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27.09.19
Banking & Berater

Commerzbank 5.0: Das müssen Firmenkunden jetzt wissen

Die Commerzbank backt mit ihrer neuen Strategie 5.0 nur kleine Brötchen: Erste Maßnahmen werden skizziert, doch einen klaren Plan, wie sie den Ertragsschwund im Firmenkundengeschäft aufhalten will, bleibt sie schuldig.

Wie will die Commerzbank den Ertragsrückgang im Firmenkundengeschäft stoppen? Auf die Hilfe des Marktumfelds kann und wird die Bank nicht setzen, das machte CEO Martin Zielke bei der Präsentation seiner neuen Strategie „Commerzbank 5.0“ am Freitag deutlich. Sein scheidender CFO Stephan Engels kassierte daraufhin die Ertragsprognose für das laufende Geschäftsjahr. Das negative Umfeld wirke sich insbesondere auf das Firmenkundengeschäft aus: „Deshalb rechnen wir für das Jahr 2019 nicht länger mit höheren bereinigten Erträgen.“ 

Bereits im Februar hatte die Commerzbank ihre ursprünglichen Ziele der Strategie 4.0 korrigiert und bis zum Jahr 2020 nur noch mit 3 Prozent Ertragswachstum für die Gesamtbank gerechnet. Sah die Strategie 4.0  ursprünglich noch ein Ertragsziel von bis zu 10,3 Milliarden Euro bis 2020 vor, nannte die Bank in ihrem neuen Strategiepapier keinen konkreten Zielwert mehr – weder für die Gesamtbank, noch für das Firmenkundengeschäft.

Nach Umsetzung aller geplanten Restrukturierungsmaßnahmen soll die Gesamtbank lediglich eine Eigenkapitalrendite über 4 Prozent, „im günstigsten Fall“ über 5 Prozent erwirtschaften. Das ist noch einmal niedriger als im Februar, als die Commerzbank ihr Renditeziel bereits auf 5 bis 6 Prozent senkte. 

Commerzbank will 1.700 neue Firmenkunden

In den vergangenen Jahren haben man es geschafft, im Firmenkundengeschäft mit Kreditwachstum den Margenverfall im negativen Zinsumfeld abzufedern. „Damit machen wir natürlich weiter“, kündigte Zielke an. Die Bank will 1.700 „vollkommen neue Kundenbeziehungen“ im Firmenkundensegment aufbauen. 

„Der Fokus liegt auf höhermargigem Geschäft mit Mittelstandskunden.“

Martin Zielke, CEO, Commerzbank

Sie will dabei allerdings stärker auf die Kapitaleffizienz achten. Es gebe klare Renditeanforderungen für Neugeschäft, zudem überprüfe man bestehende Portfolios. Details nannte die Bank dazu nicht. Der Fokus liege auf „höhermargigem Geschäft mit Mittelstandskunden“. Dieses sei vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu finden, präzisierte Zielke auf Nachfrage.

Stand bei der vorherigen Strategie die Neukundenakquise an vorderster Stelle, will die Bank nun vor allem an der Profitabilität ihrer bestehenden Firmenkundenbeziehungen arbeiten. Wie viel Ertrag sie mit den seit 2016 bereits 11.400 gewonnen Firmenkunden macht, veröffentlicht die Bank nicht. Die letzte dazu veröffentlichte Zahl stammt aus dem Juni 2018: Damals gab sie bekannt, Ende 2017 insgesamt 147 Millionen Euro mit neuen Firmenkunden verdient zu haben, hauptsächlich über Kredite sowie Trade-Finance- und Cash-Management-Produkte.

Commerzbank will Erträge pro Firmenkunden steigern

Über ihren sogenannten Sektoransatz will die Commerzbank die Erträge pro Kunde steigern. In den vergangenen zwei Jahren seien diese mit den betroffenen Kunden bereits um 25 Prozent gewachsen. Absolute Zahlen veröffentlicht die Bank allerdings nicht. Der Sektoransatz soll künftig von 100 auf 500 deutsche und europäische Großkunden ausgeweitet werden. 

Die Bank möchte außerdem im europäischen Ausland stärker wachsen, beispielsweise in Frankreich, wo die Margen noch erquicklicher sind. Unter anderem dafür möchte sie im Firmenkundensegment 150 neue Banker im Vertrieb einstellen. Vor Kurzem erst gab sie zudem bekannt, mit Robert Schindler einen neuen Bereichsvorstand für den süddeutschen Raum gefunden zu haben, der bei süddeutschen Firmenkunden bestens verdrahtet ist. Er verantwortete zuletzt das gesamte Firmenkundengeschäft der Hypovereinsbank im Vorstand. Im Sommer stellte die Bank außerdem intern ihr Kapitalmarktgeschäft neu auf.   

Aber auch intern plant die Commerzbank im Firmenkundengeschäft Maßnahmen, um dort profitabler zu werden. So will sie ihre Plattformen konsolidieren und „so viele internationale Buchungen wie möglich über die deutsche IT-Plattform“ laufen lassen. Die Plattformen sollen zudem durch Neugeschäft stärker ausgelastet werden. Kapitaleffizienz und Kostendisziplin seien im Firmenkundengeschäft maßgeblich, um die Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erhöhen.

Firmenkundengeschäft hinkt Privatkunden hinterher

Dies ist auch nötig, denn das Firmenkundensegment – einst der unumstrittene Ertragsmotor der Bank – ist inzwischen das unprofitabelste aller Geschäftsfelder innerhalb des Geldinstituts. Die operative Rendite auf das harte Kernkapital (Operating return on CET1) betrug im Firmenkundensegment zuletzt nur noch magere 2,4 Prozent.

Zum Vergleich: Das Privatkundensegment kommt auf 15,2 Prozent und die zum Verkauf stehende M-Bank auf 11,8 Prozent. Dies geht aus einer Analystenpräsentation der Bank vom August hervor. „Die Commerzbank muss sich fragen, warum sie in einem Geschäft, wo andere Banken zweistellige Renditen einfahren, nur 2 bis 3 Prozent verdient“, merkt Moody’s Bankenanalyst Michael Rohr an. Hinzu kommt: Kein anderes Geschäftsfeld bindet gleichzeitig so viel risikogewichtete Aktiva wie das Firmenkundensegment. 

Gleichzeitig ist das Verhältnis von Kosten und Ertrag (Cost-Income-Ratio) bei Firmenkunden mit 81,4 Prozent schlechter als bei den Privatkunden (79,7 Prozent) und der M-Bank (63,2 Prozent). Dies liegt unter anderem daran, dass die Erträge im Firmenkundengeschäft seit Jahren sinken, wohingegen die Erträge mit Privatkunden zumindest leicht steigen. 

„Die Commerzbank muss sich fragen, warum sie in einem Geschäft, wo andere Banken zweistellige Renditen einfahren, nur 2 bis 3 Prozent verdient.“

Michael Rohr, Analyst, Moody's

Allein mit den seit dem Jahr 2013 gewonnen neuen Privatkunden verdiente die Commerzbank im Geschäftsjahr 2018 rund 850 Millionen Euro, was in etwa einem Drittel der Gesamterträge der Sparte entspricht, wie Martin Zielke berichtete.

Auf den neuen Firmenkundenchef Roland Boekhout wartet also noch viel Arbeit. Bei der Strategiepräsentation dankte CEO Martin Zielke dem scheidenden Firmenkundenchef Michael Reuther nochmal dafür, in einem schwierigen Umfeld den Grundstein im Firmenkundengeschäft gelegt zu haben. Zielke ist sich sicher, dass sein im Januar startender Nachfolger Boekhout „in den europäischen Märkten und in Deutschland eine schlagkräftige Agenda entwickeln wird“. 

Commerzbank opfert M-Bank für Konzernumbau

Das Geld für die Restrukturierungsmaßnahmen will die Bank aus dem Verkauf der als hoch innovativ geltenden polnischen Privatbanktochter M-Bank generieren. Diese ist an der Warschauer Börse rund 3,1 Milliarden Euro wert, wodurch der Commerzbank bei einem Verkauf ihres Anteils rein rechnerisch rund 2 Milliarden Euro zustünden. Die Bank hält rund 69 Prozent an der M-Bank. Sollte ein Verkauf außerplanmäßig nicht möglich sein oder später erfolgen, würde dies an der Strategie nichts ändern, betonte CFO Engels. Sie würde in diesem unwahrscheinlichen Fall nur langsamer umgesetzt.

Über die Gesamtbank hinweg will das Geldhaus im Rahmen der neuen Strategie rund 1,6 Milliarden investieren, um digitaler und kosteneffizienter zu werden. 750 Millionen sind dabei für die Digitalisierung, die IT-Infrastruktur und Wachstum budgetiert. Der Rest sind Restrukturierungskosten, die für den Abbau von netto 2.300 Vollzeitstellen und die Schließung von 200 Filialen fällig werden. 

Ziel der Strategie ist es Zielke zufolge auch, die Bank so aufzustellen, dass sie in Zukunft „aktiv an einer Konsolidierung im deutschen und europäischen Bankensektor teilnehmen kann". Ob er die Commerzbank dabei als Käufer oder Übernahmekandidat sieht, lies er auf Nachfrage offen. 

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Zielke „droht“ Comdirect-Aktionären mit Coba-Aktien

Außerdem will die Commerzbank die Comdirect komplett übernehmen und integrieren, wofür sie noch einmal rund 300 Millionen Euro aufwenden muss. Die Commerzbank bietet Comdirect-Aktionären eine Prämie von 25 Prozent auf den unbeeinflussten Aktienkurs. Martin Zielke machte bei der Strategiepräsentation deutlich, dass er das Gebot nicht erhöhen werde. 

Klappt die Übernahme nicht, würden die beiden Unternehmen stattdessen verschmolzen werden. Die Comdirect-Aktionäre bekämen in diesem Fall für Ihre Anteile Commerzbank-Aktien. Angesichts eines Aktienkurses von 5,40 Euro und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,25 klingt dies beinahe wie eine Drohung.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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