AFP

21.11.13
Banking & Berater

Danièle Nouy soll EZB-Bankenaufsicht vorstehen

Die Europäische Zentralbank hat die Französin Danièle Nouy für den Chefposten der neuen EZB-Bankenaufsicht vorgeschlagen. Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Schon zu Beginn des Jahres war ihr Name mit dem Posten in Verbindung gebracht worden.

Nun ist die Katze aus dem Sack: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Französin Danièle Nouy für den Chefposten der neuen EZB-Bankenaufsicht, dem Single Supervisory Mechanism (SSM) – vorgeschlagen. Der Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments sei darüber informiert worden, teilte die EZB mit. Eine erste Anhörung der neuen EBA-Chefin vor dem Ausschuss ist für den 27. November geplant.

Die Favoritin hat sich damit durchgesetzt: Bereits Anfang Januar 2013 war ihr Name mit der Führung des SSM in Verbindung gebracht worden. „Ich bin absolut für eine weibliche Vertreterin, und sie wird Französin sein“, sagte der damals noch amtierende Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker gegenüber der Presse.

Hohe Expertise im Finanz- und Bankwesen

Mit dem Vorschlag Nouys sollte Paris die Zustimmung zu einer weiteren Personalie erleichtert werden: Der Ernennung des niederländischen Finanzministers Jeroen Dijsselbloem zum neuen Eurogruppen-Chef. Nouy galt aber auch deshalb als klare Favoritin für das Amt, weil das EU-Parlament in letzter Zeit immer wieder moniert hatte, dass bei der EZB Frauen keine Spitzenposten bekleiden.

Abgesehen von Chancengleichheit und Gleichberechtigung kann Nouy aber auch eine hohe Expertise im Finanz- und Bankensektor vorweisen: Die 62-Jährige arbeitet seit 1974 bei der Banque de France, wurde 2006 zur Präsidentin des Committee of European Banking Supervisors ernannt, dem Vorgänger der europäischen Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority, und ist derzeit Generalsekretärin der französischen Bankenaufsicht. Von 1998 bis 2003 war sie zudem Generalsekretärin des Baseler Ausschusses, der die Regeln für die Finanzbranche aufstellt.

Verfechterin einer harten Bankenaufsicht

Die neue Bankenaufsicht soll im November 2014 unter dem Dach der EZB ihre Arbeit aufnehmen. Eines ihrer wichtigsten Projekte wird die umfassende Überprüfung der europäischen Banken sein, die die EZB gemeinsam mit der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA durchführen wird. Die Ergebnisse der Untersuchungen, in denen die Risikobewertungssysteme der Finanzinstitute und die Asset-Qualität untersucht, und die Institute einem Stresstest unterworfen werden, werden für Herbst 2014 erwartet. Sie dürften darüber entscheiden, ob das Vertrauen in den europäischen Bankensektor gestärkt wird, oder ob es erneut zu einer Verunsicherung kommt.

Nouy selbst gilt als Verfechterin einer harten Bankenaufsicht. Auf einen Home-Bias können insbesondere die französischen Institute nicht bauen. Französische Banker beschreiben Nouy als „sehr fordernd“ und „strengen Regulator“. Erst vor wenigen Tagen rückten die Institute nach dem Downgrade der Kreditwürdigkeit Frankreichs auf AA durch Standard & Poor’s erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die für CFOs ungleich wichtigere Kreditwürdigkeit der französischen Großbanken hatte die Ratingagentur aber nicht angetastet.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de