Großes Stühlerücken im Firmenkundenmanagement der Commerzbank.

Julia Schwager / Commerzbank AG

13.01.16
Banking & Berater

Commerzbank baut Firmenkunden-Management wieder um

Dass Sascha Klaus doch nicht das Corporate Banking leitet, war nur der Anfang: In ihrem Drang nach Internationalisierung baut die Commerzbank das Top-Management ihrer Firmenkunden-Sparte um – zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

Die Commerzbank will internationaler werden – und krempelt zu diesem Zweck das Management im Firmenkundengeschäft um. Und das nicht zum ersten Mal, denn bereits vor rund einem Jahr wurde die Führung im Firmenkundengeschäft radikal verschlankt und mehrere Management-Ebenen herausgenommen

Nun ändert sich bei Deutschlands zweitgrößter Bank noch mehr, als zunächst bekannt wurde. Wie bereits am Vortag berichtet, übernimmt Sascha Klaus nicht wie geplant zum Jahresbeginn den Bereich Corporate Banking, sondern bleibt Vorstand der Hypothekenbank Frankfurt (HF). Stattdessen soll Michael Kotzbauer das Corporate Banking leiten. Dies wurde von der Commerzbank zwar nicht kommentiert, FINANCE liegen jedoch Unterlagen vor, die das bestätigen.

Mit der Personalie Klaus ist das Stühlerücken jedoch nicht beendet: Die Verantwortung für den Bereich Commerzbank Transaction Services und Financial Institutions (CTS + FI) übernimmt künftig Bernd Laber, der sich bisher um das internationale Geschäft der Mittelstandsbank gekümmert hatte. Seinen freien Stuhl besetzt Roland Böhm, der als Bereichsleiter Debt Capital Markets Loans in Corporates & Markets, Advisory and Primary Markets abgezogen wird. Auch hierzu gibt die Commerzbank keinen Kommentar ab, ein Blick auf die Homepage der Mittelstandsbank bestätigt heute Morgen jedoch die Veränderungen, denn dort sind die Personalien bereits eingearbeitet.

Commerzbank will im Firmenkundengeschäft internationaler werden

Die neuen Personalien machen deutlich, wo es bei der Commerzbank im Firmenkundengeschäft künftig hingehen soll: Die Marschroute wird internationaler. Sowohl Laber als auch Böhm verfügen über langjährige Auslandserfahrung. Nach der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2009 übernahm Laber die Leitung der MSB International mit Dienstsitz in London. Böhm konzentrierte sich seit 2000 auf das internationale Kreditgeschäft.

Diese internationale Ausrichtung passt ins Gesamtbild der Commerzbank. Denn auch im Investmentbanking will die Commerzbank international eine größere Rolle spielen. Michael Reuther, der den Bereich Corporates & Markets auf Vorstandsebene verantwortet, sagte im November vergangenen Jahres in einem internen Dokument, dass die Commerzbank die „europäische Kompetenz deutlich ausbauen“ wolle. Im September vergangen Jahres wurden zudem Expansionspläne nach Brasilien bekannt.

Niedrigzinsumfeld belastet Firmenkundengeschäft der Commerzbank

Dass die Commerzbank im Firmenkundengeschäft wieder stärker in internationalen Gewässern fischt, ist nicht verwunderlich. Der Markt in Deutschland ist hart umkämpft. Nahezu jede Bank führt eine Firmenkundenoffensive um den begehrten deutschen Mittelstand und ausländische Banken wie die BNP Paribas, HSBC & Co. verschärfen den Wettbewerb. Hinzu kommen aufstrebende Banken wie zum Beispiel Oddo Seydler, die mit dem französischen Bankier Philippe Oddo im Rücken den Mittelstand ins Visier nehmen. Auch das anhaltende Niedrigzinsumfeld drückt auf die Margen der Geldhäuser und sorgt zudem für ein rückläufiges Einlagengeschäft.

Die Commerzbank spürt hier bereits die Folgen: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 schmolz das operative Ergebnis der Mittelstandsbank von 973 Millionen Euro im Vorjahr auf 851 Millionen Euro zusammen. Damit machte die Mittelstandsbank immer noch rund 57 Prozent des konzernweiten operativen Ergebnisses aus, was verdeutlicht, wie wichtig das Segment für Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus ist. Ein stärkeres internationales Geschäft könnte die Erträge im Firmenkundengeschäft wieder ankurbeln.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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