCE nicht äußern.

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