Banken zeigen in der Coronakrise weniger Risikobereitschaft.

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15.12.20
Banking & Berater

Corona verdirbt Banken den Risikoappetit

Höhere Margen, strengere Kreditauflagen und risikoscheuere Banken: Eine Umfrage unter Firmenkundenbetreuern zeigt, wie sich die Coronakrise auf das deutsche Firmenkundengeschäft und die Stimmung der Banker auswirkt.

Die Finanzkrise war eine Bankenkrise, die Coronakrise ist es (noch) nicht. Trotzdem hinterlässt die Pandemie schon jetzt Spuren im deutschen Firmenkundengeschäft. Das verdeutlicht die neue Firmenkundenbetreuer-Survey des FINANCE Thinktanks Corporate Banking & Finance, für die von Ende Herbst bis Anfang November 115 Firmenkundenbetreuer befragt wurden.

Die Umfrage zeigt vor allem, wie schnell sich ein Markt doch drehen kann, der ohnehin schon im Umschwung begriffen war. Schon vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie haben sich die Bonitäten vieler Firmenkunden verschlechtert und die Verstöße gegen Kreditauflagen (Covenant-Brüche) tendenziell zugenommen. Das hat Banken vorsichtiger werden lassen. Die Umfrage macht nun deutlich, dass der Risikoappetit der Banken durch Corona noch weiter abgenommen hat. 

Finanzierungsprobleme sind lediglich verschoben

Für Firmenkunden kommt die größere Vorsicht der Banken zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Die Corona-bedingten Finanzierungsprobleme sind bisher bei vielen Unternehmen keineswegs gelöst, sondern durch temporäre Staatshilfen und kurzfristige Hilfsmaßnahmen lediglich verschoben. So sehen das zumindest zwei Drittel der befragten Firmenkundenbetreuer. Viele Covenants werden in diesem Jahr zudem überhaupt nicht getestet und befinden sich in den sogenannten Covenant-Holidays.

Besorgniserregend ist außerdem, wie die befragten Firmenkundenbanker die Restrukturierungskompetenz im eigenen Haus einschätzen. Nur ein Drittel der befragten Betreuer stellt seinen Restrukturierungskollegen ein perfektes Zeugnis aus. Ein weiteres Drittel zweifelt sogar daran, dass die Workout-Abteilung personell und inhaltlich den aktuellen und kommenden Restrukturierungen gewachsen sind. Ein weiteres Drittel sieht hier sogar Defizite.

Schlägt nun die Stunde von Private Debt?

Die große Frage lautet darum: Was passiert mit diesen Unternehmen im nächsten Jahr und wer finanziert dann künftig noch die bonitätsschwächeren Firmen? Wenn die Banken Zurückhaltung zeigen, könnte die Stunde der alternativen Kreditgeber schlagen – allen voran die von Private Debt. Viele Kreditfonds gehen auch höhere Risiken ein, vorausgesetzt die Verzinsung und der Grad der Besicherung stimmen. Ein Drittel der befragten Banker glaubt, dass die Debt-Fonds als Gewinner aus der Coronakrise hervorgehen werden.

Für das eigene Kundenportfolio gilt dies in den Augen der befragten Banker freilich nicht. Zwar sorgen sich viele um den Markt, doch 62 Prozent schätzen ihr persönliches Kundenportfolio mit Blick auf die Krisenfestigkeit besser ein als den Gesamtmarkt. „Wenn diesmal nicht zufällig nur die Kollegen mit dem Spitzenportfolio geantwortet haben, dann regiert hier Wunsch über Wirklichkeit“, meint Bastian Frien, Leiter des FINANCE Think Tanks. Lediglich 5 Prozent der Firmenkundenbetreuer halten ihr Portfolio für weniger krisenfest als den Gesamtmarkt. 

Auf die Stimmung unter den Firmenkundenbankern hat die Coronakrise bisher erstaunlich wenig Einfluss. Die Arbeitsunzufriedenheit und Wechselwilligkeit hat sich der Umfrage zufolge im vergangenen halben Jahr praktisch nicht verändert. Auffällig ist jedoch, dass die Chefs erheblich zufriedener sind als ihre Mitarbeiter und sich daher folglich auch weniger wechselwillig zeigen. Das könnte daran liegen, dass das Jahr 2020 für viele doch nicht so schlecht war wie zunächst befürchtet. Die Boni scheinen für viele Banker wieder in greifbarer Reichweite zu sein.

philipp.habdank[at]finance-magaizn.de

Die vollständige Firmenkundenbetreuer-Survey finden Sie hier. Noch mehr Hintergründe zum deutschen Corporate Banking finden Sie zudem auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft