Deutsche Bank fällt durch Stresstest

Deutsche Bank

29.06.18
Banking & Berater

Deutsche Bank fällt durch Stresstest

Die US-Notenbank Fed attestiert der US-Tochter der Deutschen Bank zwar eine krisenfeste Kapitalausstattung. Gleichzeitig spricht sie der Bank aber implizit die Fähigkeit ab, diese überhaupt richtig ermitteln zu können.

Die Deutsche Bank darf ohne die Zustimmung der US-Notenbank Fed kein Kapital mehr von ihrer US-Tochter nach Frankfurt verschieben. Das ist die Konsequenz aus dem jüngsten Stresstest in den USA, dessen zweiten Teil Deutschlands größte Bank nicht bestanden hat.

Die Fed sieht „gravierende Mängel“ in der Datenverarbeitung und bei den internen Kontrollsystemen der US-Tochter. Die Mängel beträfen sowohl den Kapitalplanungsprozess als auch die Fähigkeit, in Stresssituationen den Gewinn und Verlust zu prognostizieren, wie die US-Notenbank mitteilte.

Ist Kapitalausstattung der Deutschen Bank US krisenfest?

Mit diesem Urteil setzt die Fed gleichzeitig ein Fragezeichen hinter die Ergebnisse des ersten, quantitativen Teil des Stresstests, den die Deutsche Bank in der vergangenen Woche noch mit Bravour bestanden hatte. Da die Fed im zweiten, qualitativen Teil des Stresstests jedoch den Kapitalplanungsprozess und die Prognosefähigkeit zur Gewinn- und Verlustermittlung in Stresssituationen hinterfragt, schränkt sie die Aussagekraft des ersten Ergebnisses ein.

Gleichwohl dürfte dieser Befund zu keiner wesentlich anderen Sichtweise auf die Kapitalausstattung der Deutschen Bank in den USA führen, denn der Krisenpuffer ist hoch. Selbst in dem sehr negativen Stresstestszenario, das die US-Behörden zur Grundlage ihrer Prüfung gemacht hatten, würde die harte Kernkapitalquote über neun Monate hinweg zu keinem Zeitpunkt unter 12,2 Prozent fallen. Der aufsichtsrechtliche Mindestwert liegt bei 4,5 Prozent.

Deutsche Bank in USA schon länger unter Druck

Problematisch ist jedoch, dass die Deutsche Bank den qualitativen Stresstest nun schon zum dritten Mal nach 2015 und 2016 nicht besteht. Dies lässt erkennen, dass es der Bank noch immer nicht gelungen ist, ihre strukturellen Probleme in den USA zu beheben. Daher hat die US-Einlagensicherung FDIC die US-Tochter auch auf eine Liste von „Problembanken“ gesetzt. Die Fed sieht die Deutsche Bank US schon länger in einer Schräglage („in troubled condition“).

Die Deutsche Bank teilt mit, sie habe bereits „umfangreich investiert“, um die Kapitalplanung, Kontrollen und die Infrastruktur bei der US-Tochter zu verbessern. Sie wolle weiterhin mit der Aufsicht konstruktiv zusammenarbeiten.

Dafür verantwortlich ist der Risikovorstand der Deutschen Bank, Stuart Lewis. Er hat laut des aktuellen Geschäftsberichts die zusätzliche Verantwortung übernommen, „das Verhältnis zu den US-amerikanischen Regulatoren weiter zu verbessern“ und erhielt im vergangenen Jahr dafür eine „Funktionszulage“ in Höhe von 300.000 Euro.

Aktionäre haben mit Stresstestergebnis gerechnet

Die Aktionäre tragen die Stresstestergebnisse mit Fassung. Dass die Deutsche Bank beim zweiten Teil des Stresstests durchfallen würde, stand schon länger als realistische Aussicht im Raum.

Nachdem der Aktienkurs der Deutschen Bank in den vergangenen Tagen im Sog der allgemeinen Marktschwäche auf ein Allzeittief von 8,70 abgesackt war, steht das Papier inzwischen wieder bei 9,30 Euro. Im frühen Handel legt die Aktie mit über 2 Prozent sogar stärker zu als der Dax.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Ein Beispiel für die schwachen internen Kontrollsysteme der Deutschen Bank in den USA liefert das Lautsprecherdebakel im August 2016, aufgeschrieben im FINANCE-Blog „Inglorious Bankers “.