Commerzbank AG

08.02.18
Banking & Berater

Commerzbank verdient weniger mit Firmenkunden

Die Commerzbank macht unter dem Strich zwar Gewinn. Doch die Firmenkundenerträge bröckeln weiter – trotz über 4.000 neuer Firmenkunden.

Wie zuletzt die Deutsche Bank kämpft auch die Commerzbank mit den Folgen ihrer Restrukturierung und dem Gegenwind vom Kapitalmarkt. Das verdeutlichen die am heutigen Donnerstag vorgelegten vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017.

Die um Sondereffekte bereinigten Erträge im Geschäftssegment Firmenkunden, wo die Commerzbank ihr Geschäft mit mittelständischen und großen Firmenkunden sowie ihr Investmentbanking bündelt, sind gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent auf rund 4 Milliarden Euro gesunken – und das obwohl die Bank nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4.100 neue Firmenkunden gewonnen hat. Bis 2020 sollen es sogar 10.000 Neukunden werden.

Neukunden werfen noch zu wenig Erträge ab

Ein genauer Blick in die Zahlen zeigt, wo es hakt: Innerhalb des Firmenkundensegments sind die Erträge mit Mittelständlern, die mehr als 15 Millionen Euro umsetzen, gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro gesunken. Bei den deutschen und internationalen Großunternehmen sanken die Erträge um 3,1 Prozent auf rund 930 Millionen Euro.

Die Commerzbank nennt für den Ertragsrückgang im Firmenkundensegment im Wesentlichen zwei Gründe: Wie die gesamte Branche beklagte die Bank die geringe Volatilität an den Kapitalmärkten, weshalb Firmenkunden weniger Absicherungsprodukte im Zins-, Rohstoff- und Währungsmanagement nachfragen. Laut eines Sprechers waren die Erträge in diesem Produktfeld niedriger als im Vorjahr. Genaue Zahlen weist die Commerzbank jedoch nicht aus.

Der zweite Grund für den Ertragsrückgang sei der hohe Konkurrenzdruck im Kreditgeschäft, der auf die Margen im Kreditgeschäft drücke. Laut eines Sprechers konnte die Commerzbank im vergangenen Jahr bei den Mittelständlern und Großkunden im Kreditvolumen zusammen um rund 2 Milliarden Euro wachsen. Dieser Volumenanstieg konnte den Margenrückgang aus dem Preiskampf jedoch nicht kompensieren.

In Zahlen ausgedrückt: Der Zinsüberschuss im Firmenkundensegment ist im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro gesunken. Der Provisionsüberschuss verharrte mit rund 1,2 Milliarden Euro nahezu auf dem Vorjahresniveau, was dafür spricht, dass lukratives Folgegeschäft mit den neugewonnen Firmenkunden noch auf sich warten lässt. 

Commerzbank wird faule Schiffskredite los

Fortschritte machte Commerzbank beim langwierigen Abbau ihres Schiffsportfolios. Nach eigenen Angaben konnten im vergangenen Jahr faule Schiffskredite im Volumen von 2,2 Milliarden Euro abgestoßen werden, sodass das Portfolio nur noch 2,6 Milliarden Euro schwer ist.

Die Verwaltungsaufwendungen verharrten im vergangenen Jahr bei rund 2,9 Milliarden Euro. Die Kosteneffizienzkennzahl Cost-Income-Ratio stieg allerdings von 66,9 auf 72,3 Prozent, da die Erträge der Bank gesunken sind. Damit arbeitet die Commerzbank mit ihren Firmenkunden aber immer noch effizienter als die Deutsche Bank, deren Cost-Income-Ratio im Corporate & Investmentbanking (CIB) bei 92 Prozent liegt.

Commerzbank-Aktie klettert auf Drei-Jahres-Hoch

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Ein Firmenkunde belastet die Commerzbank

Die Bank musste im Firmenkundensegment im Vergleich zum Vorjahr 2017 jedoch ihre Risikovorsorge um fast 60 Prozent von 185 Millionen auf 295 Millionen Euro erhöhen, was vor allem an der Risikovorsorge für „ein größeres Einzelengagement“ im vierten Quartal gelegen habe. Die Bank wollte das nicht näher kommentieren. Nach FINANCE-Informationen soll die Commerzbank dem angeschlagenen Möbelhersteller Steinhoff Linien über 500 Millionen Euro eingeräumt haben, die allerdings nicht komplett gezogen sind (mehr dazu in der aktuellen Ausgabe des FINANCE-Magazins).

Unter dem Strich sank der operative Gewinn der Commerzbank im Firmenkundensegment gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent auf 809 Millionen Euro. Besser lief es für die Commerzbank im Geschäft mit Privat- und Unternehmerkunden, wo die Erträge zumindest stabil geblieben sind und der Zinsüberschuss leicht gesteigert werden konnte.

Commerzbank-Aktie steigt auf Drei-Jahres-Hoch

Auf Gesamtbankebenen verdiente die Commerzbank trotz gebuchter Restrukturierungsaufwendungen über rund 800 Millionen Euro einen kleinen Vorsteuergewinn von rund 500 Millionen Euro. Der langjährige Rivale Deutsche Bank musste seinen Aktionären dagegen das dritte Jahr in Folge einen Verlust in Höhe einer halben Milliarde präsentieren.

„Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns.“

Martin Zielke, CEO Commerzbank

Der operative Gewinn der Commerzbank stagnierte bei rund 1,3 Milliarden Euro. Commerzbank-Chef Martin Zielke findet dennoch, dass die Bank bei ihrem Umbau gut vorankomme, die Digitalisierung vorangetrieben habe und kräftig gewachsen sei. „Dabei ist aber auch klar: Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns“, so Zielke. 

Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet die Commerzbank höhere bereinigte Erträge, sowohl bei den Privat- als auch den Firmenkunden. Außerdem will die Bank 2018 wieder eine Dividende zahlen. Die Aktionäre zeigten sich mit den Zahlen und Aussichten zunächst zufrieden und ließen die Aktie im Laufe des Vormittags um 6,5 Prozent auf 13,20 Euro klettern – dem höchsten Wert seit April 2015.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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