Das Coronavirus verdoppelt die Risiko-Spreads bei den Kreditausfallversicherungen der Banken.

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02.04.20
Banking & Berater

Corona schürt Sorgen um die Banken

Das Coronavirus verdoppelt die Spreads bei den Kreditausfallversicherungen der Banken. Wie gefährdet sind Deutsche Bank, Commerzbank & Co. heute im Vergleich zur Finanzkrise?

Das Coronavirus hat die Wirtschaft weiterhin fest im Griff, viele Unternehmen werden in ernste Schwierigkeiten geraten. Die Finanzmärkte spiegeln das wieder: Der High-Yield-Markt ist quasi tot, und auch für institutionelle Kapitalmarktdarlehen schossen die Risikoaufschläge in die Höhe. Die große Frage ist, ob und wann diese Brandherde auch auf die Bilanzen der Banken übergreifen.

Deutlich wird die Sorge um die Banken an der Entwicklung der sogenannten CDS (Credit Default Swaps), mit denen sich Investoren am Kapitalmarkt gegen den Ausfall einer Bank versichern können. Die CDS sind individuelle Risikoprämien (Spreads) gegenüber einem risikolosen Referenzwert und geben Aufschluss darüber, wie der Markt die Bonität einer Bank einschätzt. Umso höher der CDS ist, desto höher ist die Risikoprämie für das Geldhaus und desto schlechter folglich dessen vermeintliche Bonität.

HCOB ist die riskanteste deutsche Bank

Seit Anfang März sind die Risikoprämien für Banken stark angestiegen. Für deutsche Geldhäuser liegen die CDS derzeit im Schnitt bei rund 93 Basispunkten. Am riskantesten schätzen Investoren aktuell die Hamburg Commercial Bank (HCOB) ein, deren Spread bei rund 170 Basispunkten liegt. Es folgt die Deutsche Bank mit rund 142 Punkten.

Die niedrigsten Risikoprämien weisen die Landesbanken LBBW (56 Basispunkte) und Helaba (61 Basispunkte) aus. Dazwischen sortieren sich die Commerzbank mit 88 Punkten sowie die zur italienischen Unicredit gehörende HVB mit 64 Basispunkten und die HSBC Deutschland mit 74 Basispunkten ein. 

Commerzbank profitiert von Staatsbeteiligung

Im internationalen Vergleich schneiden die deutschen Banken mit diesen Werten im Schnitt ganz ordentlich ab. Die höchsten Risikoprämien haben derzeit mit durchschnittlich 115 Punkten die US-Banken. Es folgen die britischen Häuser mit 111 Basispunkten und die Schweizer Banken mit rund 96 Punkten. Am sichersten schätzen Investoren die niederländischen Institute – allen voran die ING – ein, deren Risikoaufschläge durchschnittlich nur bei 48 Basispunkten liegen. 

Wie groß der Corona-Einfluss auf die Risikoprämien tatsächlich ist, verdeutlicht ein exemplarischer Blick in die Spread-Entwicklung von Deutsche Bank, Commerzbank, BNP Paribas und UBS im März. In diesem Zeitraum haben sich die Risikoprämien für Deutsche Bank, BNP und UBS in etwa verdoppelt. 

Dass der Spread-Anstieg der Commerzbank mit rund 67 Prozent geringer ausfiel, dürfte in erster Linie daran liegen, dass der Bund seit der Finanzkrise mit über 15 Prozent an dem Frankfurter Geldhaus beteiligt ist. 

Zeb und Moody’s loben Kapitalausstattung der Banken

Der auf den Finanzsektor spezialisierten Unternehmensberatung Zeb zufolge liegt das allgemeine Spread-Niveau für Banken nun wieder in etwa auf dem Niveau der Jahre 2008/2009, aber noch sehr deutlich unter den Niveaus der Jahre nach der Finanzkrise. Weil sich die Banken aber nicht schnell genug von der Krise erholten und über Jahre hin restrukturiert werden mussten, schossen die CDS im Jahr 2012 in der Spitze auf 355 Basispunkte nach oben.

Zeb-Partner Heinz-Gerd Stickling versucht darum, den jüngsten Spread-Anstieg etwas zu relativieren: „Banken stehen diesmal nicht im Mittelpunkt der Krise“, so der Bankenberater. Deren Liquiditätsausstattung sei heute besser als in der Finanzkrise.

Höhere Risikoprämien würden Stickling zufolge zwar grundsätzlich die Refinanzierung der Banken verteuern, allerdings in einem überschaubaren und tragfähigen Ausmaß. „Anders als in der Finanzkrise sind Liquidität und Refinanzierung heute für Banken nicht der Engpass.“ Zudem flute die EZB die Banken mit sehr billigen mittel- und langfristigen Refinanzierungs-Sondertranchen. 

„Banken stehen diesmal nicht im Mittelpunkt der Krise.“

Heinz-Gerd Stickling, Partner, Zeb

So ähnlich sieht das auch Moody’s. Der Ausblick für die Kapitalausstattung und Liquiditätslage der deutschen Banken sei stabil, so die Ratingagentur. Deutsche Geldhäuser würden auf der Refinanzierungsseite von ihrem hohen Einlagenbestand und dem Pfandbriefmarkt profitieren. Dadurch sind sie unabhängiger von der Refinanzierung über den Kapitalmarkt.

Hinzu kommen die umfangreichen Entlastungen und Hilfen der EZB und die Unterstützung der internationalen Bankenaufseher, die den Banken bei der Umsetzung der neuen Kapitalvorschriften ein Jahr mehr Zeit gewährt haben.

Höhere Kreditmargen im Firmenkundengeschäft

Die größere Corona-Gefahr für die deutschen Banken sieht Moody’s im operativen Geschäft und in der bereits vor Corona schwachen Profitabilität der Banken. Die Analysten erwarten im Zuge der Corona-Krise und den „schweren wirtschaftlichen Verwerfungen“ eine schwächere Kredit-Performance und in Folge eine höhere Risikovorsorge. Dies werde die Asset-Qualität der Banken verschlechtern und den bereits im vergangenen November prognostizierten Profitabilitätsverlust beschleunigen, fürchtet Moody’s.

„Dadurch wird es zu einer deutlichen Ausweitung der Kreditmargen im Firmenkundengeschäft  kommen.“

Heinz-Gerd Stickling

Auch Stickling geht davon aus, dass die Ausfallrisiken von Firmenkunden steigen werden. „Dadurch wird es zu einer deutlichen Ausweitung der Kreditmargen im Firmenkundengeschäft  kommen“, meint der Zeb-Partner. Die Überlegung dahinter: Riskantere Kredite werden höher verzinst. Da Zinskosten in der Regel nur 1 Prozent der Kostenbasis eines Unternehmens ausmachen würden und die aktuelle Zinsbasis historisch niedrig sei, sollten die meisten Firmenkunden Zinserhöhungen aber verkraften können, glaubt Stickling. Für sie zähle aktuell etwas anderes:

„Für Firmenkunden ist es nun wichtig, dass Banken die Regenschirme austeilen und sie sicher mit Liquidität versorgen.“ Denn die Banken sind diesmal nicht Teil des Problems. Stattdessen könnten sie ein wichtiger Teil der Lösung werden. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de