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24.05.18
Banking & Berater

Deutsche Bank dampft Aktienmarktgeschäft massiv ein

Die Deutsche Bank macht Ernst mit ihren Sparvorhaben. Die Kosten sollen durch einen massiven Stellenabbau drastisch reduziert werden. Besonders davon betroffen sind Teile des Investmentbankings – der einstigen Paradedisziplin des Finanzinstituts.

Die Deutsche Bank treibt ihren Sparkurs voran und dampft ihr Aktienmarktgeschäft drastisch ein. Wie die Bank am heutigen Donnerstag mitteilte, sollen die weltweiten Vollzeitstellen in den kommenden Jahren von 97.000 auf „deutlich unter 90.000“ gesenkt werden. Im Aktiengeschäft soll jede vierte Stelle entfallen. Künftig setzt das Institut in dem Bereich auf elektronische Lösungen und „die weltweit relevantesten Kunden“. Der Stellenabbau sei bereits angelaufen.

Durch die Maßnahmen soll das Bilanzvolumen der Unternehmens- und Investmentbank um mehr als 100 Milliarden Euro sinken, das entspricht dem Institut zufolge rund einem Zehntel des Bilanzvolumens von gut 1 Billion Euro zum Ende des ersten Quartals 2018. Der Großteil des Abbaus soll bereits in diesem Jahr erfolgen.

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Restrukturierung belastet Deutsche Bank

Bereits mit dem Führungswechsel bei der Deutschen Bank hatte sich angedeutet, dass der neue CEO Christian Sewing einen erneuten radikalen Umbau bei Deutschlands größter Bank vornehmen würde. Vor einigen Wochen zeichnete sich schon ab, dass das Finanzierungsgeschäft mit Hedgefonds auf den Prüfstand kommt. Heute bestätigte die Bank, das Bilanzvolumen in dem Segment um ein Viertel verkleinern zu wollen, das entspreche einem Rückgang um etwa 50 Milliarden Euro.

Die Restrukturierung und der geplante Stellenabbau werden das Ergebnis der Deutschen Bank in diesem Jahr beeinträchtigen. Der Vorstand rechnet nach derzeitigem Stand mit Kosten für Restrukturierungen und Abfindungen von bis zu 800 Millionen Euro.

Deutsche Bank will weiter Kosten senken

Auch wenn zunächst einmal Belastungen entstehen, will die Deutsche Bank mit dem Umbau der Unternehmens- und Investmentbank nach drei Verlustjahren in Folge wieder profitabel werden. Auch auf der Kostenseite hat sich Sewing konzernweit ambitionierte Ziele gesetzt. So sollen die bereinigten Kosten 2018 die Grenze von 23 Milliarden Euro nicht überschreiten und 2019 sogar um 1 Milliarde Euro gesenkt werden. Dies soll ohne den Verkauf größerer Geschäftsteile erfolgen.

Trotz der anstehenden Umbauten versucht der Vorstandschef, die Kunden zu beschwichtigen. „Wir stehen zu unserer Unternehmens- und Investmentbank und bleiben international – daran werden wir nicht rütteln“, versichert Sewing. „Aber wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können.“ Sewing hatte zuletzt angekündigt, sich auch im Firmenkundengeschäft stärker auf Europa konzentrieren zu wollen.

Deutsche Bank kämpft mit Ertragsschwäche

Um wieder in die Erfolgsspur zu kommen, muss die Deutsche Bank auch dringend ihre Ertragslage verbessern. Im ersten Quartal 2018 verbuchte die Deutsche Bank einen Gewinn nach Steuern von 120 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 575 Millionen Euro gewesen. Zudem sanken die Erträge gegenüber dem Vorjahresquartal um 5 Prozent auf knapp 7 Milliarden Euro. 

Auf die Unternehmens- und Investmentbank entfielen dabei Erträge von 3,8 Milliarden Euro, ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Erträge waren in allen Geschäftsbereichen niedriger. Die Erträge im Aktienhandel waren sogar um 21 Prozent gesunken. Die Kürzungen im Investmentbanking zeigten sich zuletzt auf mehreren Ebenen. Der globale M&A-Chef Thomas Piquemal hat die Bank kürzlich verlassen. Als symbolträchtig gilt, dass die Deutsche Bank ihre Büroräume an der New Yorker Wall Street aufgeben und in kleinere Räumlichkeiten umziehen wird. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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