Neuer Ärger für US-Investmentbank: Hat Goldman Sachs mit Hilfe von Tricks in seinen Lagerhäusern die Aluminiumpreise manipuliert?

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05.08.13
Banking & Berater

Bizarre Klage gegen Goldman Sachs

Die nächste Millionenklage gegen Goldman Sachs: Die Investmentbank soll in den USA ein Aluminiumkarussell unterhalten. Mit ihren Geschäftspraktiken soll Goldman Sachs die Aluminiumbranche schon rund 5 Milliarden Dollar gekostet haben.

Während in den USA gerade erst ihr ehemaliger Händler Fabrice Tourre („The Fabulous Fab“) schuldig gesprochen wurde, weil er die Kunden der Investmentbank betrogen hatte, steht Goldman Sachs schon wieder vor dem nächsten unrühmlichen Gerichtsverfahren. Zusammen mit der London Metal Exchange (LME) ist sie von dem US-Aluminiumverarbeiter Superior Extrusion vor einem Gericht in Michigan wegen dubioser Geschäfte mit Aluminium angeklagt worden. Goldman soll sich „wettbewerbswidrig“ verhalten haben. Die LME ist als Aufsichtsbehörde dafür zuständig, dass im physischen Handel mit Aluminium alles mit rechten Dingen zugeht. Weltweit hat die LME mehr als 400 Lagerhäuser zertifiziert.

Es ist erst drei Jahre her, dass Goldman Sachs durch die Übernahme des Lagerhausbetreibers Metro International groß in den Aluminiummarkt eingestiegen ist. In den Metro-Lagern rund um Detroit wird mehr als ein Viertel des auf dem Markt verfügbaren Aluminiums aufbewahrt. Mit Hilfe von Tricks soll Goldman in drei Jahren der Aluminiumbranche bereits einen Schaden von 5 Milliarden Dollar eingebrockt haben, vermuten Experten, die die New York Times zitiert.

Offenbar haben sich die Wartezeiten der Kunden in den von Goldman betriebenen Alulagern um das Zehnfache erhöht. Dadurch schießen die Umsätze der Lagerhäuser in die Höhe, der tägliche Einlagerungspreis liegt zurzeit bei 48 Cents pro Tonne Aluminium. Zudem ließe sich dadurch auch der Weltmarktpreis für Aluminium manipulieren.

NYT: Goldmans Lastwagen pendeln hin und her

Stimmen die Berichte, so hat Goldman Sachs auf einen altbekannten Trick gesetzt, um den strenger gewordenen Aufsichtsregeln zu entgehen: Der New York Times zufolge pendeln zwischen den einzelnen Lagerhäusern regelmäßig Lastwaren hin- und her, um das Aluminium immer in Bewegung zu halten. So könnte Goldman formal die Auflagen erfüllen, die ein zu langes Einlagern von Waren zum Zweck der Marktpreismanipulation verhindern sollen. Die US-Zeitung zitiert einen früheren Beschäftigten der Lagerhäuser, der von einem „Metall-Karussell“ spricht. Sowohl Goldman Sachs als auch die LME bezeichnen die Klage als „unbegründet“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Betreiber von Lagerhäusern ihre Position als Verwahrer signifikanter Teile des am Weltmarkt verfügbaren Volumens für Preismanipulationen missbrauchen. Die Marktusancen sind dafür auch durchaus verlockend, gilt die Entwicklung der Lagerbestände für Analysten doch als wichtiger Indikator für die Knappheitsverhältnisse am Markt.

Beispielsweise hält sich am Rohstoffmarkt nach wie vor hartnäckig die Einschätzung, dass auf dem Höhepunkt der Nickel-Hausse 2006 ein einzelner Marktteilnehmer 90 Prozent aller LME-Lagerscheine für das Metall kontrollierte. Als die LME ihre Leihregeln änderte, kollabierte der Nickelpreis.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de