BNP-Paribas-Deutschlandchef Lutz Diederichs gibt bei der Kreditvergabe Vollgas – trotz Corona.

BNP Paribas

18.02.21
Banking & Berater

BNP Paribas drückt bei Kreditvergabe aufs Gaspedal

Trotz Corona liefert BNP Paribas für das deutsche Geschäft starke Jahreszahlen 2020. Eine deutliche Ausweitung der Kreditvergabe unterstreicht die Ambition der Franzosen bei deutschen Firmenkunden.

Nach dem Ausnahmejahr 2020 meldet sich die BNP Paribas zu Wort. Beim Blick auf das Firmenkundengeschäft bestätigt sich, was die Verantwortlichen unterjährig bereits angedeutet hatten: Die Bank hat im Corona-Jahr voll aufs Kreditgaspedal getreten und das Volumen der ausgereichten Darlehen und Zusagen verdoppelt, wie Deutschlandchef Lutz Diederichs am gestrigen Mittwoch in einem Pressegespräch erklärte. Genauere Angaben zum Volumen machte die Bank allerdings nicht, seit jeher kommuniziert sie Zahlen für das Deutschlandgeschäft sehr zurückhaltend.

Öffentlich bekannt ist, dass sich die BNP etwa an den Kreditfazilitäten von Daimler und ZF beteiligt hatte. Diederichs betonte, dass BNP Paribas dabei eine konservative Risikopolitik verfolge. Die Bank ist vor allem im Geschäft mit größeren Mittelständlern und Konzernen engagiert. Ausfälle und Insolvenzen als Folge von Corona erwartet Diederichs hingegen vornehmlich bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Dass andere Banken im deutschen Firmenkundengeschäft derzeit selektiver agieren, sieht er als Chance: „Das ist für uns eine Opportunität, da wir über ausreichend Eigenkapital verfügen, um in Deutschland zu wachsen.“

Mit dem starken Antritt im Kreditgeschäft für Firmenkunden unterstreicht die Bank ihre Ausnahmestellung in Deutschland. In der FINANCE Banken-Survey 2020 wurden die Franzosen von CFOs und Treasurern als engagierteste Auslandsbank im deutschen Firmenkundengeschäft wahrgenommen.

BNP will bei M&A-Beratung besser werden

Aufholbedarf im Geschäft mit Firmenkunden sieht Lutz Diederichs vor allem in den Bereichen M&A, Eigenkapitalbeschaffung und Leveraged Finance. Das deckt sich auch mit den Aussagen, die der deutsche CIB-Chef der Franzosen, Frank Vogel, vor einigen Monaten im FINANCE-Interview traf („Unsere Mission ist Wachstum“).

Um ihre Schwachstellen zu beseitigen, engagierte BNP Paribas vor kurzem mit Silke Krüger eine Investmentbankerin von Berenberg. Sie leitet das neu geschaffenen Teams Large & Midcap Corporate Advisory. Mit der neuen Abteilung will die Bank ihr Beratungsgeschäft im Investmentbanking stärken.

BNP Paribas erreicht Ziele für 2020

Insgesamt erzielte die Bank 2020 in Deutschland mit ihren verschiedenen Geschäftsfeldern Erträge von rund 2,1 Milliarden Euro. Damit übertraf der ehemalige Hypovereinsbanker Diederichs trotz der Coronakrise das Ziel, mit dem er vor über drei Jahren angetreten war: Die Bank wollte damals Erträge von 2 Milliarden Euro erreichen und Deutschland zum Heimatmarkt machen. Die jährliche Wachstumsrate, die damals mit 8 Prozent angepeilt war, lag im Rückblick sogar bei 9 Prozent – keine Normalität im umkämpften Bankensektor. „Trotz Covid-19 haben wir den Mehrjahresplan übertroffen“, freut sich Diederichs. 2016 lagen die im Banking auch als „Erträge“ oder „Revenues“ bezeichneten Umsätze noch bei 1,5 Milliarden Euro.

Die Profitabilität von BNP Paribas liege „weit über dem Durchschnitt der deutschen Banken“, sagte Diederichs, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Immerhin erklärte er, dass die Kosten-Ertrags-Relation unter 60 Prozent liege, was tatsächlich besser als der Schnitt der deutschen Geschäftsbanken ist.

Das Bild ist allerdings auch bei BNP Paribas nicht gänzlich ungetrübt: Konsumentenfinanzierungen und Immobilientransaktionen zeigen sich laut Diederichs derzeit rückläufig. Wegen der anhaltenden Pandemie sieht die Bank 2021 als ein Übergangsjahr. Ab dem kommenden Jahr will BNP Paribas dann einen neuen Wachstumsplan entwerfen.

Umweltsünder haben schlechte Karten bei BNP Paribas

Einen hohen Stellenwert für die Bank nimmt das Thema Nachhaltigkeit ein. Das hat direkte Konsequenzen für die Kreditvergabe: Umweltsünder bekommen immer schwerer Kredite von der französischen Großbank. Tabak- und Ölkonzerne sowie Projektvorhaben in der Arktis unterstütze die Bank nicht mehr, sagte Diederichs.

In anderen – nicht unumstrittenen – Branchen will sie hingegen „den Wandel begleiten“, etwa im Energiesektor weg von Atomkraft und Kohle hinzu erneuerbaren Energien und bei Automotive weg von Verbrennern hin zur Elektromobilität. „Auch im Einzelhandel wollen wir weg von der Einmalprodukten hin zu nachhaltiger Nutzung.“

Im Firmenkundengeschäft will die Bank daher auch Green Finance forcieren. ESG-Linked Finanzierungen, Green Bonds und vieles Mehr stehen auf dem Menü der Franzosen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de