Commerzbank AG

17.04.18
Banking & Berater

Commerzbank zielt auf Datengeschäft mit Mittelständlern

Mittelständler sammeln zwar viele Daten, können diese aber meistens nicht sinnvoll nutzen. Die Commerzbank will dadurch mit vielen von ihnen stärker ins Geschäft kommen.

Große Daten, kleiner Nutzen: Viele Mittelständler messen Big Data zwar eine wichtige Rolle bei, aber nur die wenigsten ziehen daraus auch wirklichen Nutzen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine von der Commerzbank in Auftrag gegebene Umfrage unter 2.000 Führungskräften des deutschen Mittelstands.

Demnach halten 81 Prozent der Befragten Big Data für zentral wichtig, aber nur 18 Prozent sammeln nach eigener Aussage in überdurchschnittlich vielen Bereichen Daten. Sogar nur 8 Prozent glauben, dass sie aus gesammelten Daten schon einen echten Nutzen ziehen.

„Der Mittelstand braucht einen Weckruf .“

Michael Reuther, Firmenkundenvorstand Commerzbank

„Viele Unternehmen im Mittelstand haben kein Erkenntnisproblem. Aufgrund interner Strukturen, Prozesse und mit Blick auf die Führungskultur sind sie aber noch nicht bereit für die Nutzung des riesigen Potenzials von Big Data. Der Mittelstand braucht einen Weckruf “, lässt sich der Commerzbank-Firmenkundenchef Michael Reuther zitieren.

Mittelständler sammeln nur interne Daten

Die Probleme, die die Studie aufdeckt, sind vielfältig. Die befragten Mittelständler klagen über Datenschutzprobleme, Fachkräftemangel sowie die mangelhafte Bereitschaft ihrer Führungskräfte, sich der neuen Datenwelt zu öffnen. Oft sei das Thema Big Data noch Chefsache, was jedoch für einen Durchbruch nicht ausreiche. Der Schlüssel zum Erfolg liege darin, an der richtigen Stelle Spezialisten einzubinden, rät die Commerzbank. Das gilt auch für das Thema Cyber-Kriminalität, denn das Gefährdungsbewusstsein im Mittelstand ist der Studie zufolge bislang schwach ausgeprägt.

Bisher sammeln die Unternehmen zwar fleißig Daten, doch oft fehlt es an den geeigneten Tools, um diese zu verarbeiten. Die Studie zeigt, dass die meisten Mittelständler vor allem Daten zur finanziellen Lage und zur Entwicklung des Unternehmens sammeln. Auch liegen den Unternehmen Daten zur Ressourcen-Auslastung und den Lagerbeständen vor.

Commerzbank lanciert digitale „Attacker-Produkte“

Die Commerzbank ist der Ansicht, dass ihr diese Bestandsaufnahme in die Hände spielen könnte, schließlich würde Big Data auch die Anforderungen der Mittelständler an ihre Finanzpartner verändern. 56 Prozent der Befragten sehen für ihre Banken sogar eine mögliche Rolle bei der Aufbereitung ihrer Finanzdaten, zum Beispiel im Treasury.

Die Commerzbank ist eine der Banken, die am lautesten über die Einführung von technischen Innovationen für ihre Kunden im Firmenkundengeschäft nachdenken. Die Commerzbank verfolgt aggressive Wachstumspläne bei Mittelständlern mit einem Jahresumsatz zwischen 15 und 100 Millionen Euro und hat die exklusiv im FINANCE-Interview angekündigten „Attacker-Produkte“ vor wenigen Wochen vorgestellt. Die Bank will nicht nur Kreditanträge, sondern auch das Geschäft mit Zins- und Währungsmanagement künftig komplett digital abwickeln

Zur Vorlage der neuen Mittelstandsstudie kündigte Firmenkundenchef Reuther sogar an, dass Banken überlegen müssten, wie sie ihre Firmenkunden bei der Nutzung von deren Daten unterstützen könnten. Reuthers Ansatzpunkt: „Bei Banken hat das Thema Sicherheit naturgemäß einen hohen Stellenwert.“ 78 Prozent der Studienteilnehmer hatten zuvor angegeben, große Angst vor Hackerangriffen und Sicherheitslücken zu haben. Reuther kündigte an, „bei der Entwicklung disruptiver Geschäftsabläufe und –modelle“ nicht nachzulassen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Zum 18. Mal hat die Commerzbank das Marktforschungsinstitut Kantar TNS damit beauftragt, eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Führungskräften des deutschen Mittelstands durchzuführen. Kernbestandteil der Umfrage waren diesmal die Nutzung und der Nutzen von Big Data.