Julia Schwager/Commerzbank AG

20.11.14
Banking & Berater

Commerzbank kündigt Strafzinsen für Firmenkunden an

Es ist soweit: Mit der Commerzbank gibt erstmals eine deutsche Großbank offen zu, dass sie die im Juni verhängten Strafzinsen für Einlagenfazilitäten bei der EZB an ihre Kunden weitergeben will. Weitere Banken könnten folgen.

Was bisher nach Angaben des Wall Street Journals lediglich bei globalen Großbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan oder der Credit Suisse zu beobachten war, wird nun auch bei Banken aus der Eurozone Realität: Strafzinsen für große Firmenkunden. Im Juni erstmals mit 0,1 Prozent erhoben kassiert die Europäische Zentralbank von Banken inzwischen Strafzinsen von 0,2 Prozent auf Gelder, die bei der Notenbank geparkt sind.

Die Commerzbank hat nun als erste große deutsche Firmenkundenbank offen zugegeben, die Negativzinsen künftig an große Firmenkunden weiterzureichen. Sie kündigte negative Einlagenzinsen für einzelne große Firmenkunden mit hohen Guthaben an. Der Schritt erstreckt sich aber auch auf Großkonzerne und institutionelle Anleger. Dies wurde FINANCE auf Nachfrage bestätigt.

Die Höhe der Negativzinsen solle von Fall zu Fall individuell verhandelt werden. Zudem erhält jeder Großkunde der Commerzbank einen Freibetrag, bis zu dem er keine Negativzinsen zu befürchten habe. Dieser sei ebenfalls kundenspezifisch und richte sich in seiner Höhe nach den Liquiditätsbeständen, die für den laufenden operativen Geschäftsbetrieb notwendig seien.

Privatkunden und Mittelständler dürfen dagegen aufatmen: Sie seien, so betont die Commerzbank, definitiv nicht von den Strafzinsen betroffen. Dies solle auch so bleiben. Die Commerzbank fürchtet keinen Abzug von Kundengeldern, da sie ihren betroffenen Großkunden entsprechende alternative Anlagemöglichkeiten aufzeigen will.

Die Deutsche Bank als early Follower?

Wie das Wall Street Journal berichtet, plant die Deutsche Bank „nach Aussage eines Informanten“ ebenfalls solch eine Maßnahme. Die Deutsche Bank wollte diese Gerüchte auf Nachfrage nicht kommentieren. Vergangenen Monat vermied die Deutsche Bank gegenüber FINANCE noch ein klares Statement, sondern räumte lediglich ein, dass sie „derzeit keine negativen Zinsen im breiten Kundengeschäft plane“.

Die Düsseldorfer HSBC sagte in diesem Zusammenhang, dass sie aktuell keinen Handlungsbedarf sehe, die Entwicklung jedoch weiterhin aufmerksam verfolge. Diese und andere Banken werden nun in Kürze sehen können, wie die betroffenen Kunden der Commerzbank auf den Vorstoß ihrer Bank reagieren.

Sollten sich Negativzinsen für Firmenkundeneinlagen flächendeckend durchsetzen, hätte dies Auswirkungen auf den Handlungsspielraum der CFOs und Treasurer in ihrem Asset Management. Diese stehen dann vor der Wahl: Flucht in eine riskantere Anlage oder Wechsel der Bank. Die Individualität der Konditionsgestaltung bei der Commerzbank lässt den CFOs großer Konzerne und institutionellen Anlegern aber noch Möglichkeiten offen: In welcher Höhe den Unternehmen Zusatzkosten entstehen, kommt offenbar auch auf das Verhandlungsgeschick ihrer CFOs an.

Strafzinsen sorgen für Diskussionen

Strafzinsen sind nicht neu in der Bankenwelt: Wie das Schwester-Magazin DerTreasurer jüngst berichtete, haben kürzlich auch die Depotbank BNY Mellon und auch die State Street Bank Strafzinsen auf Einlagengelder angekündigt.

Auch der Fall des Finanzierungszinssatzes Eonia in den negativen Bereich hat schon zu intensiven Diskussionen zwischen CFOs, Treasurern und ihren Bankern geführt. Auch hier hat sich in der Bankenlandschaft noch keine einheitliche Meinung durchgesetzt, ob und in welcher Form negative Eonia-Zinsen an die Kunden übergewälzt werden sollen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de